Stand: 07.05.2020 13:00 Uhr

Weltspiegel aus Hamburg: "Zum Glück hat sich fast alles geändert"

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Andreas Cichowicz ist NDR Chefredakteur Fernsehen und gehört zum Moderations-Team des Weltspiegels.

Vor zwei Jahrzehnten präsentierte er erstmals den Weltspiegel im Ersten: Seitdem moderiert Fernseh-Chefredakteur Andreas Cichowicz die Weltspiegel Sendungen, die der NDR - im Wechsel mit BR, SWR und WDR - verantwortet. Das ARD Auslandsmagazin ist ein Format mit Tradition und dabei modern geblieben. Denn: "Zum Glück hat sich fast alles geändert", so Cichowicz. Im Interview erzählt er von damals und heute.

Am 21. Mai 2000 präsentierten Sie zum ersten Mal den Weltspiegel im Ersten. Sie waren damals neu beim NDR. Was bedeutete Ihnen die Moderation?

Andreas Cichowicz: Dass ich die Moderation des Weltspiegels übernehmen konnte, war für mich einer der Gründe, zum NDR zu wechseln. Zuvor war ich für den SWR zehn Jahre im Ausland gewesen. Die Sendung hatte mich schon als kleiner Junge begleitet. Sie wurde bei uns zu Hause regelmäßig eingeschaltet, auch weil mein Großvater beruflich viel Zeit im Ausland verbracht hatte und sich daher für das Leben in anderen Teilen der Welt interessierte. Am liebsten spielte er mit mir Hauptstädte-Quiz. Das hat dann wohl abgefärbt.

Damals war alles besser?

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Seriöse und zuverlässige Informationen rund ums Weltgeschehen: Dafür stehen der Weltspiegel und Moderator Andreas Cichowicz - auch ohne rosa Nadelstreifen und Krawatte.

Cichowicz: Zum Glück hat sich fast alles geändert. Vor 20 Jahren glich die Aufmachung noch einer Nachrichtensendung. Der Moderator wie festgezurrt vor der Studiokamera, immer halbnah und regungslos vor einer Weltkugel. Empfohlen wurden braune Anzüge mit rosa Nadelstreifen. Daran habe ich mich nie gewöhnt. Auch an die Krawatte nicht.

Als ich die schon bald ablegte, gab es Kritik. Aber die anderen Weltspiegel Moderatoren folgten schnell. Es moderierten damals ausschließlich Männer - auch das ist zum Glück längst vorbei. Nur die Titelmelodie blieb. Allerdings nicht so pompös wie damals. Das spiegelt auch die veränderte Haltung der Sendung wider: Wir haben die Weisheit nicht gepachtet. Aber wir liefern den Zuschauer*innen zuverlässige Information, um eine komplizierte Welt besser zu verstehen.

20 Jahre Weltspiegel - das sind unzählige Themen. Welche sind Ihnen in Erinnerung geblieben?

Cichowicz: Die Zeit nach den Terroranschlägen am 11. September 2001 in den USA werde ich nie vergessen. Schon kurze Zeit später holte Präsident George W. Bush zum Gegenschlag aus - in Afghanistan. Der "War on Terror" startete ausgerechnet an einem Sendungstag des Weltspiegels. Im Studio hatte ich DIE Expertise neben mir, um darüber zu sprechen: die Weltspiegel Legenden Gerd Ruge und Winfried Scharlau, beide langjährige Korrespondenten und Moderatoren.

Auch für den Weltspiegel brach damals eine neue Zeit an - schneller, aktueller, hintergründiger. Mit dem Format Weltspiegel extra konnten wir inzwischen zusätzliche Sendefläche für die Auslandsberichterstattung im Ersten schaffen. Außerdem ist der Weltspiegel bei herausragenden Anlässen mitunter sogar vor Ort, zum Beispiel bei den Wahlen in Myanmar und Taiwan. Persönlich begeistern mich bis heute der Mut und die Leidenschaft vieler unserer ARD-Korrespondent*innen, Kamerateams und Cutter*innen in den Auslandsstudios. Gemeinsam gehen wir in die crossmediale Zukunft der Auslandsberichterstattung. Darauf freue ich mich.

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Was hat sich für Sie als Moderator geändert?

Cichowicz: Früher kam der Weltspiegel Moderator am Sendungstag um 15 Uhr in die Redaktion und diktierte bis 17.30 Uhr seine Texte, die er sich im stillen Kämmerlein einfallen ließ. Heute ist das Teamwork, ein Prozess über mehrere Tage. Das neue Studio spielt eine zentrale Rolle. Wir passen die Bildauswahl der Moderation an und umgekehrt, zerlegen die Sendung in viele kleine, auflockernde Puzzle-Teile, Social Media fließt mit ein. Auch vor den Bildschirmen ist die Haltung heute eine andere.

Früher begann mit dem Weltspiegel der Abend. Heute sind die Zuschauer*innen eher in einer Freizeitstimmung, wenn sie uns einschalten. Gleichzeitig hat die exotische Anmutung nachgelassen. Unser Publikum hat selbst schon viele Winkel der Welt gesehen. Aber das Verständnis, warum etwas geschieht, suchen sie bei uns. Deshalb müssen wir Konflikte wie den israelisch-palästinensischen wieder neu erklären: Bei vielen Jüngeren gibt es kein Vorwissen, auf das man als Moderator aufbauen kann. Eins bleibt: Hinreisen, aussteigen, beobachten, Fragen stellen - und dann davon erzählen.

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