Stand: 17.05.2016 15:55 Uhr

Vorsicht vor Fructose: Fruchtzucker macht dick

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Fruchtzucker wird vielen Lebensmitteln zugesetzt.

Versteckte Zucker in Lebensmitteln sind ein Problem, da sind sich Ärzte und Ernährungswissenschaftler einig. Insbesondere mit Fructose angereicherte Nahrungsmittel sind in Mengen ungesund und verantwortlich für Übergewicht, Fettleber und erhöhte Blutfettwerte. Fruchtzucker ist entgegen der häufigen Annahme nicht gesünder als Haushaltszucker.

Fructose ist ein Einfachzucker

Fruchtzucker (Fructose) gehört zur Gruppe der Kohlenhydrate und zählt ebenso wie Glucose (Traubenzucker) zu den sogenannten Einfachzuckern (Monosaccharide). Einfachzucker bestehen aus vielen einzelnen Zuckermolekülen. Fructose ist auch Bestandteil des herkömmlichen Haushaltszuckers (Saccharose). Dieser wird aus Zuckerrüben und Zuckerrohr hergestellt und besteht zu jeweils der Hälfte aus den beiden Einfachzuckern Fructose und Glucose. Hinsichtlich der Kalorienmenge unterscheiden sich die Zucker nicht voneinander: Sie liefern beide vier Kilokalorien pro Gramm.

Reine Fructose ist allerdings doppelt so süß wie reine Glucose. Daher wird sie von der Lebensmittelindustrie besonders gerne zum Süßen eingesetzt - und zwar meist in Form von mit Fructose angereichertem Sirup aus Maisstärke. Fruchtzucker ist zudem preisgünstiger in der Herstellung als Haushaltszucker und wirkt geschmacksverstärkend.

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Besondere Vorsicht ist vor allem bei gesüßten Getränken geboten. Sogenanntes Functional Food, zum Beispiel Wellnessdrinks, enthalten mit bis zu 40 Gramm zum Teil sehr große Mengen an Fruchtzucker. Auch Früchte wie Äpfel, Birnen, Beeren oder Trauben enthalten Fructose. Außerdem kommt sie in fast allen Gemüsesorten - allerdings im Vergleich zum Obst in wesentlich geringeren Mengen - vor. Im Vergleich: 100 Gramm Äpfel enthalten etwa sechs Gramm Fructose, pro 100 Gramm Trauben etwa acht Gramm und Rosinen sogar circa 33 Gramm. 100 Gramm Brokkoli dagegen enthalten nur etwa ein Gramm Fructose. Fruchtzucker ist jedoch nicht gleich Fruchtzucker. Für den menschlichen Körper ist es entscheidend, ob er in Form einer Frucht oder als Bestandteil eines Schokoriegels, Fertiggerichts oder eines gesüßten Getränks geliefert bekommt.

Der Fructosegehalt von Fruchtsäften ist im Vergleich zu den unverarbeiteten Früchten deutlich höher, da ihnen die Ballaststoffe fehlen. Generell sind frische und naturbelassene Nahrungsmittel den industriell hergestellten vorzuziehen, da sie außerdem wertvolle Bestandteile wie Ballaststoffe, sekundäre Pflanzenstoffe, Vitamine und Mineralien enthalten.

Warum brauchen wir Zucker?

Verzichten können wir auf Zucker nicht, denn er ist der wichtigste Energielieferant des Körpers. Alle Körperzellen bevorzugen aber Glucose zur Energiegewinnung. Glucose gelangt mithilfe des Hormons Insulin schneller aus dem Blut in die Zellen als Fructose, die erst über Umwege zur Energieproduktion genutzt werden kann. Schon im Darm wird Fructose von Menschen unterschiedlich gut und vor allem langsamer als Glucose resorbiert. Das liegt daran, dass Fructose passiv und ohne Energieverbrauch aus dem Darm in die Zellen der Darmschleimhaut entlang eines Konzentrationsgefälles einströmt, um von dort aus ins Blut zu gelangen. Glucose wird aktiv, also unter Energieverbrauch, in die Zelle gepumpt. Fructose dagegen wird in der Leber zu Fett abgebaut. Ein Großteil des auf die Weise entstandenen Fettes gelangt zurück in den Blutkreislauf. Es erhöht so die Blutfett- und Cholesterinwerte und wird in den Fettdepots eingelagert.

Übermäßiger Fructosekonsum und die Folgen

Studien haben bestätigt, dass sich eine erhöhte Fructoseaufnahme ungünstig auf den Stoffwechsel auswirkt und die Entwicklung von Übergewicht und Fettleibigkeit sowie Fettstoffwechselstörungen und Diabetes begünstigt. Außerdem steigert die erhöhte Zufuhr von Fructose das Risiko für Bluthochdruck. Auch eine Studie des Deutschen Instituts für Ernährungsforschung, die an Mäusen durchgeführt wurde, hat den Zusammenhang zwischen Fructosekonsum und Übergewicht belegt. Dieser beruht dabei nicht auf einer erhöhten Energieaufnahme, sondern vielmehr auf einer Beeinflussung des Fett- und Kohlenhydratstoffwechsels. Und auch in einer Untersuchung an Menschen konnte gezeigt werden, dass Fructose vom Körper sehr viel schneller in Körperfett umgewandelt wird als Glucose.

Sättigungsgefühl nimmt ab

Fructose führt zudem zu einem geringeren Sättigungsgefühl. Normalerweise ist das Hormon Leptin dafür verantwortlich dem Gehirn zu vermitteln, ob die Fettdepots ausreichend gefüllt sind. Leptin wird in den Fettzellen gebildet. Sind ausreichende Fettreserven vorhanden, hemmt Leptin das Hungergefühl. Ein übermäßiger Fructosekonsum führt allerdings zu einer Leptinresistenz. Das bedeutet, dass die Signalübertragung des Sättigungsgefühls nicht mehr funktioniert und das Sättigungsgefühl ausbleibt.

Fructose macht also in dreierlei Hinsicht dick: Sie wird direkt in Fett umgewandelt und in den Fettdepots gespeichert, sie verhindert die Fettverbrennung bei gleichzeitig vermehrtem Fettaufbau und blockiert das Sättigungsgefühl.

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Interviewpartner

Dennis Heider
examinierter Diätassistent
21717 Fredenbeck (bei Stade)
E-Mail: Dennisheider@gmx.de

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