Sendedatum: 04.06.2013 20:15 Uhr  | Archiv

Wenn Füße und Beine schmerzen und brennen

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Es gibt mehr als 100 mögliche Auslöser für eine Polyneuropathie.

Kribbeln und Stechen, brennende Schmerzen, aber auch Taubheit in bestimmten Körperteilen können Anzeichen für eine Erkrankung des Nervensystems sein: Polyneuropathie. Sie gehört zu den häufigsten neurologischen Krankheiten und tritt oft als Spätfolge der Zuckerkrankheit Diabetes mellitus auf. Auch regelmäßiger Alkoholkonsum, Medikamente, Infektionen, Vitaminmangel, Autoimmunkrankheiten oder genetische Faktoren können die Ursache für Nervenschäden sein. Es gibt mehr als 100 mögliche Auslöser für eine Polyneuropathie - in jedem fünften Fall bleibt die Ursache unklar.

Die Nervenbahnen durchziehen den ganzen Körper wie Stromkabel. Durch sie senden und empfangen unsere Nervenzellen Impulse, steuern Muskeln und leiten Gefühlsempfindungen an unser Gehirn und Rückenmark weiter. Bei der Polyneuropathie werden die Nervenbahnen aus unterschiedlichen Gründen geschädigt, sodass sie die Impulse gar nicht mehr oder nur noch unvollständig weiterleiten. Die Folgen sind Muskelschwäche, Schmerzen oder Taubheitsgefühle. Besonders gefährlich wird es, wenn auch die Herznerven betroffen sind. Dies führt zu einem deutlich erhöhten Risiko, am plötzlichen Herztod zu sterben, da Infarkte so schmerzlos ablaufen können.

Welche Möglichkeiten der Diagnose gibt es?

Je früher eine Polyneuropathie erkannt und behandelt wird, desto besser. Deuten Symptome wie Kribbeln, stechende oder brennende Schmerzen und Schwäche in Armen und Beinen auf eine Polyneuropathie hin, führt der Neurologe eine Reihe von Tests durch. Dabei misst er mit einem einfachen und schmerzlosen Test die Nervenleitgeschwindigkeit, indem er Strom durch ein Nerven schickt. Werden die Impulse deutlich verzögert weitergeleitet, ist das ein Hinweis auf eine Polyneuropathie.

Um festzustellen, wie stark die sensiblen Nerven bereits geschädigt sind, testet der Neurologe mit einer Stimmgabel das Vibrationsempfinden. Der Patient muss angeben, ab wann er die Schwingungen der angeschlagenen Gabel nicht mehr spürt. Das Temperatur- und Schmerzempfinden wird mit einer sogenannten Thermode geprüft. Gesunde nehmen Wärme ab 38 Grad wahr, Patienten mit einer Polyneuropathie erst bei deutlich höheren Temperaturen. Das bedeutet, dass die Betroffenen auch Verletzungen, Kälte- und Hitzeschäden erst viel zu spät spüren und sich so unbemerkt Geschwüre entwickeln können. Nicht selten bleibt dann nur noch die Amputation.

Bei der Suche nach der Ursache einer Polyneuropathie kann auch eine Gewebeentnahme, eine sogenannte Biopsie, helfen. Dabei entnimmt der Arzt Muskel- und Nervengewebe und lässt es feingeweblich untersuchen. So kann er zum Beispiel feststellen, ob eine Infektion, eine Autoimmun- oder Erbkrankheit für das Leiden verantwortlich ist.

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Visite | 04.06.2013 | 20:15 Uhr