Stand: 27.08.2013 15:15 Uhr

Adolf Grimme - Leben für die Bildung

Dr. Adolf Grimme, Generaldirektor des NWDR © NDR
Adolf Grimmes Name ist bekannt, seine persönliche Geschichte kennen nur wenige.

Seit 1964 werden alljährlich im nordrhein-westfälischen Marl die Adolf-Grimme-Preise verliehen, die zu den höchsten Auszeichnungen der deutschen Medienlandschaft gehören. Der Preis trägt den Namen eines der führenden deutschen Kulturpolitiker in der Vor- und Nachkriegszeit und einen der Wegbereiter des deutschen Rundfunks.

Adolf Grimmes Lebensweg ist ungewöhnlich verschlungen. Geboren wird der Sohn eines Bahnbeamten 1889 in Goslar im Harz. Nach seinem Studium der Philosophie und Germanistik tritt Grimme 1924 in den Schuldienst ein. Er engagiert sich - trotz konservativen Umfelds - als Reformpädagoge und will auch Arbeiterkindern den Weg zum Studium ermöglichen.

Kurze Zeit ist er Mitglied der liberalen Deutschen Demokratischen Partei, dann führt ihn sein Weg 1923 in die SPD. Er irritiert manchen Parteigenossen mit seinem Bekenntnis zum "religiösen Sozialismus" und seiner Maxime: "Als Sozialist kann ich Christ sein, aber als Christ muss ich Sozialist sein."

Über seine Arbeit in der Schulverwaltung kommt Grimme 1927 ins preußische Kultusministerium. 1930 steigt er auf zum Kultusminister. Es wird jedoch nur eine kurze Amtszeit: Bereits 1933 entheben die Nationalsozialisten ihn seines Amtes.

Rückzug und Verhaftung im "Dritten Reich"

Bereits 1932 warnte Grimme in mutigen Reden vor der "gefährlichen Rolle des Herrn von Papen als Steigbügelhalter Adolf Hitlers für dessen Ritt in den Krieg". Trotzdem emigriert er nicht. Er bleibt in Deutschland, zieht sich zurück, arbeitet als Korrektor. 1942 dann wird er wegen seiner Verbindungen zu der Widerstandsgruppe "Rote Kapelle" zu drei Jahren Zuchthaus verurteilt.

Weitere Informationen
Harro Schulze-Boysen, Mitbegründer der "Roten Kapelle" © NDR

Harro Schulze-Boysen und die "Rote Kapelle"

Er war Mitbegründer der Widerstandsgruppe, die sich viel früher gegen Hitler wehrte als die Widerstandskämpfer des 20. Juli. 1942 wurde er in Berlin-Plötzensee hingerichtet. mehr

Nach dem Krieg wird er 1946 niedersächsischer Kultusminister und widmet sich dem Wiederaufbau des Schulwesens, der Neuorganisation von Wissenschaft und Kultur. Im Anschluss, ab dem Jahr 1948, leitet Grimme den neu gegründeten Nordwestdeutschen Rundfunk Hamburg und Köln (NWDR) als Generaldirektor.

Das Ethos des Rundfunks

Dr. Adolf Grimme, Generaldirektor des NWDR © NDR
Verfechter der Volksbildung, die auch Arbeiterkindern Aufstiegschancen ermöglicht: Adolf Grimme.

Der Rundfunk als "Kompass", das Radio als "Helfer, sich auf den Sinn des Lebens wieder zu besinnen": Mit diesen programmatischen Worten tritt Adolf Grimme sein neues Amt in Hamburg an. Seine Rede erscheint damals unter dem Titel "Das Ethos des Rundfunks" und wird vielfach zitiert.

Der Erfolg Grimmes' Amtsführung beim NWDR gilt als umstritten. Einige Stimmen werfen ihm Entscheidungsschwäche und unnötige Bürokratie vor. Gleichzeitig wird er als vehementer Verteidiger der neuen Rundfunkfreiheit bewundert, da Grimme gegen alle Einwände der Politik auf die erzieherischen und bildenden Aufgaben des Mediums pocht.

Ruhestand zur Auflösung des NWDR

1956 tritt Grimme in den Ruhestand, nachdem der NWDR zum Jahreswechsel 1955/56 aufgelöst und die beiden eigenständigen Rundfunkanstalten NDR und WDR gegründet wird. Nach schwerer Krankheit stirbt Adolf Grimme am 27. August 1963 in Degerndorf am Inn. Auf dem Stadtfriedhof Engesohde in Hannover liegt er begraben.

Links
Eine Reihe von Trophäen des Adolf-Grimme-Preises. © dpa-Report Foto: Jörg Carstensen

Adolf-Grimme-Preis

Jährlich wird dieser renommierte Fernsehpreis vom Grimme-Institut in Marl verliehen. Es sollen Sendungen ausgezeichnet werden, die ein Vorbild für das Medium Fernsehen sind. extern

NDR Logo
Dieser Artikel wurde ausgedruckt unter der Adresse: https://www.ndr.de/der_ndr/unternehmen/chronik/grimme141.html