Stand: 07.03.2013 11:25 Uhr

Harmlose Hilfestellung oder sexueller Übergriff?

von Jörg Schimmelpfennig

Wachsende Verunsicherung bei Trainern und Betreuern Sendung Sportland | 8. März 2013 | 21-21:30 Uhr

Hannover. Was darf ich eigentlich noch? Diese Frage stellen sich Trainer und Betreuer in Sportvereinen immer öfter. Was ist nur eine harmlose Hilfestellung im Training und wo fängt eine verdächtige oder gar unsittliche Berührung an? "Wir stellen da eine steigende Verunsicherung fest", sagte der Direktor des Landessportbundes Niedersachsen Reinhard Rawe NDR 1 Niedersachsen.

In der Sendung "Sportland" diskutieren Rawe und weitere Experten über die Problematik, stellen entsprechende Fortbildungen vor und erläutern, wie Kinder und Jugendliche vor sexuellen Übergriffen geschützt werden können. Moderation: NDR Sportredakteur Jörg Schimmelpfennig.

Die Tätigkeit als Trainer oder Betreuer zieht potenzielle Täter geradezu an, wie Untersuchungen zeigen. Auf unverdächtige Art können sich Pädophile hier ihren Opfern nähern und ein Vertrauensverhältnis aufbauen, das sie dann später für ihre Taten ausnutzen. Das Problem habe der Sport erkannt, so Rawe. Auf mehreren Ebenen versuche man, gegenzusteuern und über Aufklärungsarbeit dieses Thema aus der "Tabu-Ecke" zu holen.

Ein offener Dialog sei notwendig, mahnt auch Andrea Buskotte vom Landesjugendschutz Niedersachsen. Nur so sei es möglich, die Täter zu entlarven oder es ihnen gar nicht erst zu ermöglichen, als Trainer in einem Sportverein tätig zu sein. Genaue Zahlen zu sexuellen Übergriffen und sexualisierte Gewalt im Sport gibt es nicht, Experten gehen aber von einer hohen Dunkelziffer aus. Die Fortbildungen für Trainer, Betreuer und auch Sportlehrer seien deshalb absolut notwendig, so Buskotte. Auch wenn ehrenamtliche Mitarbeiter händeringend gesucht werden, sollten Sportvereine immer ein persönliches Gespräch mit einem möglichen neuen Trainer führen und sich nicht scheuen, ein polizeiliches Führungszeugnis zu verlangen.

Der Sport dürfe allerdings auch nicht unter Generalverdacht gestellt werden, betont Reinhard Rawe. Genau das verstärke noch die Verunsicherung bei vielen Betreuern. Die Umarmung im Jubel oder der Trost nach einer Niederlage gehöre zum Wesen des Sports. Sollten aber Sportler um mehr Abstand bitten und sollte eine ablehnende Haltung zu erkennen sein, müsse ein Trainer das eben auch erkennen und akzeptieren. Auch in diesem Fall könne ein offenes Gespräch helfen, die Grenzen zu erkennen und Unsicherheit bei allen Beteiligten abzubauen

An die Redaktionen:
Für Rückfragen steht Ihnen Jörg Schimmelpfennig | NDR 1 Niedersachsen | Redaktion Sportland Tel. 0511 988-2145 gerne zur Verfügung.
7. März 2013

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