Stand: 18.04.2016 15:11 Uhr

Freiheit als Utopie: NDR Elbphilharmonie Orchester spielt Bach & Dallapiccola

Konzerte: Freitag, 22. April, 20.00 Uhr, Hamburg, Laeiszhalle Sonntag, 24. April, 20.00 Uhr, Hamburg, Laeiszhalle Live im Radio: Sonntag, 24. April, 20.00 Uhr, NDR Kultur

Thomas Hengelbrocks besonderer Sinn für überraschende und dabei stets tief schürfende Programmzusammenstellungen ist eines seiner künstlerischen Markenzeichen. Mit Vorliebe setzt der Chefdirigent des NDR Elbphilharmonie Orchesters sinnfällige Kontrapunkte zur Musik des 20. Jahrhunderts mit Werken Johann Sebastian Bachs. Wer in vergangenen Spielzeiten die Konzerte erlebt hat, in denen Bernd Alois Zimmermanns "Ekklesiastische Aktion" oder Frank Martins "Polyptyque" auf Bachs Musik traf, weiß, welch intensive Erfahrung das sein kann.

Im Rahmen des Internationalen Musikfests Hamburg, das 2016 unter dem Motto "Freiheit" steht, gestaltet Hengelbrock mit dem NDR Elbphilharmonie Orchester nun erneut ein fesselndes Passionsdrama, diesmal mit Luigi Dallapiccolas einaktiger Oper "Il Prigioniero" im Zentrum. Dallapiccolas politisches Passionsstück wird dabei von Bachs Eröffnungschor "Kommt, ihr Töchter, helft mir klagen" aus der "Matthäus-Passion" eingerahmt. Es singen der Dänische Rundfunkchor, der Knabenchor St. Nikolai sowie der NDR Chor. Als ausdrucksstarke Solisten sind der Bariton Michael Nagy, der Tenor Stephan Rügamer sowie die Sopranistin Ángeles Blancas zu Gast. An beiden Abenden führt Thomas Hengelbrock im Gespräch mit Friederike Westerhaus um 19 Uhr in das Programm ein. NDR Kultur sendet das Konzert am 24. April 2016 live im Radio.

Kann Hoffnung Folter sein? In Dallapiccolas Oper "Il Prigioniero" ("Der Gefangene") wird dieses Paradoxon zur erschütternden Realität: Einem Gefangenen wird vom scheinbar kooperativen Kerkermeister die baldige Entlassung in Aussicht gestellt. Dann jedoch entpuppt sich der Kerkermeister als Großinquisitor - die Hoffnung war mithin sarkastisch vorgespielte Illusion ... Dallapiccola bekam die Repressionen eines grausamen Herrschaftssystems 1938 am eigenen Leib zu spüren: "Ich bin nicht so naiv, zu verkennen, dass das Individuum in einem totalitären Regime machtlos ist. Nur durch die Musik würde ich meine Empörung ausdrücken können", war er überzeugt. In "Der Gefangene" stellte er die Freiheit als einen utopischen Wunschtraum der Menschheit dar. Die Kurzoper, die ursprünglich als reine Radio-Oper konzipiert war, spielt im 16. Jahrhundert, also zur Zeit der Inquisition unter dem spanischen König Philipp II. Am Ende des Zweiten Weltkriegs entstanden, ist das Drama dabei heute immer noch brandaktuell. "Es bleibt nicht an den spezifischen politischen Ereignissen haften, die es auslösten", erklärt Hengelbrock. Als einem der wichtigsten Neuerer in der italienischen Musik der Moderne gelang es Dallapiccola zudem, eine musikalisch einzigartige Synthese aus Zwölftontechnik und dem traditionellen vokalen Stil der italienischen Oper zu schaffen.

Karten für Hamburg gibt es zu 11 Euro bis 51 Euro (zzgl. 10 Prozent Vorverkaufsgebühr) im NDR Ticketshop im Levantehaus, Mönckebergstr. 7, 20095 Hamburg, Tel.: 040/44 192 192), E-Mail: ticketshop@ndr.de. Pressekarten und Interviews über Prisca Biermann, Tel: 0171/6806069, E-Mail: biermann@biermannpr.de.

18. April 2016 / RC

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