Stand: 03.05.2016 16:16 Uhr

Erfahrungsbericht Journalistik-Lab

"Wie geht es euch heute?" So werden wir in dieser Woche begrüßt. Gute Frage. Wie geht es mir heute- an einem kühlen Montagmorgen in NDR Rotherbaum? Das Seminar mit dem Namen "Journalistik-Lab" liegt jetzt eine Woche vor uns. Wir sind acht Mediengestalter in Bild und Ton im zweiten Lehrjahr. Dass wir ein Seminar zu Recherche und Moderation haben, ist bisher noch nicht vorgekommen.

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Jonas Jung bereitet sich auf seine Live-Schalte vor, indem er das freie Sprechen anhand seiner Stichworte übt.

Ich freue mich darauf, etwas über die Arbeit in der Redaktion zu lernen. Gleichzeitig bin ich sehr gespannt, was dieses Seminar genau beinhaltet und was ich daraus mitnehmen werde. Außerdem verbringen wir die Woche zusammen mit den Mediengestaltern aus Hannover, die wir als Hamburger Azubis selten sehen. Vor uns steht Uwe Schulz. Er ist Moderator bei WDR 2 und schafft mit seiner eloquenten, humorvollen und einfühlsamen Art sofort eine lockere Atmosphäre.

Jeden Tag besuchen uns echte Journalisten aus verschiedenen Hörfunkredaktionen und bringen uns wichtige Grundlagen bei: Beitragsformen erkennen oder recherchieren mit Redaktionsprogrammen wie OpenMedia. Zum ersten Mal wird uns klar, was es bedeutet, fundiert Informationen für einen Bericht zu sammeln. Wir sprechen über die Elemente im Sendeplan eines Radiosenders, die ihn einzigartig machen und lernen die Struktur der Online- Seite des NDR kennen.

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Kurze Anmoderation aus dem Studio und dann geht's los: Jan-Philipp Peters bringt in drei Minuten den "Hörern" den Frühling durchs Radio näher.

Neben diesen Dingen lernen wir auch viel über uns selbst, über unsere Wirkung auf andere, unser Verhalten in Konfliktsituationen und über Zusammenarbeit im Team. Um all unsere erworbenen Fähigkeiten anzuwenden, werden wir Donnerstag "auf Sendung" geschickt. Jeder von uns Auszubildenden bereitet eine dreiminütige Live-Schalte vor: Geschichte, Recherche, O-Töne, Text. Acht Azubis laufen an diesem Tag im Sonnenschein an der Alster entlang und befragen Passanten zu ihrem jeweiligen Thema. Danach werden die O-Töne unter Zeitdruck im Ü-Wagen geschnitten und diejenigen, die nicht ganz frei moderieren wollen, schreiben einen kleinen Text - für viel mehr bleibt keine Zeit.

Jetzt kommt der Moment, in dem Uwe uns aus dem Studio anmoderiert. Ganz so, als seien wir wirklich gerade live im Radio. Wir wissen genau, dass eigentlich nichts passieren kann, und trotzdem schlägt uns das Herz bis zum Hals. Dem einen fehlen einem die Worte, ein anderer plappert wie verrückt los. Drei Minuten werden plötzlich werden zu einer unendlich langen Zeit. Am Ende liefert jeder von uns eine spannende und hörenswerte Live-Reportage ab. Es war ein wirklich schönes Gefühl, hinterher ein bisschen aufgekratzt und voller Adrenalin zurück in den Sender zu gehen.

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Geschafft! Nach der Verabschiedung von Felix Borrmann auf dem Ü-Wagen geht’s zurück zum Sender.

Als Resumé dieser Woche entsteht eine halbstündige Talkshow, in der wir alle zusammen von unseren Erfahrungen und Eindrücken erzählen. "Wie geht es euch heute?" ist auch Uwes abschließende Frage. Heute bin ich mir sicher. Es geht mir wunderbar. Die Woche hat mich wirklich weitergebracht. Ich habe das Gefühl nicht nur inhaltlich, sondern auch zwischenmenschlich weiter gekommen zu sein.
Und nebenbei hatten wir auch noch eine ganze Menge Spaß!
Danke.