Stand: 14.10.2013 16:27 Uhr  | Archiv

Gartenschau-Bilanz: Bunte Beete, keine Knete

Nach 171 Tagen endete die Internationale Gartenschau (igs) in Hamburg-Wilhelmsburg. Und die Bilanz ist verheerend: Die Schau macht 37 Millionen Euro Minus. Mit knapp über einer Million Besuchern kamen viel weniger Gäste als erwartet. Über den gesamten Zeitraum hatten die Veranstalter ursprünglich mit 2,5 Millionen Besuchern gerechnet.

Stadtentwicklungssenatorin Jutta Blankau (SPD) nannte den verregneten Frühling, die Konkurrenz mit anderen Großveranstaltungen der Metropole wie Hafengeburtstag und Kirchentag als Gründe für den geringen Zuspruch. "Die Schwelle, die Wilhelmsburg in vielen anderen Teilen Hamburgs hat, ist noch zu hoch", sagte die Politikerin. Die klaffende Besucherlücke bezeichnete sie als bitter und enttäuschend. Das Defizit soll durch Umschichtungen aus dem städtischen Haushalt finanziert werden.

Auch igs-Chef Heiner Baumgarten zeigte sich von den Besucherzahlen enttäuscht. "Das war so nicht geplant", sagte er. Vielmehr sei eine "schwarze Null" kalkuliert worden. Nach seinen und den Angaben der igs-Aufsichtsratschefin Blankau wurden mehrere Gutachten erstellt - auch für den CDU-geführten Vorgängersenat -, die 2,5 Millionen Gäste als machbar einstuften. "Daher gab es auch für uns keinen Grund, an der Zielzahl zu rütteln", ergänzte Baumgarten.

Opposition kritisiert Senatorin Blankau

Für das Millionen-Defizit bei der igs ist Blankau nach Auffassung der Grünen-Bürgerschaftsfraktion mitverantwortlich. "Erst die verkorkste Umwelthauptstadt, jetzt die igs-Misere: Die Gartenschau ist schon die zweite Großveranstaltung im Umweltbereich, die Hamburg unter Senatorin Blankau vergeigt hat", teilte der Fraktionsvorsitzende Jens Kerstan am Montag mit. Er warf der Senatorin vor, es als eigene Aufgabe anscheinend überhaupt nicht begriffen und angenommen zu haben, die Stadtteile auf der Elbinsel attraktiver und innerhalb Hamburgs bekannter zu machen.

Die CDU hielt der Senatorin schwere Versäumnisse bei Preispolitik und Werbung vor. Die Eintrittspreise waren in der Stadt als zu teuer kritisiert worden. "Damit blieb das Potenzial der Gartenschau vielen verschlossen und statt eines Imagegewinns bleibt ein Imageschaden übrig", kritisierte der Vorsitzende der CDU-Bürgerschaftsfraktion, Dietrich Wersich. Er warf dem Senat auch eine fehlende Identifikation mit dem Konzept "Sprung über die Elbe" vor. Der stadtentwicklungspolitische Sprecher der FDP-Fraktion, Kurt Duwe, sieht die Verantwortung "bei einer ganz großen schwarz-rot-grünen Koalition der Gartenschau-Fehlplaner". Er forderte den Senat auf, zügig Klarheit zu schaffen, wie der Verlustausgleich finanziert wird.

Mehr als ein Blütenmeer: Das war die Gartenschau

Auch die Nutzer von NDR.de kommentierten im Forum und auf Facebook die negative Bilanz der Gartenschau.

  • Frida Himbeere meint:

    "Ich wohne um die Ecke und wäre gratis rein gekommen. Nicht mal ich war da... Wenigstens kann man jetzt auf der Wilhelmsburger Reichsstraße (B4/75) wieder durchgehend 70 fahren und muss den Primeln und dessen Besuchern zu liebe nicht mit 50 rumgurken."

  • Gisela Richter schreibt:

    "das wäre ein täglicher Verlust von rund 216 374 € woher kommen diese Summen ????"

  • Michaela Zehmke berichtet:

    "Eine Familie mit 1 Kind,wir sind wieder umgedreht bei diesen Preisen"

  • Danny Huppert schreibt:

    "Ein völlig zurecht verdientes Ergebnis. Mieser Ort, mieses Konzept, miese Umsetzung, miese Werbung und gaaaanz mieses Management. Dann bekommt man auch ein mieses Ergebnis. Ich würde diese Besetzung jetzt Olympia planen und umsetzen lassen...auf der Veddel."

  • Pandora kommentiert:

    "Hoffentlich lernen die städtischen Organisationen dieser Veranstaltung daraus, dass man besser nicht mit den "maximal möglichen" sondern lieber mit zu wenigen Besuchern rechnet. Das schützt vor zu hohen Ausgaben die dann an anderer Stelle wieder eingespart werden müssen."

  • Momentmal meint:

    "Ein Depp ist, wer von der geringen Besucherzahl überrascht zu sein vorschützt. Die Eintrittspreise waren grotesk hoch und dazu geeignet Familien draussen zu halten. Ein selbstgestricktes Debakel."

  • A.W.K. schreibt:

    "Frau Blankau hat mit ihren Argumenten sicherlich recht, aber dass es in Hamburg viele Veranstaltungen gibt ist doch nicht ganz neu. Dieses war doch bei der Bewerbung bekannt. Mir persönlich war der Eintrittspreis zu hoch. Es kommen ja auch noch 5,80 € für den HVV dazu. Auf der Habenseite zählt aber doch auch, was für den Stadtteil Wilhelmsburg bleibt."

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Und das kommt jetzt

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | 14.10.2013 | 12:00 Uhr

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