Stand: 04.11.2013 11:00 Uhr  | Archiv

Energiebunker: Neues Leben für ein Mahnmal

Rund 30 Meter hoch, bis zu drei Meter dicke Wände und vier Meter dicke Decken: Der ehemalige Flakbunker an der Neuhöfer Straße ist eines der auffälligsten historischen Bauten Wilhelmsburgs. Die Internationale Bauausstellung rückte die Kriegsruine in den Mittelpunkt eines ihrer spektakulärsten Umbauprojekte. Nun produziert der mächtige Bau als Öko-Kraftwerk Energie: Nach Abschluss aller Umbauarbeiten im Jahr 2015 wird der Energiebunker bis zu 3.000 Haushalte mit Wärme und 1.000 Haushalte mit Strom versorgen.

Eine Kriegsruine wird zum Kraftwerk

Herz des Energiebunkers: Ein riesiger Wärmespeicher

"Im Inneren des Energiebunkers wird eine Vielzahl verschiedener technischer Energieerzeuger und Energiequellen gebündelt", erklärt Karsten Wessel, der für die IBA das Projekt koordinierte. Hierzu ließen die Planer in dem seit Kriegsende ungenutzten Bauwerk einen riesigen Pufferspeicher mit einem Fassungsvermögen von 2.000 Kubikmetern Wasser einbauen - das sind zwei Millionen Liter. Die dort gespeicherte Wärme stammt zu einem bedeutenden Teil aus der Abwärme eines benachbarten Industriebetriebs, der sie bislang ungenutzt abführte.

Weitere Wärme erzeugen eine Holzfeuerungsanlage und ein Biogas-Blockheizkraftwerk sowie eine solarthermische Anlage auf dem Bunkerdach. Eine Photovoltaikanlage ging im Frühjahr 2013 und produziert zusätzlich fast 3.000 Megawattstunden Strom.

Von den Nazis erbaut, von den Briten gesprengt

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Über Jahrzehnte prägte der riesige Bunker den Stadtteil Wilhelmsburg. Doch niemand durfte die baufällige Ruine betreten.

Den Bunker hatten die Nazis 1943 während des Zweiten Weltkriegs erbaut. Mit seinen vier runden Flaktürmen sollte er ein weithin sichtbares Zeichen für die Wehrhaftigkeit der Stadt setzen. Während der Bombenangriffe auf Hamurg suchten bis zu 30.000 Menschen Schutz im Bunker. Gleichzeitig beschossen Soldaten die alliierten Flieger aus den Türmen mit Flugabwehrkanonen.

Nach dem Krieg ließen die Briten den Bunker 1947 durch eine gezielte Sprengung im Inneren zerstören. Sechs der ursprünglich acht Etagen stürzten ein, nur die äußere Hülle blieb stehen. Das gesamte Gebäude war fortan einsturzgefährdet, mehr als 60 Jahre lang durfte niemand es betreten. "Es war wahnsinnig spannend, in dieses zerstörte Gebäude hineinzugehen und so wagemutig zu sein, es ausbauen zu wollen", sagt Karsten Wessel. Bei den Umbaumaßnahmen ging es zunächst darum, den Bunker statisch zu sichern und von Grund auf zu sanieren. 40.000 Tonnen Schutt mussten ausgeräumt werden. Die Fassade wurde möglichst originalgetreu wieder hergestellt, um den Charakter eines Mahnmals zu erhalten.

Kaffee trinken auf dem Bunkerdach

Oben auf dem Bunkerdach hat ein Café mit Aussichtsterrasse in 30 Metern Höhe eröffnet. Von dort haben Besucher einen eindrucksvollen Blick über Wilhelmsburg und den Hafen. Wer den Bau besichtigen möchte, muss unten am Eingang einen 1-Euro-Verzehrbon für das Café kaufen.

Der Energiebunker

Neuhöfer Straße 7
21107 Hamburg
Anfahrt per Bus mit der Linie 13 bis Veringstraße

Öffnungszeiten Café und Ausstellung:
Mi - Fr 12 bis 18 Uhr
Sa - So 10 bis 18 Uhr

Mehrere gelbe Kuben markieren wichtige Punkte innerhalb des Bauwerk. Sie befinden sich unter anderem auf dem Bunkerdach und in einer ehemaligen Geschützstellung in einem der Flaktürme. Texte und Bilder auf den Kuben informieren über die Historie des Standorts. Über QR-Codes an den Seiten der Kuben können Smartphone-Besitzer weitere Informationen abrufen, alternativ ist im Café eine Begleitbroschüre erhältlich. Das ursprünglich geplante Dokumentationszentrum in einem der Flaktürme scheiterte an der Finanzierung.

Bauausstellung

Was bleibt von der IBA Hamburg?

Die Internationale Bauausstellung ist beendet. Interessierte können viele IBA-Projekte wie Algenhaus und Energiebunker aber weiter besuchen. Seit Ostern finden auch wieder Touren statt. mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 / Abendjournal Spezial / 16.03.2013 / 19:05 Uhr