Stand: 31.07.2017 19:19 Uhr

Cholesterinsenker: Nebenwirkungen vermeiden

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20 Prozent der Betroffenen, die Cholesterinsenker einnehmen, leiden unter Nebenwirkungen.

Weltweit zählen Cholesterinsenker zu den meistverkauften Medikamenten überhaupt. In Deutschland werden vor allem Medikamente aus der Wirkstoffgruppe der Statine eingesetzt. Sie senken den Cholesterinspiegel im Blut. So soll das Risiko für die Entstehung von Arteriosklerose, koronaren Herzerkrankungen und Schlaganfällen vermindert werden. Denn erhöhte LDL-Cholesterinwerte gelten als wichtigste Risikofaktoren für diese Erkrankungen.

Eine Packung mit Pillen liegt auf einem Hocker.

Cholesterinsenker: Nebenwirkungen vermeiden

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Statine senken den Cholesterinspiegel und schützen so vor Arteriosklerose, koronarer Herzerkrankung und Schlaganfall. Doch die Nebenwirkungen können erheblich sein. Was tun?

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Statine können starke Nebenwirkungen auslösen

Der Körper kann die Abfallprodukte des Statins nicht abbauen. Normalerweise nehmen Carrier die Statinabfälle auf - und transportieren sie ab. Doch bei einigen Menschen verweigern die Träger (Carrier) bei bestimmten Statinen ihren Dienst. Sie lassen das Abfallprodukt nicht andocken. Dies kann genetisch bedingt sein oder durch andere Medikamente, Grapefruitsaft oder Johanniskraut verursacht werden. Das führt dann zu einer Art Vergiftung im Körper, die zu verschiedenen Nebenwirkungen führen kann.

Wechsel des Statins hilft häufig

In 95 Prozent der Fälle schafft ein Wechsel des Statins Abhilfe. Dies muss in enger Absprache zwischen Arzt und Patient geschehen, denn die Reaktionen auf die Statine sind individuell sehr unterschiedlich. Ein Gentest kann direkt Aufschluss geben, welches Statin vertragen wird. Dieser muss aber von den Betroffenen selbst bezahlt werden und kostet circa 260 Euro.

Coenzym Q10 gegen Muskelschmerzen

Besonders körperlich aktive Menschen leiden durch die Einnahme der Statine häufiger unter Muskelschmerzen (Statin-Myopathie). Die Statine stören die Energieversorgung der Muskelzellen. Das wichtige Coenzym Q10 wird reduziert. Dadurch erhalten die Muskeln nicht die nötige Energie. Bei Sport und der damit verbundenen Muskelarbeit wird das Enzym dann noch zusätzlich abgebaut. In kleinen Studien machen Mediziner seit Jahren die Erfahrung, dass die zusätzliche Einnahme des Coenzyms Q10 gegen die Muskelschmerzen helfen kann, ohne dass ein Wechsel des Statins nötig wird. Die Substanz Q10 ist als Nahrungsmittelergänzung rezeptfrei erhältlich. Eine große wissenschaftliche Studie, die eine Wirksamkeit belegt, gibt es aber bisher nicht. Die Einnahme von Q10 sollte deshalb nur in Absprache mit dem behandelnden Arzt erfolgen.

Statine: Die häufigsten Fragen und Antworten

  • Vielleicht vertrage ich überhaupt kein Statin?
    Das ist sehr, sehr unwahrscheinlich, denn irgendein Statin verträgt jeder. Im Zweifelsfall kann durch den Gentest die individuelle Verträglichkeit der einzelnen Substanzen ausgetestet werden.

  • Wie geht das genau mit dem Gentest?
    Der Arzt stellt ein Privatrezept “DNATest Statine" aus. In der Apotheke bekommen Sie den Gentest (Blutröhrchen, Einverständniserklärung, Versandunterlagen). Der Arzt füllt Ihr Blut in die Röhrchen und versendet es zum Labor. Nach circa sieben bis zehn Tagen erhalten der Arzt und Sie das Ergebnis (einschließlich der Information, wie wahrscheinlich Nebenwirkungen bei welcher Dosis zu erwarten sind).

  • Sollte man das Coenzym Q10 auf jeden Fall einnehmen?
    Der Q10-Spiegel ist mit zunehmendem Alter ohnehin reduziert. Die Einnahme verkürzt die Regenerationszeit nach Muskelbelastungen (Sport), und man soll sich ja viel und auch erschöpfend bewegen. Alle Statine reduzieren zusätzlich den Q10-Gehalt im Muskel. Es ist also sinnvoll, bei jeglicher Statineinnahme (auch ohne Muskelschmerzen) das Coenzym Q10 einzunehmen. Wichtig ist auch die Statinwirkung durch ausreichend Vitamin D zu gewährleisten. Vitamin D ist bei vielen in den sonnenarmen Wintermonaten reduziert und sollte insbesondere bei nachgewiesenem Mangel substituiert werden.

  • Was ist noch wichtig bei der Einnahme von Statinen?
    Johanniskraut und Grapefruitsaft verdrängen Statine an den Ausscheidungs-Carriern. Statin werden dann nicht mehr ausgeschiedenen und deren Spiegel steigen kritisch an. Deshalb: Niemals Johanniskraut beziehungsweise Grapefruit zusammen mit Statinen (oder vielen anderen wirksamen Medikamenten) einnehmen.

  • Wann sind Statine im Alter sinnvoll?
    Wenn man bis 80 nachweislich keine Gefäßatherosklerose entwickelt hat, ist die Wahrscheinlichkeit, dann noch eine zu entwickeln, sehr klein. Bei diesen Patienten besteht eher keine Notwendigkeit noch mit einer prophylaktischen Statintherapie zu beginnen. Bei entsprechend vorbelasteten Patienten besteht hingegen eindeutig die dringende Notwendigkeit, die Statintherapie auch im höheren Alter fortzusetzen. Bei der Statingabe aus prophylaktischen Überlegungen (genetisches Risiko, Familienanamnese, nachgewiesene Veränderungen an den Hals- oder Beingefäßen, schlechte Cholesterinverteilung: HDL <45 und LDL >150) ist aber Statintherapie nicht gleich Statintherapie: Aufgrund der Pharmakokinetik erreicht man mit einer niedrigen Statindosis in der Regel mindestens 70 Prozent des möglichen Effekts, das heißt mit hohen Dosen erreicht man nur weitere 30 Prozent Effekt, aber mit dem Nachteil, entsprechend mehr Nebenwirkungen bei höherer Substratdosis zu haben.

  • Bei Statin-Unverträglichkeit PCSK9-Hemmer einnehmen?
    Gegenwärtiger Stand: PCSK9- Hemmer nur bei Nicht-Erreichen der Zielvorgaben trotz Maximaltherapie mit Statinen und Ezetimibe.

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Interviewpartner

Interviewpartner im Studio:
Prof. Dr. Johannes B. Dahm
Kardiologe, Angiologe, Sportmediziner
Herz- und Gefäßzentrum am Krankenhaus Neu-Bethlehem
Humboldtallee 6, 37073 Göttingen
Tel. (0551) 48 87 00, Fax (0551) 446 82
Internet: www.hgz-goettingen.de

Interviewpartner im Beitrag:
Heinrich Reimert, Pharmazeut
Marien-Apotheke Göttingen
Groner-Tor-Straße 25, 37073 Göttingen
E-Mail: info@marienapotheke.de
Internet: www.marienapotheke-goettingen.de/

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