Stand: 24.04.2017 12:12 Uhr

Diabetes Typ 1 erkennen und behandeln

In Deutschland behandeln Ärzte rund sechs Millionen "Zuckerkranke" - davon sind allerdings nur fünf Prozent Typ-1-Diabetiker. Das entspricht einer Häufigkeit von 18 von 100.000 Menschen. Während Diabetes mellitus Typ 2 zum sogenannten Wohlstandssyndrom gehört, kommt Typ-1-Diabetes eher einem Schicksalsschlag gleich. Die Autoimmunkrankheit kann in jedem Alter ausbrechen: Häufig tritt sie schon im Kinder- und Jugendalter auf, aber jeder zweite Betroffene ist über 30.

Was passiert bei Diabetes Typ 1?

Ursache

Bei zehn Prozent der Betroffenen liegt Typ-1-Diabetes in der nahen Verwandtschaft - die Gene spielen also eine Rolle. Aber auch Umweltfaktoren können nach heutigem Wissensstand dazu führen, dass der Körper die Insulin-bildenenden Zellen in der Bauchspeicheldrüse zerstört. Normalerweise bildet das Immunsystem Antikörper gegen schädliche körperfremde Substanzen. Beim Diabetes Typ 1 greifen diese Antikörper fälschlicherweise die Inselzellen der Bauchspeicheldrüse an. Dadurch verlieren sie ihre Fähigkeit, Insulin zu produzieren.

Vitamin-D-Mangel und häufige Atemwegsinfektionen im Kindesalter werden als mitauslösend vermutet. Auffallend ist, dass Diabetes Typ 1 gehäuft gemeinsam mit anderen Autoimmunerkrankungen auftritt, etwa Hashimoto-Thyreoiditis, Glutenunverträglichkeit (Zöliakie) oder Magenschleimhautentzündung (Typ-A-Gastritis).

Der Blutzuckerstoffwechsel
3 Bilder

Wie der Körper Zucker verarbeitet

Der Körper spaltet Kohlenhydrate aus dem Essen - Brot, Nudeln oder Obst - in Zucker. Insulin hilft, den Zucker in die Zellen einzuschleusen. Klappt dies nicht mehr, steigt der Blutzuckerspiegel. Bildergalerie

Symptome

Ständiger Durst und häufiges Wasserlassen, auch nachts, gehören zu den ersten Anzeichen von Diabetes Typ 1. Denn der Zucker, den die Zellen nicht mehr aufnehmen können, wird letzten Endes über die Nieren ausgeschieden und bindet dabei viel Wasser. Viele Betroffene fühlen sich außerdem schlapp und kraftlos, weil die aufgenommene Nahrungsenergie nicht in den Muskel- und Gehirnzellen ankommt.

Durch hohe Blutzuckerspiegel kommt es bei vielen Diabetikern zu Verengungen der kleinen und später auch großen Blutgefäße. Damit einher gehen Nervenschädigungen (Polyneuropathie) oder Netzhauterkrankungen. Die starken Blutzuckerschwankungen führen langfristig zu gravierenden Folgen: etwa häufige Infekte oder eine schlechte Wundheilung, besonders an den unteren Extremitäten. Der "diabetische Fuß" mit nicht mehr heilenden Entzündungen ist eine gefürchtete Spätfolge.
Weitere mögliche Symptome sind

  • Wachstumsstörung, Bettnässen, Gewichtsabnahme (bei Kindern)
  • Müdigkeit, Schwäche, Schwindel
  • Sehverschlechterung, wechselnde Sehstärke
  • trockene Haut, Juckreiz
  • abwechselnd Appetitlosigkeit und Hungerattacken
  • Potenzstörungen/Libidoverlust
  • Muskelkrämpfe
  • schlecht heilende Wunden
  • Übelkeit, Bauchschmerzen
  • Nierenschwäche, Nierenversagen
  • Harnwegsinfekte
  • Menstruationsstörungen, verminderte Fruchtbarkeit bei Frauen
  • Psychische Veränderungen wie aggressives Verhalten

Eine Infografik zeigt die Therapieverfahren für Diabetes Typ 1 und Typ 2

Diabetes Typ 1 erkennen und behandeln

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Diabetes Typ 1 ist eine Autoimmunkrankheit. Betroffene müssen Insulin spritzen und den Energiegehalt ihrer Nahrung richtig einschätzen, um Folgeerkrankungen zu vermeiden.

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Wie unterscheiden sich Diabetes Typ 1 und Typ 2? Welche Therapien sind am besten? Und wie hoch ist die Lebenserwartung? Diabetologe Dr. Jens Kröger informiert. Video (04:26 min)

Interviewpartner

Interviewpartner im Beitrag:
Dr. Jens Kröger, Facharzt für Innere Medizin, Diabetologie
Zentrum für Diabetologie Bergedorf
Glindersweg 80, 21029 Hamburg-Bergedorf
Internet: www.diabeteszentrum-hamburg-ost.de

Priv.- Doz. Dr. Jens Aberle
Facharzt für Innere Medizin, Endokrinologie/ Diabetologie
Leiter des Ambulanzzentrum des UKE GmbH, Fachbereich Endokrinologie
Universitätsklinikum Hamburg Eppendorf
Martinistraße 52, 20246 Hamburg
Internet: www.uke.de

Dieses Thema im Programm:

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