Stand: 02.11.2016 15:58 Uhr

Die Reeperbahn - Hamburgs "sündige" Meile

Sie ist mit Abstand die bekannteste Straße Hamburgs und steht im Ruf, die "sündigste Meile der Welt" zu sein: die Reeperbahn. Zugleich ist sie die zentrale Straße, die durch St. Pauli führt - Hamburgs berühmtesten Stadtteil. Die besondere Atmosphäre eines Rotlicht- und Vergnügungsviertels mit Sexclubs, Hafenkeipen und Musikclubs zieht jährlich Millionen Besucher auf den Kiez. Ein Bummel über die Reeperbahn gehört für die meisten Hamburg-Touristen zum Pflichtprogramm.

St. Pauli: Feiern in Hafenkneipen und Kiezclubs

Doch St. Pauli und die Reeperbahn befinden sich im Wandel. Gleich am Beginn der Reeperbahn am Millerntor signalisieren die "Tanzenden Türme", wie sehr sich der Kiez auch optisch verändert. In den hoch aufragenden Gebäudekomplex des Stararchitekten Hadi Teherani sind moderne Büros eingezogen, im Untergeschoss hat der legendäre Musikclub Mojo Club zehn Jahre nach seiner Schließung eine neue Bleibe gefunden.

Musik und Theater rund um den Spielbudenplatz

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Zwei bekannte Häuser an der Reeperbahn: die Davidwache und das St.Pauli-Theater.

Viele Musikclubs haben sich den vergangenen Jahren neu angesiedelt, mit dem Reeperbahn-Festival hat St. Pauli mittlerweile sogar sein eigenes mehrtägiges Musikevent. Gleich mehrere Clubs finden sich im "Klubhaus St. Pauli", einem auffälligen Gebäude am Spielbudenplatz. Dort liegt auch das Privattheater "Schmidts Tivoli", das mit seinen goldenen Säulen und Wandmalereien aus dem 19. Jahrhundert nostalgisches Flair verbreitet. Traditionsreichstes Haus am Platz ist das St. Pauli Theater direkt neben der berühmten Davidwache, das sich in diesem Ort bereits seit 1841 befindet. Ebenfalls schon seit dem 19. Jahrhundert am Spielbudenplatz ansässig ist das Panoptikum - Deutschlands ältestes Wachsfigurenkabinett. Seit 1879 präsentiert es lebensechte Nachbildungen berühmter Persönlichkeiten, darunter etwa Friedrich den Großen, Hans Albers oder Udo Lindenberg.

Legendäre Boxkneipe: Die "Ritze"

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Der Eingang zur "Ritze" zieht durch seine eigenwillige Gestaltung die Blicke auf sich.

Direkt an der Reeperbahn liegt mit der "Ritze" eine weitere Kiez-Institution. In der Boxerkneipe trafen sich früher Leute aus dem Milieu auf ein Bier, heute ist die "Ritze" eher ein nostalgisches Touristenlokal und Ziel etlicher Kiez-Führungen. Eine schmale Treppe führt hinab zum legendären Boxring, in dem sich neben Kiezgrößen auch Boxweltmeister wie Henry Maske und Dariusz Michalczewski für ihre Zweikämpfe fit machten. Heute trainieren hier tagsüber noch immer junge Nachwuchssportler.

Bekannte Nebenstraßen der Reeperbahn

Fast ebenso legendär wie die Reeperbahn sind einige ihrer Nebenstraßen, allen voran die Große Freiheit. Dort befand sich bis 1969 der Star-Club, in denen unter anderem die Beatles zu Beginn ihrer Karriere regelmäßig auftraten, aber auch Rockstars wie Jimi Hendrix, Little Richard und Chubby Checker gastierten. Berühmt-berüchtigt ist die nur 100 Meter lange Herbertstraße. Schon seit dem 19. Jahrhundert warten dort Frauen auf ihre Freier. Zwei Sichtblenden schützen die Prostituierten, die sich in Schaufenstern präsentieren, vor den Blicken Neugieriger. Nur Männern über 18 Jahren ist der Zutritt erlaubt.

Geschichte der Reeperbahn

Bis 1894 gehörte die Reeperbahn nicht zu Hamburg. Im Osten grenzte sie an das Hamburger Millerntor und im Westen an das Nobistor der Stadt Altona. Ihren Namen erhielt die Reeperbahn von den Taumachern und Seilern, die früher dort die Taue für die Schiffe herstellten. Dafür benötigten sie viel Platz. Da es den innerhalb der Stadt nicht gab, mussten sie ihre Arbeit vor die Stadttore verlagern. Auch Arme und Kranke sowie alle, die in der Stadt nicht erwünscht waren, siedelten sich dort an. Ab dem 18. Jahrhundert entstanden die ersten Amüsierbetriebe, im 19. Jahrhundert kamen Bordelle und Trinkhallen dazu.

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Filme mit Hans Albers - hier in "Große Freiheit Nr. 7" trugen zum "Mythos St. Pauli" bei.

Als Hamburg das Viertel, das mittlerweile nach der gleichnamigen Kirche St. Pauli heißt, 1894 eingemeindet, ist es längst bekannt als Amüsiermeile, die vor allem Seeleute auf ihren Landgängen anzieht. Durch die Nähe zum Hafen wird St. Pauli bereits früh zum Treffpunkt von Menschen vieler unterschiedlicher Nationen, Kulturen und Schichten. Bis heute gelten der Stadtteil und seine Bewohner als besonders tolerant. Den "Mythos St. Pauli" verbreitete später unter anderem der Schauspieler Hans Albers mit dem Kinofilm "Große Freiheit Nr. 7" aus dem Jahr 1944 und dem Schlager "Auf der Reeperbahn nachts um halb eins".

Führungen über den Kiez: Kneipen und Ankedoten

Wer den Kiez erkunden möchte, muss dies nicht auf eigene Faust tun. Mehrere Anbieter bieten Führungen durch das Viertel an. Viele Gästeführer sind selbst eingefleischte St. Paulianer, kennen unterhaltsame Anekdoten zu dem Stadtviertel und zeigen ihren Teilnehmern - je nach gebuchter Tour - sowohl bekannte Sehenswürdigkeiten als auch unbekannte Winkel.

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Dieses Thema im Programm:

NDR Fernsehen | Rund um den Michel | 30.10.2016 / 18:00 Uhr