Stand: 13.02.2014 16:47 Uhr  | Archiv

Die Reeperbahn - Hamburgs bekannteste Meile

von Ariane Peters
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Zwei bekannte Häuser an der Reeperbahn: die Davidwache und das St.Pauli-Theater.

Die "Geile Meile", wie Udo Lindenberg die Reeperbahn besungen hat, führt durch Hamburgs Rotlicht- und Vergnügungsviertel St. Pauli. Anziehungspunkte sind neben den vielen Bars und Nachtclubs vor allem die bunte Seitenstraße Große Freiheit, der Hans-Albers-Platz und das Polizeikommissariat Davidwache am Spielbudenplatz. Dort befindet sich auch das Panoptikum. Es ist das älteste Wachsfigurenkabinett in Deutschland. Seit 1879 präsentiert es - oft lebensecht aussehende - Nachbildungen berühmter Persönlichkeiten aus Geschichte, Kultur, Politik, Showbusiness und Sport. Dazu zählen etwa Otto Waalkes, Freddy Quinn und Michael Schumacher. Zur Ausstellung gehören außerdem eine Gruselecke sowie ein Medizinisch-Historisches-Kabinett.

Parallel zur Reeperbahn verläuft die Herbertstraße. Dort warten seit dem 19. Jahrhundert Frauen auf ihre Freier. Zwei Sichtblenden schützen die Prostituierten, die sich in Schaufenstern präsentieren, vor den Blicken Neugieriger. Nur Männern über 18 Jahren ist der Zutritt erlaubt.

Vom Armenviertel zur Amüsiermeile

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Der Film "Große Freiheit Nr. 7" mit Hans Albers machte die Seitenstraße der Reeperbahn berühmt.

St. Pauli wurde Anfang des 17. Jahrhunderts als Vorstadt gegründet. Damals hieß er noch Hamburger Berg. Über Jahrhunderte war er ein Ort für Menschen, die in der Stadt nicht erwünscht waren. Industriegebäude sowie Pest-, Kranken- und Armenhäuser wurden dorthin verbannt. Ihren Namen erhielt die Reeperbahn von Taumachern und Seilern. Denn auch die sogenannten Reepschläger, die für das Trocknen ihrer Seile in der Innenstadt zu wenig Platz hatten, mussten auf die Vorstadt ausweichen. Die ersten Amüsierbetriebe entstanden im 17. Jahrhundert. 200 Jahre später wurden die Bretterbuden auf dem Spielbudenplatz durch feste Bauten ersetzt. Theater, Trinkhallen und Bordelle öffneten ihre Türen. Wegen der Nähe zum Hafen trafen in St. Pauli viele Kulturen und Nationen aufeinander.

Hier wurde Musikgeschichte geschrieben

In einem Hinterhof der Großen Freiheit erinnert eine Gedenktafel an den legendären Star-Club. Dort spielten einst Rockstars wie Jimi Hendrix, Little Richard und Chubby Checker. Auch die Beatles haben in Hamburg ihre Karriere begonnen und gaben auf dem Kiez Konzerte.

Kiez-Spaziergang

Auf den Spuren der Beatles in Hamburg

Am 17. August 1960 geben die Beatles ihr erstes Hamburger Konzert - im Kiez-Club Indra. Viele Orte erinnern an die Anfänge der Band. Ein Spaziergang rund um die Reeperbahn. mehr

Kiezführungen abseits der Glitzermeile

Jeweils dienstags und mittwochs führen eingefleischte Paulianer von der "Kurverwaltung St. Pauli" - einem gemeinnützigen Verein - Touristen in Ecken, die sie alleine mit Sicherheit nicht gefunden hätten. Dabei erfahren die Besucher allerlei über Prostitution und Seeleute, Rot- und Blaulicht, Tingeltangel und Tabledance, weltberühmte Filmkulissen, Musikgeschichte und noch vieles mehr. Die offenen Touren beginnen jeweils um 20 Uhr an der U-Bahnstation St. Pauli (Eingang Reeperbahn) und dauern etwa anderthalb Stunden. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich. Kosten: 10 Euro pro Person.

Abwechslungsreiche Theaterlandschaft

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Das Schmidts Tivoli ist eines von mehreren Theatern am Spielbudenplatz.

Sechs Theaterbühnen und ein Kabarett locken jährlich Millionen Besucher auf den Kiez, darunter das St. Pauli-Theater, das auf Musicals spezialisierte Operettenhaus, das Krimi-Theater Imperial sowie das Schmidts Tivoli. Es zählt zu den schönsten Theatersälen in Hamburg. Die Form des Zuschauerraums ähnelt einer Zirkusarena. Die Bühne reicht in den Saal hinein. Zu sehen und hören sind deutschsprachige Musicals, nostalgische Revues oder Kabarett. Von 1925 bis 1990 war das Gebäude ein Amüsier-Tempel und trug den Namen "Zillertal". 1991 wurden die alten, goldenen Säulen, große Rundspiegel und Wandmalereien aus dem letzten Jahrhundert freigelegt. Künstler wie Ingo Appelt, Karl Dall oder Kay Ray treten hier auf.

Die legendäre Boxerkneipe "Ritze"

Legendär und bei Touristen beliebt: die Kneipe "Ritze".

Früher flimmerten hier freizügige Filme über den Bildschirm, Leute aus dem Milieu trafen sich auf ein Bier. Heute ist die "Ritze" fast ein nostalgisches Touristenlokal. Zahlreiche Promi-Bilder aus Sport und Kultur kleben an den Wänden neben der Theke. Eine schmale Treppe führt hinab zum legendären Boxring, in dem sich neben Kiezgrößen auch Boxweltmeister wie René Weller, Henry Maske und Dariusz Michalczewski für ihre Zweikämpfe fit gemacht haben. Heute trainieren hier täglich junge Nachwuchssportler für ihre ersten Profikämpfe.

Tipps für einen Besuch auf der Reeperbahn hat Hamburg Tourismus auf seiner Website zusammengestellt.

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Dieses Thema im Programm:

NDR Fernsehen / Nordtour / 26.10.2013 / 18:00 Uhr