Sendedatum: 07.02.2012 20:15 Uhr  | Archiv

Osteopathie nach Typaldos: Mit Händen heilen

Wer wünscht sich das nicht: Bei starken Schmerzen am Bewegungsapparat legt der Arzt nur wenige Male Hand an und die Beschwerden sind gelindert - ohne Spritzen oder Schmerztabletten. Genau das verspricht die manuelle Behandlung nach dem Fasziendistorsionsmodell (FDM), ein 1991 von dem Notfallmediziner und Osteopathen Stephen Typaldos entwickeltes Konzept.

Der US-Amerikaner hatte bei seinen Patienten trotz unterschiedlichster Beschwerden stets wiederkehrende Muster in der Art erkannt, wie sie ihre Symptome beschrieben. Das betraf sowohl ihre Wortwahl als auch ihre Körpersprache. Daraus entwickelte Typaldos eine visuelle Schmerzdiagnostik, die die Gestik und Mimik des Patienten bestimmten Störungen (Distorsionen) seines Bindegewebes zuordnet, die sich wiederum durch bestimmte Handgriffe therapieren lassen.

Typaldos unterscheidet sechs Störungen

Die Faszien sind ein Spannungsnetzwerk, das alle Organe und Muskeln umschließt, sie miteinander verbindet, aber auch Schmerzen verursachen kann. Das flexible, von Blutgefäßen und Nerven durchzogene Gewebe wird mitunter auch als "Sinnesorgan der Körperwahrnehmung" bezeichnet. Typaldos unterschied insgesamt sechs verschiedene Fasziendistorsionen, die zu weltweit reproduzierbaren Beschreibungsmustern führen, da sich jede der sechs Distorsionen unterschiedlich anfühlt. Grundlage seines Diagnoseverfahrens und Basis der Behandlung ist das Vertrauen auf die Eigenwahrnehmung der Menschen. Im Wesentlichen beruht die Diagnostik auf der Krankengeschichte (Anamnese), der Körpersprache des Patienten und seinem Beschwerdebild.

Was ist der Unterschied zur klassischen Osteopathie?

Während die klassische Osteopathie ganzheitlich geprägt ist, die Wechselwirkungen im Körper betrachtet und die Selbstheilungskräfte anregt, konzentriert sich die manuelle Therapie nach Typaldos auf die lokale Behandlung akuter oder anhaltender Schmerzzustände am Bewegungsapparat. Der Arzt beobachtet zunächst ganz genau, wie der Patient sein Problem zeigt und behandelt ihn dann mit ganz bestimmten Handgriffen. Dabei gibt es genau sechs typische Zeigearten in der Diagnostik und sechs dazu passende Grund-Griffe in der Therapie, die das Gefüge der Faszien wieder in Ordnung bringen und die Schmerzen verschwinden lassen.

Allerdings gibt es zur Typaldos-Therapie bis heute nur wenige wissenschaftlichen Veröffentlichungen. Patienten müssen also auf die Erfahrung und das Können des Therapeuten vertrauen. Dennoch wird das FDM zunehmend im Rehabereich und bei der Behandlung von Verletzungen im Profisport eingesetzt. Die wichtigsten Einsatzgebiete sind Rückenschmerzen, umgeknickte Knöchel, Zerrungen, Nacken- und Schulterprobleme und sogar bei Migräne ist die Typaldos-Methode mitunter erfolgreich.

Kosten werden nicht übernommen

Schmerzfrei ist sie übrigens nicht, die Handgriffe sind unangenehm und schmerzen genau dort, wo der Schmerz sitzt. Auch blaue Flecken können zurückbleiben. Die Kosten von rund 75 Euro pro Sitzung werden von den gesetzlichen Krankenkassen nicht erstattet. Bei Akutproblemen verschwinden die Schmerzen oft nach ein bis zwei Sitzungen, bei chronischen Schmerzen kann es auch deutlich länger dauern.

Interviewpartner im Studio:

Prof. Dr. med. habil. Matthias Fink
Ambulanz für Naturheilverfahren
Klinik für Rehabilitationsmedizin
Medizinische Hochschule Hannover (MHH)
Carl-Neuberg-Straße 1
30625 Hannover

Autorin des Fernsehbeitrags:
Tina Roth

Dieses Thema im Programm:

07.02.2012 | 20:15 Uhr

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