Stand: 11.05.2012 17:09 Uhr  | Archiv

Auf "Made in Italy" ist nicht immer Verlass

Giftige Rückstände lassen sich vor allem in Schuhen aus China nachweisen. Wie man man belastete Schuhe erkennen kann, erklären die Autoren der Doku im Interview.

NDR.de: Wo kommen die giftigen Schuhe her?

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Die Autoren Inge Altemeier und Steffen Weber haben den Weg mancher Schuhe recherchiert, von der Lederproduktion bis zum Verkauf.

Inge Altemeier: Aus aller Welt, jeder zweite Schuh wird allerdings in China hergestellt.

NDR.de: Wie sind Sie vorgegangen, um dort Einblicke in die Produktion zu bekommen?

Altemeier: Ich habe mich als Einkäuferin für Bio-Schuhe ausgegeben und auf die Fabriken konzentriert, die Deutschland beliefern. Viele der Hersteller beklagten mir gegenüber, dass sie für deutsche Discounter zu Dumping-Preisen produzieren müssten. Und dass sie langfristig gerne aus diesem Geschäft aussteigen würden. Sie zeigten mir sehr hochwertige Schuhe, die sie für den chinesischen Markt produzieren - erheblich teurer in der Herstellung und besser kontrolliert als die Exportware.

NDR.de: Wie sehen die Produktionsbedingungen aus?

Altemeier: In den Fabriken stinkt es sehr nach Lösungsmitteln. Überall stehen offene Klebstoff-Behälter herum. Sehr interessant fand ich auch, dass viele Leute, die für Billiglöhne arbeiten, "illegale" Menschen sind. Das heißt, sie sind das zweite oder dritte Kind einer Familie und ihre Eltern konnten sie aufgrund der chinesischen Ein-Kind-Politik nicht offiziell anmelden. Deshalb haben diese Menschen keine Papiere und werden häufig ausgebeutet.

Verseuchte Schuhe - belastete Umwelt

NDR.de: Lassen deutsche Schuhhändler dort selbst produzieren oder arbeiten sie mit Zulieferern zusammen?

Altemeier: Einige deutsche Discounter wie Deichmann haben eine Fabrik, die exklusiv für sie produziert. Aber viele Lieferanten produzieren für verschiedene deutsche Schuhhändler. Diese können sich den günstigsten Lieferanten aussuchen.

NDR.de: Wie kann es sein, dass schadstoffbelastete Schuhe verkauft werden?

Steffen Weber: Das Problem ist, dass der staatliche Verbraucherschutz erst ansetzt, wenn die Schuhe bereits verkauft werden. Und die Wahrscheinlichkeit ist sehr gering, dass ein belasteter Schuh entdeckt wird. Denn es werden auch zu wenige Stichproben gezogen. Nicht einmal der Zoll kontrolliert die Schuhe bei der Einfuhr auf Schadstoffe, obwohl so verhindert werden könnte, dass Ware mit giftigen Rückständen überhaupt in unseren Schuhschränken landen. Bei unseren Recherchen mussten wir außerdem feststellen, dass die Schuhverkäufer häufig selbst gar nicht wissen, was alles in ihren Schuhen steckt. Der Verbraucher ist also fast ausschließlich auf die freiwillige Selbstkontrolle der Händler angewiesen.

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