Sendedatum: 24.11.2009 20:15 Uhr  | Archiv

Schlaganfall: Was kommt nach der Reha?

Jedes Jahr erleiden bundesweit etwa 200.000 Menschen einen Schlaganfall. Fast jeder Vierte stirbt innerhalb des ersten Jahres an den Folgen. Die Überlebenden müssen oft mit belastenden Behinderungen wie Lähmungen, Sprach- und Sehstörungen kämpfen. Ursache des neurologischen Notfalls ist meist eine Verengung oder ein akuter Verschluss in Hirn- oder Halsgefäßen. Seltener ist eine plötzliche Blutung im Gefäßsystem des Gehirns für den Schlaganfall verantwortlich. Eine optimale Versorgung erhalten Schlaganfallpatienten in spezialisierten Krankenhausabteilungen, den sogenannten Stroke Units. Hier kann mit neurologischen Tests und modernen bildgebenden Verfahren wie Computer- und Magnetresonanztomografie die Ursache für den Hirninfarkt zügig festgestellt werden. Und dies ist entscheidend für die Auswahl der Therapie.

Anzeichen sofort ernst nehmen

Obwohl die Zeit eine entscheidende Rolle für den Erfolg der Behandlung spielt, nehmen noch immer viele Betroffene die Vorboten und ersten Anzeichen des Schlaganfalls nicht ernst genug. Der lebensrettende Notruf wird daher oft viel zu spät getätigt. Bei Symptomen wie Lähmungen, Taubheitsgefühlen, Sprech- und Sehstörungen, Schwindel, plötzlichen starken Kopfschmerzen oder Gehstörungen sollte sofort medizinische Hilfe geholt werden, auch wenn die Beschwerden wieder nachlassen. Nicht selten kommt es nach solchen vorübergehenden Attacken - vom Neurologen TIA genannt - zu einem schweren Gehirninfarkt.

Doch selbst wenn der Schlaganfall für die Patienten meist wie aus heiterem Himmel kommt: Fast immer sind bei ihnen bestimmte Risikofaktoren bereits über einen langen Zeitraum erhöht. Hauptursache ist die Gefäßverkalkung, Arteriosklerose genannt. Dabei verengen sich die Blutgefäße durch Ablagerungen an den Innenwänden. Lebensbedrohlich wird dieser Zustand, wenn ein vollständiger Verschluss entsteht oder wenn sich Teile dieser Ablagerungen oder Blutgerinnsel, die sich auf der vorgeschädigten Gefäßwand bilden können, losreißen und eine Ader im Gehirn verstopfen.

Persönliche Risikofaktoren abbauen

Die Entstehung der Arteriosklerose ist abhängig vom Alter und der erblichen Vorbelastung. Eine entscheidende Rolle spielen jedoch auch die persönlich beeinflussbaren Risikofaktoren. Dazu gehören vor allem Rauchen, Übergewicht und mangelnde körperliche Aktivität. Besonders bedeutsam ist der Bluthochdruck. Liegen die Werte dauerhaft über 140/90 mm Hg, steigt das Schlaganfallrisiko um das Drei- bis Fünffache. Gefährdet sind auch Menschen mit Herzrhythmusstörungen wie zum Beispiel dem Vorhofflimmern. Denn dabei können sich Blutgerinnsel im Herzen bilden und von dort ins Gehirn gelangen.

Wichtig ist es, sein persönliches Risiko zu kennen und in Zusammenarbeit mit den Ärzten gezielte Maßnahmen dagegen zu ergreifen: Verzicht auf Nikotin, Gewichtsreduktion, regelmäßige Bewegung und - wenn nötig - die medikamentöse Behandlung zu hoher Blutdruck-, Zucker- und Cholesterinwerte.

 

Ein Schlaganfall-Patient wird untersucht © picture-alliance/ ZB Fotograf: Wolfgang Thieme

Schlaganfall: Stroke Unit, Reha und dann?

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Ärzte und Therapeuten versuchen Patienten nach einem Schlaganfall wieder fit zu Doch dann ist die Zeit von Krankenhaus und Reha vorbei. Die Patienten stehen alleine da. Eine Patientengeschichte.

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Reha: Das Gehirn trainieren

Neben der frühzeitigen Diagnose ist vor allem ein rascher Therapiebeginn für den Heilungsverlauf entscheidend. Das wesentliche Ziel der Rehabilitation ist es, die Eigenständigkeit des Betroffenen so weit wie möglich wieder herzustellen. Dabei beginnt die moderne Schlaganfalltherapie schon kurz nach der Einlieferung ins Krankenhaus. Mit Hilfe spezieller Methoden und intensiver Rehabilitationsmaßnahmen gilt es, das Gehirn zu trainieren, denn benachbarte Areale des abgestorbenen Hirngebietes können dessen Funktionen übernehmen. Neue Nervenverbindungen können geknüpft werden.

Nach der Entlassung aus der Reha-Klinik stehen aber viele Patienten und ihre Angehörigen plötzlich allein da und müssen sich selbst um die weitere Behandlung kümmern, Neurologen, Physio- und Ergotherapeuten finden. Damit sie erfolgreich sind, müssen die weiteren Therapien aufeinander abgestimmt sein, die verschiedenen Therapeuten koordiniert zusammenarbeiten. Doch gerade das passiert im ambulanten Bereich nur selten. Schlaganfall-Patient Jürgen Langemeyer hat seine Erfahrung als Unternehmensberater genutzt, um diese Situation zu ändern. Er fand eine engagierte Neurologin, die ein individuelles Behandlungsprogramm für ihn erarbeitete und suchte per Annonce Therapeuten, die gemeinsam an einem Ziel arbeiten wollten. Auf diese Weise stellte er sein Behandlungsteam zusammen, das gemeinsam mit ihm die Therapie immer wieder durchspricht und optimiert. Die Erfolge blieben nicht aus, seine Beweglichkeit und Koordination werden seitdem immer besser. Um auch anderen Schlaganfallpatienten zu helfen gründete der ehemalige Unternehmensberater thera.best , ein Netzwerk um die Schlaganfallnachsorge in Deutschland zu verbessern.

Neues Angebot in Hamburg: "Schlaganfall-Nurse"

Ein Modellprojekt für Schlaganfall-Patienten führt die Hamburger Uniklinik gemeinsam mit der DAK durch: Hier koordiniert eine Krankenschwester, die "Schlaganfall-Nurse", am Tag der Entlassung aus der Klinik die Nachsorge für die folgenden Wochen und Monate. Sie nimmt in dieser Zeit regelmäßig Kontakt mit den Patienten auf, fragt nach dem Befinden und kontrolliert die Medikamenteneinnahme. Die Patienten haben so jederzeit eine Ansprechpartnerin, die ihren Fall kennt. Zum Programm gehören auch regelmäßige Kontrolluntersuchungen beim Nachsorge-Arzt. Bei jedem Termin erfasst der Neurologe den Gesundheitszustand des Patienten und kann die medikamentöse Therapie immer wieder optimieren, um einen erneuten Schlaganfall zu verhindern. Auch andere verordnete Therapien wie Physiotherapie oder Logopädie werden überprüft und angepasst, um eventuelle Beschwerden oder Behinderungen nach einem Schlaganfall zu lindern.

Hirnstimulation

Eine Methode, die auch noch Jahre nach einem Schlaganfall die Folgen mindern kann, ist die sogenannte Hirnstimulation, die derzeit in Studien erprobt wird. Dabei wird das Gehirn gezielt unter Spannung gesetzt. Impulse von neun Volt sollen die Nervenzellen anregen und neue Verbindungen schaffen. Die Patienten verspüren dabei keine Schmerzen, sondern nur vorübergehend ein leichtes Kribbeln - wie Ameisen, die über die Haut laufen. Während der Hirnstimulation trainieren die Patienten gezielt die Funktionen des Gehirns, die durch den Schlaganfall geschädigt wurden.

Interviewpartner im Studio:

Prof. Dr. Christian Gerloff
Klinik und Poliklinik für Neurologie
Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf
Martinistraße 52
20246 Hamburg

Jürgen Langemeyer
Betroffener und thera.best-Gründer
Drosselweg 11
25451 Quickborn

Interviewpartner im Beitrag:

Dr. Angela Stahl
Nervenärztin, Naturheilverfahren, Ernährungsmedizin, TCM
Rathausallee 7-9
22846 Norderstedt
Tel. (040) 35 96 98 00
Fax (040) 525 33 35

Dr. Michael Rosenkranz
Neurologe
Klinik und Poliklinik für Neurologie
Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf
Martinistraße 5
20246 Hamburg

Anna Reder
Ergotherapeutin
E.A.R. Therapiecentrum Norderstedt
Ulzburger Straße 308
22846 Norderstedt
Tel. (040) 32 59 61 01
Fax (040) 32 59 61 02

 

Autorinnen des Fernsehbeitrags:
Cornelia Fischer-Börold und Anna Schubert

Dieses Thema im Programm:

Visite | 24.11.2009 | 20:15 Uhr

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