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Bessere Diagnostik bei Nervenschmerzen

Sie ziehen sich fein verästelt durch den Körper, steuern Muskeln und viele andere Körperfunktionen oder übertragen Reize wie Hitze, Kälte, Schmerz und Berührung ans Gehirn: die peripheren Nerven.

Irritationen und Erkrankungen dieser Nerven treten oft plötzlich auf und führen zu starken Beeinträchtigungen. Bis die Ursache dafür gefunden wird, ist es oft ein langer Weg, dabei ist eine frühzeitige richtige Diagnose gerade bei Nervenerkrankungen wichtig, um eine Chronifizierung zu verhindern.

Zuständig für Nervenprobleme ist der Neurologe. Er prüft in der Regeln zunächst die Funktion der Nerven: Fallen bestimmte Muskeln aus, ist das ein Hinweis darauf, dass die zuständigen Nerven die Signale vom Gehirn nicht mehr richtig an den Muskel übertragen können.

Messung der elektrischen Aktivität

Bei der Elektromyografie (EMG) wird über feine in den Muskel gestochene Nadeln die elektrische Aktivität im Muskel gemessen, woraus der erfahrene Neurologe Rückschlüsse auf Nervenschäden ableiten kann. Die Untersuchung der Nervenleitgeschwindigkeit (NLG) zeigt, wie schnell ein Nerv elektrische Impulse weiterleitet. Doch die Funktionstests können nur zeigen, ob ein Nerv geschädigt ist, nicht aber, wo und warum. So sind zum Beispiel Kraftlosigkeit der Hand, Schmerzen und Kribbeln in den Fingern typische Symptome eines sogenannten Karpaltunnelsyndroms. Dabei drückt eine Engstelle am Handgelenk auf den Nerven und verursacht die Beschwerden - in diesem Fall hilft eine Operation, bei der ein Band durchtrennt wird, um den eingeklemmten Nerven zu befreien.

Doch nicht immer ist die Engstelle auch tatsächlich die Ursache der Symptome. Bei einigen Patienten verbirgt sich hinter den Beschwerden eine ganz andere Ursache.

Hochauflösende Nervensonografie kann Aufschluss geben

Hilfreich ist in solchen Fällen die hochauflösende Nervensonografie. Bei diesem neuen Verfahren kann der Arzt selbst sehr feine Nerven in ihrem Verlauf und sogar in Bewegung beobachten und so erkennen, an welcher Stelle eine Schädigung oder Irritation vorliegt. So können zum Beispiel Nervenschäden im Bereich der Achsel die gleichen Beschwerden verursachen, wie ein Karpaltunnelsyndrom. Zwar gibt es hier keine heilende Operation, aber die genaue Diagnose erspart dem Patienten zumindest einen unnötigen Eingriff am Handgelenk.

Auch andere Einflüsse, die den Nerv belasten, wie Knochensplitter, verdickte Bänder, Muskeln, Tumore oder Nervenentzündungen lassen sich mit Hilfe des Ultraschalls erkennen und gezielt behandeln. Die Nervensonographie kann immer dann sinnvoll sein, wenn die Beschwerden des Patienten nicht zu den Ergebnissen der körperlichen Untersuchung passen.

Wann ist die Ultraschall-Untersuchung sinnvoll?

Allerdings wird die relativ neue Methode noch nicht von den gesetzlichen Krankenkassen bezahlt.  Selbstzahler müssen in der Praxis mit Kosten in Höhe von circa 70 Euro rechnen. Die Untersuchung eignet sich auch nicht für alle Nerven: Liegen die Nervenfasern zu tief, lassen sie sich sonografisch nicht beurteilen. Bei vielen Erkrankungen reichen die Funktionstests aus.

Interviewpartner im Studio:

Priv.-Doz. Dr. Tobias Bäumer
Oberarzt
Klinik und Poliklinik für Neurologie
Neurozentrum
Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf
Martinistraße 52
20246 Hamburg
Tel. (040) 741 00
Fax (040) 741 05 67 21

Interviewpartner im Beitrag:

Dr. Henrich Kele
Neurologe                                    
Neuer Wall 25
20354 Hamburg
Tel. (040) 30 06 87 60
Fax (040) 300 68 76 40

Autorin des Fernsehbeitrags:
Ulrike Heimes

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