Sendedatum: 10.12.2013 20:15 Uhr  | Archiv

OP gegen Übergewicht kann Leben verlängern

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Die Magenbypass-OP wird minimalinvasiv durchgeführt.

Bei extremem Übergewicht reichen Diäten, mehr Bewegung und selbst eine Umstellung der Ernährung oft nicht aus, um das Gewicht stark genug und dauerhaft zu reduzieren. Im Gegenteil: Durch den sogenannten Jo-Jo-Effekt nehmen viele stark Übergewichtige nach jeder Gewichtsabnahme schnell wieder zu und wiegen hinterher mehr als vorher.

Das hat für die Betroffenen schwere medizinische Folgen, denn das Gewicht belastet die Gelenke und den Stoffwechsel enorm. Meist entwickelt sich ein Diabetes mellitus Typ II, im Volksmund Alterszucker genannt. Auch das Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall ist bei starkem Übergewicht erhöht, die Lebenserwartung deutlich vermindert.

Magenbypass effektivste Methode

Hier kann eine Operation in einem Adipositaszentrum helfen: Als effektivste Methode gilt derzeit der sogenannte Magenbypass. Dabei verkleinern Spezialisten den Magen auf etwa ein Fünftel seiner ursprünglichen Größe und verbinden ihn mit dem Dünndarm, sodass ein Teil des Dünndarms überbrückt wird. So umgeht die Nahrung den Zwölffingerdarm und wird in dem verkürzten Dünndarm in geringerem Maße verwertet.

Zuckerstoffwechsel kann sich wieder normalisieren

Dieser Eingriff ist häufig so erfolgreich, dass die Patienten innerhalb weniger Monate nicht nur einen Großteil ihres Gewichts verlieren, sondern sich sogar ein Diabetes mellitus zurückbilden kann. Der Zuckerstoffwechsel normalisiert sich oft sogar bevor der Gewichtsverlust einsetzt, vermutlich durch eine gesteigerte Produktion eines Hormons im Darm, das die Insulinausschüttung der Bauchspeicheldrüse stimuliert. Auch das Risiko für Herz-Kreislauferkrankungen sinkt mit dem Körpergewicht drastisch.

Minimalinvasiver Eingriff

Die Operation wird minimalinvasiv durchgeführt. Durch sechs winzige Schnitte in der Bauchdecke werden die Instrumente und eine Kamera in den Bauch eingeführt. Die Chirurgen operieren mit modernster dreidimensionaler Technik: Mithilfe einer 3D-Brille können sie tief in die Bauchhöhle des Patienten blicken und Organe und Strukturen wie Gefäße, Nerven, aber auch mögliche Verwachsungen genau erkennen können.

Die Operation dauert mehrere Stunden und ist trotz modernster Technik und großer Erfahrung des Chirurgen nicht ohne Risiko. Belastende Folgen wie Verdauungsprobleme oder schmerzhafte Verwachsungen im Bauchraum können auftreten. Deshalb wird ein Magenbypass nur eingesetzt, wenn der Patient die notwendige Gewichtsabnahme anders nicht erreicht.

Kostenübernahme ist Einzelfallentscheidung

Ob die Kosten übernommen werden, entscheiden die Krankenkassen im Einzelfall. Neben einem Gutachten des Medizinischen Dienstes und einer ärztlichen Bescheinigung über die Notwendigkeit der Gewichtsreduktion müssen Patienten dafür nachweisen, dass sie alle konservativen Verfahren bereits ernsthaft aber erfolglos probiert haben. Willigt die Krankenkasse nicht ein, können die Patienten widersprechen und Klage vor dem Sozialgericht einreichen. Gerade bei stark übergewichtigen Diabetes-Patienten werden die Kosten meist doch übernommen. Private Krankenversicherungen genehmigen sogenannte bariatrische Eingriffe oft schneller.

Interviewpartner:

Im Studio:
Dr. Wolfgang Tigges
Chefarzt der Chirurgischen Klinik
Adipositaszentrum Hamburg
Asklepios Westklinikum Hamburg
Suurheid 20
22559 Hamburg
Tel. (040) 81 91 21 01
Fax (040) 81 91 24 09
E-Mail: adipositaszentrum-hamburg@asklepios.com

Im Beitrag:

Dr. Matthias Riedl
Internist, Diabetologe, Ernährungsmediziner             
Diabetes Zentrum Berliner Tor
Medicum Hamburg GbR
Beim Strohhause 2
20097 Hamburg
Tel. (040) 807 97 90
Fax (040) 807 97 93 00

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Visite | 10.12.2013 | 20:15 Uhr

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