Programmtipp
Zwei Ärzte im Operationssaal © picture-alliance/ dpa Fotograf: Stephan Görlich

Überflüssige Operationen: Wenn Ärzte das Bild operieren

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29.04.2014 | 20:15 Uhr

Rückenschmerzen, Knieschmerzen & Co.: Vor einer Operation sollte auf jeden Fall geklärt werden, ob das, was man im Röntgenbild sieht, für die Beschwerden verantwortlich ist.mehr

 

Darmkrebs erkennen und behandeln

Der menschliche Darm (Grafik) © NDR Detailansicht des Bildes Wer weiß, dass er ein ererbtes Krebsrisiko in sich trägt, sollte regelmäßig Darmspiegelungen durchführen lassen. Jedes Jahr erkranken hierzulande mehr als 70.000 Menschen an Darmkrebs. Rund 27.000 Betroffene pro Jahr sterben an einem bösartigen Darmtumor. Doch die Behandlung von Darmkrebs hat in den vergangenen Jahren deutliche Fortschritte gemacht. Früh erkannt ist der Darmkrebs heute in über 90 Prozent der Fälle heilbar. Schreitet er aber fort, bilden sich Tochtergeschwülste (Metastasen) in anderen Organen, vor allem in der Leber.

Darmkrebs: Chancen moderner Behandlungen

Visite - 15.04.2014 20:15 Uhr - Autor/in: Dr. Tilman Hassenstein

Nach der Diagnose Darmkrebs ist die operative Entfernung des Tumors das wichtigste Behandlungsverfahren und auch das einzige, mit dem Darmkrebs geheilt werden kann.

Kleine Metastasen lassen sich oft - wie der Tumor selbst - durch eine Operation komplett entfernen, sodass eine gute Heilungschance besteht. In fortgeschrittenen Stadien helfen vor allem Strahlen- und Chemotherapie sowie gentechnisch produzierte Antikörper, den Krebs wirksam zu bekämpfen.

Wachstum der Tumoren oft lange unbemerkt

Tückisch ist, dass die bösartigen Darmtumoren oft jahrelang im Darm wachsen und größer werden, ohne Beschwerden zu verursachen. Erste Anzeichen wie Abgeschlagenheit und Antriebslosigkeit können auch andere, harmlose Ursachen haben. Und ist erst Blut im Stuhl zu erkennen, ist der Tumor meist schon sehr groß.

Stichwort Darmkrebs

Unter dem Oberbegriff Darmkrebs werden Krebserkrankungen des Dickdarms (Kolon), des Enddarms (Mastdarm/Rektum) und des Darmausgang (Anus) zusammengefasst.

Deshalb wird ab dem 55. Lebensjahr die Darmspiegelung (Koloskopie) alle zehn Jahre als Vorsorgeuntersuchung kostenlos angeboten. Studien zeigen, dass nach einer unauffälligen Spiegelung die nächste Koloskopie erst nach fünf bis zehn Jahren durchgeführt werden muss.

Wenn allerdings ein Darmkrebs bei Verwandten ersten Grades aufgetreten ist, sollte man häufiger kontrollieren. Denn 20 bis 30 Prozent aller Darmkrebspatienten haben ein vererbtes, familiäres Darmkrebsrisiko. In diesem Fall ist die Gefahr um das Vierfache erhöht und die erste Untersuchung sollte auch bereits zehn Jahre früher durchgeführt werden, als das Alter des jüngsten Betroffenen der Familie beim Ausbruch der gefährlichen Krankheit betragen hat. Etwa fünf Prozent aller Darmkrebspatienten haben sogar regelrecht krankmachende Gene geerbt - mit einer Erkrankungswahrscheinlichkeit von 80 bis 100 Prozent.

Videos

Interview zum Thema Darmkrebs

15.04.2014 | 20:15 Uhr
NDR Fernsehen: Visite

Moderne Medikamente können die Tumore am Wachstum hindern. Wie geht das? Prof. Olaf M. Koch im Interview mit Moderatorin Vera Cordes.

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Eine Genanalyse zeigt bei frühen Darmkrebserkrankungen (unter 50 Jahren) in der Familie, ob das Risiko für Darm- und Magenkrebs erhöht ist. Wer weiß, dass er ein ererbtes Krebsrisiko in sich trägt, sollte engmaschig Darmspiegelungen durchführen lassen, um etwaige Tumoren rechtzeitig erkennen und behandeln zu können.

Krebs entsteht aus Polypen

Darmkrebs © NDR Detailansicht des Bildes Früh erkannt ist der Darmkrebs heute in über 90 Prozent der Fälle heilbar. Darmkrebs entsteht meist aus gutartigen Vorstufen, sogenannten Polypen, die sich bei der Koloskopie leicht entfernen lassen. Bei der Koloskopie führt der Arzt dem Patienten unter örtlicher Betäubung ein biegsames Endoskop in den Darm ein. Das schlauchförmige Gerät enthält eine Lichtquelle, eine winzige Kamera und einen Arbeitskanal, über den der Arzt kleine Zangen zur Entnahme von Gewebeproben einführen und etwaige Polypen abtragen kann. Entdeckt er bei der Koloskopie einen Tumor, kann er eine Gewebeprobe zur feingeweblichen Untersuchung entnehmen.

Nach Möglichkeit ins Darmzentrum

Die Therapie des Darmkrebses erfolgt heutzutage nach Empfehlungen und Leitlinien von wissenschaftlich anerkannten Fachgesellschaften. Sie richtet sich dabei insbesondere nach der Art des Tumors sowie dem Stadium der Tumorerkrankung. Die Festlegung des Tumorstadiums erfolgt anhand der Tumorgröße, des Lymphknotenbefalls und dem Vorliegen von Metastasen.

Es ist wichtig, ein maßgeschneidertes Therapiekonzept für jeden Patienten zu entwickeln. Deshalb sollten sich Patienten mit Darmkrebs möglichst in einem Darmzentrum behandeln lassen. Hier beraten Experten aller an der Krebstherapie beteiligten Fachgruppen gemeinsam in interdisziplinären Tumorkonferenzen, welche Verfahren im Einzelfall am sinnvollsten sind und wie sie kombiniert werden sollen.

Wie wird in den verschiedenen Krebsstadien behandelt?

Bei kleinen, örtlich begrenzten Tumoren (Stadium I) kann durch eine Operation in mehr als 90 Prozent der Fälle eine Heilung erreicht werden. Der bösartige Tumor darf dazu die Darmwand nicht durchbrechen, die Lymphknoten dürfen nicht betroffen sein und es dürfen keine Metastasen vorliegen. Eine Chemo- oder Strahlentherapie ist dann nicht notwendig.

Im Stadium II haben die Tumoren die Darmwand durchbrochen und das umliegende Gewebe möglicherweise infiltriert. Dennoch sind die Lymphknoten nicht befallen und es liegen keine Metastasen vor. Neben der Operation kann in diesem Stadium eine begleitende Chemotherapie sinnvoll sein.

Bei Stadium-III-Tumoren sind die Lymphknoten in der Nähe des Tumors mit bösartigen Zellen befallen. In diesen Fällen erfolgt nach der Operation eine Chemotherapie. Beim Rektumkarzinom (Mastdarmkrebs) erfolgt bereits vor einer möglichen Operation eine Chemotherapie.

Tumoren im Stadium IV gehen mit Metastasen in anderen Organen einher. Bei Darmkrebs kommt es typischerweise zunächst zu Ansiedelungen in Leber und Lunge. Je nach Verfassung und Beschwerden des Betroffenen, kann die erste Behandlungsmaßnahme eine Operation oder eine Chemotherapie sein. Wenn möglich sollten die Metastasen entfernt werden.

Chemotherapie soll Heilungschancen verbessern

Die Operationsstrategien richten sich vor allem nach der anatomischen Lage des Tumors. Bei Tumoren des Dickdarms kann die Darmpassage in der Regel erhalten werden. Das heißt, nach der Entfernung des Tumors können die beiden Darmenden wieder miteinander verbunden werden. Bei Tumoren des Mastdarms wird zum Schutz der Naht der beiden Darmenden ein künstlicher Darmausgang angelegt. Dieser kann nach einigen Wochen im Rahmen einer kleinen Operation wieder zurückverlegt werden. Es sei denn, die Krebsgeschwulst liegt sehr tief in der Nähe des Schließmuskels. Dann ist manchmal ein dauerhafter, künstlicher Darmausgang notwendig.

Die Chemotherapie erfolgt ebenfalls abhängig vom vorliegenden Stadium. Sie erfolgt in der Regel über einen Zeitraum von sechs Monaten. Ihr Ziel ist es die Heilungschancen zu verbessern und Metastasen zu behandeln oder bei fortgeschrittenen Erkrankungen die Lebensqualität zu verbessern und die Überlebenszeit zu verlängern. Die sogenannten Zytostatika wirken insbesondere auf die sich schnellteilenden Zellen des Tumorgewebes.

Wann ist eine Strahlentherapie sinnvoll?

Seit Kurzem sind im Rahmen einer Immuntherapie auch spezielle Antikörper zur Behandlung des Darmkrebses zugelassen. In Kombination mit der klassischen Chemotherapie sollen sie die Behandlungserfolge verbessern. Eine ergänzende Strahlentherapie ist dann sinnvoll, wenn sich ein Rektumkarzinom in das umgebende Gewebe ausgebreitet hat oder Lymphknoten befallen sind. Die Diagnose einer Tumorerkrankung bedeutet für jeden Betroffenen eine erhebliche Belastung. Daher ist es wichtig, Therapieoptionen und -konzepte individuell zu gestalten und eng an die Bedürfnisse und die Lebenssituation der Betroffenen anzupassen.

Weitere Informationen
Prof.Torsten Kucharzik, Facharzt für Innere Medizin © NDR
 

"Frühsymptome für Darmkrebs gibt es nicht"

04.02.2014 | 20:15 Uhr
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Ist eine Darmspiegelung schmerzhaft und wie schnell können sich Polypen zu Krebs entwickeln? Prof. Torsten Kucharzik stand im Chat zum Thema Darmkrebs Rede und Antwort. mehr

Darmkrebsfrüherkennung © picture-alliance/ ZB
 
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Neuer Stuhltest für Darmkrebsvorsorge

Eine Darmspiegelung kann Leben retten. Doch viele scheuen die Darmkrebs-Vorsorgeuntersuchung. Eine Alternative sind Stuhlbluttests. Wie sicher sind sie? mehr

Interviewpartner:

Im Studio:
Prof. Dr. Olaf M. Koch
Chefarzt der Medizinischen Klinik III (Onkologie, Hämatologie, Blutstammzelltransplantation)
Klinikum Osnabrück GmbH
Am Finkenhügel 1
49076 Osnabrück
E-Mail: olaf.koch(at)klinikum-osnabrueck.de
Tel. (0541) 405 66 01
Fax: (0541) 405 66 99

Dieses Thema im Programm:

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