Sendedatum: 13.11.2012 20:15 Uhr  | Archiv

Was tun bei Hexenschuss?

Eine falsche Bewegung beim Aufstehen oder beim Bücken genügt und nichts geht mehr. Ein reißender, mitunter sehr heftiger Schmerz fährt ins Kreuz und zwingt den Betroffenen in die unmöglichsten Haltungen. Ein Hexenschuss (Lumbago) trifft typischerweise den unteren Rücken, also die Lendenwirbelsäule.

Im Mittelalter vermuteten die Menschen Zauber und schwarze Magie hinter den plötzlichen Rückenschmerzen ohne erkennbare Ursache. Aus dieser Zeit stammt der Begriff "Hexenschuss".

Die wahren Ursachen sind in der Regel harmlos: Überlastung, Nässe, Kälte oder Zugluft genügen, um einen durch Bewegungsmangel, Muskelverspannungen und Stress geschwächten und anfälligen Rücken zu treffen.

Ein Hexenschuss trifft typischerweise den unteren Rücken, also die Lendenwirbelsäule. Hier sorgen in der tiefen Rückenmuskulatur zahlreiche Nervenbahnen und Muskelstränge für die enorme Beweglichkeit der Wirbelsäule. Ist hier die Muskulatur verkümmert, reicht eine abrupte Bewegung, ein falsches Bücken, Drehen oder Heben, damit die Muskeln die Wirbelsäule blockieren und sogar Niesen weh tut. Die Schmerzen sind so heftig, dass man sich am liebsten keinen Millimeter bewegen möchte.

Bewegung statt Ruhe

Tatsächlich empfahlen Ärzte früher ihren Patienten, sich unbedingt zu schonen. Doch genau das hat sich inzwischen als falsch erwiesen. Heute lautet die Empfehlung daher, soweit irgendwie möglich, in Bewegung zu bleiben, um nach einem Hexenschuss schnell wieder auf die Beine zu kommen.

Bei Warnzeichen wie Gefühlsstörungen, Lähmungserscheinungen in den Beinen oder wellenförmige Schmerzen, sollten die Patienten sofort einen Arzt aufsuchen, denn dahinter können sich ernste Erkrankungen wie ein Bandscheibenvorfall, ein Bruch, ein Tumor oder ein Nierenleiden verbergen.

Akutbehandlung mit Schmerzmittel

Um die Schmerzen eines Hexenschusses zu lindern und Bewegungen wieder zu ermöglichen, eignen sich Schmerzmittel wie Ibuprofen oder Paracetamol. Sie sollten aber nicht länger als wenige Tage eingenommen werden, ohne dass ein Arzt konsultiert wird. Wärme ist immer gut, hilft aber nicht langfristig, da der Betroffene dabei passiv bleibt, obwohl er doch eigentlich aktiv werden und bleiben muss. Kortisonspritzen in den Gesäßmuskel werden heute nicht mehr verabreicht, da bei solchen Spritzen Komplikationen wie Abzesse oder Nekrosen entstehen können und Tabletten genauso gut wirken.

Wann sollten Betroffene einen Arzt aufsuchen?

Macht der Rücken nach sechs bis zwölf Wochen noch Probleme, ist eine Röntgenuntersuchung nötig, um die Ursache zu finden. Oft lässt sich allerdings gar nicht herausfinden, was die Verspannungen ausgelöst hat, denn bei vielen Patienten äußern sich auch Stress oder psychische Probleme in Form von Rückenschmerzen. Manuelle Medizin kann helfen, Blockierungen zu lösen, die die Muskelverspannungen aufrecht erhalten.

Auch eine Akupunkturbehandlung kann Patienten von akuten Schmerzen befreien und ihnen die normale Beweglichkeit zurückgeben. Physiotherapeutische Übungen verhindern, dass der akute Schmerz fortbesteht und chronisch wird. Bei Koordinationsproblemen oder schwacher Muskulatur helfen gezielte Übungen, den Rücken künftig vor Schmerzen und Schäden zu schützen.

Interviewpartner im Studio:

Prof. Dr. Bernd Kladny
Chefarzt
Fachabteilung für Orthopädie und Unfallchirurgie
m&i-Fachklinik Herzogenaurach
In der Reuth 1
91074 Herzogenaurach
Tel. (09132) 83 10 40

Interviewpartner im Beitrag:

Dr. Burkhard Stünitz
Facharzt für Orthopädie

Dr. Sönke Sönnichsen
Facharzt für Orthopädie
Orthopaedicum - Gemeinschaftspraxis für konservative und operative Therapie
Prüner Gang 15
24103 Kiel
Tel. (0431) 60 05 60

Autor des Fernsehbeitrags:
Ulrich Neumann

Dieses Thema im Programm:

Visite | 13.11.2012 | 20:15 Uhr

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