Stand: 30.05.2017 12:33 Uhr

Zuckerfasten senkt Risiko für Diabetes

Zucker ist ein wichtiger Energielieferant für den Körper. Doch zu viel Zucker macht übergewichtig und krank: Allein in Deutschland leben fünf Millionen Diabetiker - auch eine Folge des übermäßigen Zuckergenusses. Diabetes kann Schäden an Gefäßen, Nieren und Nerven verursachen und zu Herzinfarkt und Schlaganfall führen. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfiehlt eine tägliche Höchstmenge von 25 Gramm Zucker, das entspricht etwa sieben Zuckerwürfeln. In Deutschland liegt der Pro-Kopf-Verzehr viermal so hoch - bei rund 100 Gramm.

Warum zu viel Zucker dick macht

Diabetes-Risiko mit Glukose-Test ermitteln

Wie hoch das individuelle Diabetes-Risiko ist, lässt sich mit einem sogenannten Glukose-Test herausfinden. Dieser ermittelt, wie gut der Körper Zucker verarbeitet. Dazu trinkt der Proband einen Saft mit 75 Gramm reinem Zucker (Glukose). Der Blutzuckerspiegel wird vor dem Trinken und anschließend insgesamt fünfmal jeweils im Abstand von einer halben Stunde gemessen. Nach zwei Stunden sollte der Blutzuckerspiegel wieder das Ausgangsniveau erreicht haben.

Sinkt der Blutzuckerspiegel nicht so weit, liegt eine sogenannte eingeschränkte Glukosetoleranz vor: Der Körper hat Probleme, den Zucker zu verstoffwechseln. Diese Vorstufe von Diabetes erhöht das Risiko, in Zukunft an Diabetes zu erkranken.

Zuckerfasten reduziert Diabetes-Risiko

Das Diabetes-Risiko lässt sich durch Zuckerfasten reduzieren. Dabei nimmt man täglich nicht mehr als die empfohlene Höchstmenge von 25 Gramm Zucker zu sich. Schon nach zwei Wochen Zuckerfasten können die Insulinwerte deutlich sinken - und damit auch das Risiko, an Diabetes (Typ 2) zu erkranken.

So viel Zucker steckt in Fertiggerichten

Fertiggerichte und Fast Food enthalten oft große Mengen an verstecktem Zucker. Beispiele - ein Zuckerwürfel entspricht etwa drei Gramm Zucker:

  • Tiefkühlpizza mit Salami: sechs Zuckerwürfel
  • Kartoffelsalat aus dem Kühlregal: neun Zuckerwürfel
  • Rotkohl aus dem Glas (700 Gramm): 25 Zuckerwürfel
  • Fitness-Müsli: 39 Zuckerwürfel
  • Früchtejoghurt (200 Gramm): acht Zuckerwürfel
  • Cornflakes (100 Gramm): zwölf Zuckerwürfel

Viel Zucker enthalten auch Gewürzgurken, Brot, Frischkäse, Salzstangen und fertige Salatsoßen. Statt Fertigprodukte zu kaufen, sollte man deshalb frisch kochen und zum Beispiel Müsli oder Fruchtjoghurt selbst machen.

Zucker in Lebensmitteln meiden

Zucker ist häufig Ersatz für chemische Bindemittel oder Konservierungsstoffe. In fettarmen Light-Produkten dient er als Geschmacksträger. Aufpassen sollte bei folgenden Hinweisen auf der Verpackung:

  • Die Aufschrift "reduzierter Zuckergehalt" bedeutet nur, dass in einem Produkt 30 Prozent weniger Zucker als in vergleichbaren Produkten steckt.
  • Die Hinweise "nur mit natürlicher Süße", "ohne Zuckerzusatz" oder "100 Prozent Frucht" täuschen in der Regel darüber hinweg, dass die Lebensmittel sehr viel Fruchtzucker enthalten.

Orientierung beim Einkauf bieten die Mengenangaben in der Zutatenliste. Doch dort taucht nicht immer herkömmlicher Haushaltszucker auf. Oft verwenden die Hersteller Zuckerstoffe wie Laktose, Maltose, Malzextrakt, Glukosesirup oder Fruktose. Der Zusatz dieser diese süßenden Substanzen ist meist billiger, aber nicht gesünder oder kalorienärmer.

Fruchtzucker kann zu Fettleber führen

Lange Zeit glaubten Mediziner, Fruchtzucker (Fruktose) sei gesünder als normaler Zucker. Sie gingen davon aus, dass Fruktose den Blutzuckerspiegel nicht so schnell ansteigen lässt. Doch das Gegenteil ist der Fall. Bei übermäßigem Verzehr von Fruchtzucker besteht die Gefahr einer Fettleber:

  • Viel Fruchtzucker steckt in Dicksäften aus Agaven, Birnen und Äpfeln und in Honig. Sie sollten daher sparsam verwendet werden. Gerade sehr beliebt ist Kokosblütenzucker, der aus dem Saft der Kokosblüte gewonnen wird und einen sehr niedrigen Fruktoseanteil hat. Er lässt den Blutzuckerspiegel nur langsam ansteigen.
  • Yaconzucker wird aus der Yaconwurzel, die in Peru wächst, hergestellt. Er ist ideal für Diabetiker und Übergewichtige: Er ist zwar weniger süß, hat aber nur halb so viel Kalorien wie Zucker, Honig oder Dicksäfte.

Süßstoffe mit Vorsicht genießen

Forscher suchen nach Ersatzstoffen für Zucker, die den Teufelskreis von zu hohem Blutzucker und ständigem Hunger nach Süßem durchbrechen. Doch für manche Süßstoffe sind tägliche Höchstmengen festgesetzt:

  • Für Stevia wird eine leicht gefäßerweiternde und blutdrucksenkende Wirkung vermutet. Deshalb sollte die Höchstmenge von vier Milligramm pro Kilogramm Körpergewicht nicht überschritten werden.
  • Aspartam ist für Gesunde dagegen nicht so schädlich wie früher gedacht. Wer unter Stoffwechselkrankheiten leidet, sollte aber den Arzt fragen.
  • Für die Zuckeraustauschstoffe Xylit und Erythritol (Sucolin) ist keine Höchstmenge festgelegt.

Zuckerindustrie beeinflusste Studien

Bereits 1964 gab es in den USA vermehrt Erkenntnisse, dass Zucker der Gesundheit schadet und mitverantwortlich ist für Herz-Kreislauferkrankungen und Diabetes. Doch ein Zucker-Lobbyist engagierte für 50.000 US-Dollar zwei renommierte Ernährungsforscher der Universität Harvard. Sie sollten Studien zu einer Metastudie zusammenfassen und im Sinne der Zuckerindustrie neu interpretieren: Nicht Zucker sei das Problem, sondern Fett. Diesen Wissenschaftsskandal haben erst kürzlich zwei US-Forscher anhand von Gesprächsprotokollen aufgedeckt.

Zucker

Zuckerfasten senkt Risiko für Diabetes

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Zuckerfasten kann das Risiko für Diabetes senken. Doch viele Lebensmittel enthalten versteckte Zuckerstoffe. Worauf sollte man beim Verzicht auf Zucker achten?

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Interviewpartner

Interviewpartner im Studio:
PD Dr. Jens Aberle, Facharzt für Innere Medizin, Endokrinologie/Diabetologie
Ärztl. Leiter Ambulanzzentrum des UKE GmbH, Fachbereich Endokrinologie, Diabetologie, Adipositas und Lipide
Martinistraße 52, 20246 Hamburg
Tel. (040) 74 10-500 85
Internet: www.uke.de

Interviewpartner im Beitrag:
Prof. Dr. Andreas Pfeiffer, Endokrinologe
Leiter der Abteilung Klinische Ernährung
DIfE - Deutsches Institut für Ernährungsforschung Potsdam-Rehbrücke
Arthur-Scheunert-Allee 114-116, 14558 Nuthetal
Internet: www.dife.de

Weitere Informationen:
Deutsche Gesellschaft für Ernährung e. V.
Godesberger Allee 18, 53175 Bonn
Internet: www.dge.de

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