Stand: 17.11.2014 11:27 Uhr  | Archiv

Wie viel Sicherheit bietet die Mammografie?

Bild vergrößern
Frauen ab 50 Jahren haben alle zwei Jahre einen gesetzlichen Anspruch auf eine Mammografie.

In Deutschland erkranken jedes Jahr etwa 70.000 Frauen an Brustkrebs. Damit ist Brustkrebs hier die häufigste Krebserkrankung bei Frauen. Etwa ein Drittel der Frauen kann geheilt werden, wenn der Tumor frühzeitig erkannt wird. Aus diesem Grund wurde in Deutschland das Mammografie-Screening-Programm eingeführt. Es richtet sich als zusätzliches Angebot zur jährlichen Krebsfrüherkennungsuntersuchung an alle Frauen zwischen 50 und 69 Jahren. Alle zwei Jahre haben sie Anspruch auf eine Mammografie, also eine Röntgenuntersuchung der weiblichen Brust. Die Kosten dafür werden von der gesetzlichen Krankenversicherung übernommen.

Vorteile der Vorsorgeuntersuchung überwiegen

Auch wenn es kontroverse Meinungen über den Nutzen des Screenings gibt, ist sich die Mehrzahl der Fachleute einig, dass die Vorteile der Früherkennungsuntersuchung überwiegen. Aktuelle Analysen verschiedener Studie kommen zu dem Schluss, dass durch das Mammografie-Screening mehr Frauen vor dem Tod durch Brustkrebs gerettet, als zum Beispiel durch eine Überdiagnose beunruhigt werden. Der entscheidende Vorteil des Screenings ist, dass Tumoren, die früh entdeckt werden, im Allgemeinen schonender und erfolgreicher behandelt werden können.

Bei jungen Frauen Ultraschalluntersuchung sinnvoll

Bild vergrößern
Eine Ultraschalluntersuchung ist keine Kassenleistung.

Gerade bei jungen Frauen mit sehr dichtem Brustgewebe liefert die Mammografie unter Umständen unklare Ergebnisse. Aufgrund des hohen Milchdrüsenanteils, im Vergleich zum Fettgewebe, ist das Gewebe von den Röntgenstrahlen nur schwer zu durchdringen. Auffälligkeiten können daher leichter übersehen werden. Daher empfehlen Experten bei jungen Frauen auch immer eine Ultraschalluntersuchung der Brüste. Studien bestätigen, dass durch eine zusätzlich durchgeführte Ultraschalluntersuchung bei Frauen mit dichter Brust bösartige Veränderungen nachgewiesen werden konnten, die sowohl bei der Mammografie also auch bei Tastuntersuchungen übersehen wurden. Da zum Zeitpunkt der Diagnose Brustkrebs ist jede vierte Frau jünger als 55 Jahre, jede zehnte Frau sogar jünger als 50.

Diese Ultraschalluntersuchung wird im Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenkassen derzeit noch nicht berücksichtigt. Die Kosten dafür werden nur bei Risikopatientinnen mit erblicher Vorbelastung oder bei unklaren Befunden mit dem Verdacht einer bösartigen Veränderung von den Krankenkassen übernommen. Viele Frauenärzte bieten den Ultraschall daher als IGeL-Leistung an. Die Kosten liegen in der Regel zwischen 35 und 75 Euro.

Generell steigt das Risiko, an Brustkrebs zu erkranken, mit zunehmendem Alter an. Sind bereits Blutsverwandte wie Mutter, Tochter oder Schwester erkrankt, verdoppelt sich das Brustkrebsrisiko. Sind zwei Verwandte betroffen, vervierfacht sich das Risiko an Brustkrebs zu erkranken.

Regelmäßiges Abtasten wichtig

Neben der Tastuntersuchung, die sowohl für Frauen mit und ohne erhöhtes Brustkrebsrisiko ab dem 30. Lebensjahr einmal jährlich von ihrer Krankenkasse bezahlt wird, raten Frauenärzte zu regelmäßigen Selbstuntersuchungen der Brüste. Das Abtasten der Brust ist eine einfache Möglichkeit, Veränderung im Brustdrüsengewebe festzustellen. Die Selbstuntersuchung sollte immer zum gleichen Zeitpunkt des Zyklus erfolgen, um bessere Vergleichsmöglichkeiten zu haben. Dazu eignet sich insbesondere die Zeit zwischen dem dritten und siebten Tag nach dem Einsetzen der Regelblutung. Zu diesem Zeitpunkt ist die Brust relativ frei von hormonellen Gewebsverhärtungen.

Entfernung des Tumors die Therapie der Wahl

In den vergangenen Jahren hat sich nicht nur die Diagnostik, sondern auch die Therapie des Mammakarzinoms verändert und verbessert. Für keine andere Krebsart gibt es mehr zertifizierte Therapiezentren und bessere Behandlungsleitlinien der Fachgesellschaften als für das Mammakarzinom. Die Therapieplanung beginnt bereits mit der Diagnosestellung. Feingewebliche Untersuchungen liefern Informationen über die Art und die Aggressivität des Tumors. Der Nachweis über das Vorliegen oder Fehlen von Hormonrezeptoren sowie bestimmter Wachstumsfaktoren ist entscheidend für das therapeutische Vorgehen.

Links

Mammographie-Screening

Kostenlose Broschüre des Deutschen Krebsforschungszentrums - Krebsinformationsdienst und der Deutschen Krebshilfe zum Herunterladen (PDF). extern

Brustkrebs - Die blauen Ratgeber

Umfangreiche Broschüre der Deutschen Krebshilfe (PDF). extern

Durch den Einsatz zusätzlicher bildgebender Verfahren wie der Kernspintomografie (Magnetresonanztomografie - MRT), lässt sich die Größe und räumliche Ausbreitung des Tumors genau bestimmen. Das Wissen darüber ist für die Planung des operativen Vorgehens unerlässlich. Ebenso ist es für die Therapiestrategie entscheidend, ob der Tumor bereits in benachbarte Lymphknoten oder gar andere Organe gestreut hat. Nach wie vor ist die radikale Entfernung des Tumorgewebes die Therapie der Wahl. Bis vor einigen Jahren galt die Amputation der betroffenen Brust als beste Option. Mittlerweile können die meisten Tumore aber brusterhaltend operiert werden - ohne dass sich dadurch die Überlebenschance für die betroffenen Frauen verschlechtert.

Brustkrebs-Screening: Statistik

Pro 1.000 gibt es 30 Verdachtsfälle. Diese werden erneut eingeladen. Nach einem zusätzlichen Ultraschall wird im Schnitt bei 20 Frauen Entwarnung gegeben. Bei den restlichen zehn wird eine Gewebeentnahmen gemacht, von denen wiederum fünf unauffällig sind. Bei den übrigen fünf Frauen wird ein Karzinom entdeckt. Diejenigen, bei denen Entwarnung gegeben wird, heißen statistisch falsch-positive Befunde. Wird in der Mammografie ein Krebs nicht erfasst, spricht man von falsch-negativ Befund. (Quelle AG MammografieScreening).

Weitere Informationen

"Brustkrebs verursacht meist keine Schmerzen"

11.03.2014 20:15 Uhr
Visite

Welche Rolle spielt Mikokalk im Zusammenhang mit einer Brustkrebserkrankung? Ist eine Zyste besorgniserregend? Dr. Kay Friedrichs hat am 11. März 2014 viele Fragen im Chat beantwortet. mehr

Zwei sanfte Hände kämpfen gegen Brustkrebs

Pia Hemmerling kann beinahe nichts mehr sehen, ihr Tastsinn ist dafür umso feiner. So kann sie früher als der Arzt Gewebeveränderungen in der Brust erkennen. mehr

Brustkrebs-OP: Chemo nicht immer notwendig

Operation, Bestrahlung und Chemotherapie sind die klassischen Behandlungssäulen bei Brustkrebs. Die Chemo hilft aber nicht bei jedem Brustkrebs - ein Gentest kann Aufschluss geben. mehr

Interviewpartner

Im Studio:
Priv.-Doz. Dr. Kay Friedrichs
Mammazentrum Hamburg, Gynäkologische Onkologie
Jerusalem Krankenhaus Hamburg
Moorkamp 2-6
20357 Hamburg
Tel. (040) 44 19 05 00
Fax: (040) 44 19 05 04
Internet: www.mammazentrum-hamburg.de

Im Beitrag:

Prof. Dr. Ingrid Schreer
Fachärztin für Radiologie
Mammazentrum der Universitätsfrauenklinik
Universitätsklinikum Schleswig-Holstein, Campus Kiel
Tel: (0431) 597 2166
E-Mail: ischreer@email.uni-kiel.de

Dieses Thema im Programm:

Visite | 18.11.2014 | 20:15 Uhr