Stand: 24.07.2017 15:15 Uhr

Was leisten moderne Herzschrittmacher?

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Herzschrittmacher werden ständig weiterentwickelt und werden immer kleiner.

Schlägt das Herz krankhaft zu langsam, wird nicht mehr ausreichend Blut durch den Körper gepumpt. Schwäche und Luftnot sind die Folge. Im Gehirn führt die mangelnde Durchblutung zu Schwindel bis hin zur Ohnmacht. Im schlimmsten Fall bricht der Kreislauf zusammen. Doch in der Regel lässt sich die Gefahr mit einem Herzschrittmacher bannen. Weit mehr als 100.000 Herzschrittmacher werden in Deutschland im Jahr eingesetzt. Moderne Geräte haben ungefähr die Größe einer Zwei-Euro-Münze.

Illustration eines Herzens bei der Reizweiterleitung und Kontraktion

Was leisten moderne Herzschrittmacher?

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Wenn das Herz krankhaft zu langsam schlägt, wird zu wenig Blut durch den Körper gepumpt. Im schlimmsten Fall bricht der Kreislauf zusammen. Ein Herzschrittmacher kann helfen.

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So funktioniert ein Herzschrittmacher

Dünne Drähte führen vom Herzschrittmacher ins Herz und registrieren dort den Herzrhythmus. Kommt es zu Störungen, ist dieser also zu langsam oder setzt ganz aus, gibt der Herzschrittmacher über Elektroden elektrische Impulse ab, die das Herz zum Schlagen antreiben. Der ursprüngliche Taktgeber des Herzens, der Sinusknoten, sendet zwar weiter Signale, wird aber vom Herzschrittmacher "übertönt".

Arten von Herzschrittmachern

Es gibt verschiedene Arten von Herzschrittmachern:

  • Beim Einkammerschrittmacher führt eine Elektrode in die rechte Vor- oder Hauptkammer des Herzens.
  • Beim Zweikammerschrittmacher führt jeweils eine Elektrode in die rechte Vorkammer und in die Hauptkammer.
  • Beim Dreikammerschrittmacher führt zusätzlich eine Elektrode in die linke Hauptkammer.

Welcher Schrittmacher eingesetzt wird, hängt von der Art der Herzrhythmusstörung ab. Menschen mit Herzschwäche, deren Herz auch keinen gesunden Takt hat, bekommen einen Dreikammerschrittmacher. Patienten mit schwerer Herzschwäche und einem hohen Risiko für einen plötzlichen Herztod erhalten Schrittmacher, die auch einen Defibrillator enthalten, der lebensgefährliche Rhythmusstörungen wie Kammerflimmern oder -flattern mit gezielten Stromstößen beenden kann.

Operation unter örtlicher Betäubung

Um abzuwägen, ob ein Herzschrittmacher sinnvoll ist, sind gründliche Untersuchungen erforderlich - einschließlich EKG, Langzeit-EKG und Echokardiografie. Ein Herzschrittmacher wird unter örtlicher Betäubung in Brusthöhe unter die Haut geschoben. Die Elektroden werden durch eine Vene ins Herz vorgeschoben, dort verankert und anschließend mit dem Schrittmacher verbunden. Noch während der Operation wird der Schrittmacher optimal eingestellt.

Herzschrittmacher regelmäßig kontrollieren

Regelmäßige Kontrollen sind erforderlich - nach einem Monat, nach drei Monaten und dann halbjährlich. Bei den Kontrollen werden die Funktion und die Batterieleistung des Herzschrittmachers überprüft. Dazu legt der Arzt einen Programmierkopf auf die Haut über dem Schrittmacher, der die Daten schmerzlos an das Programmiergerät überträgt. Der Erkrankte bekommt einen Herzschrittmacherausweis, den er ständig bei sich tragen sollte. Bei der Schrittmacherkontrolle kann der Arzt auch feststellen, ob die Elektroden verrutscht oder gebrochen sind. Solche Komplikationen treten aber eher selten auf.

Moderne Herzschrittmacher für Sport geeignet

Moderne Herzschrittmacher erlauben es den Patienten sogar Sport zu treiben, denn sie stellen sich auf die körperliche Belastung des Trägers ein. Die Geräte speichern auch Informationen über den Herzrhythmus, die der Arzt bei der Schrittmacherkontrolle abfragen kann. Das funktioniert inzwischen auch per Telefon: Ein kleines Zusatzgerät liest die Daten per Funk aus und überträgt sie automatisch an den Arzt. So lassen sich Störungen aus der Ferne frühzeitig erkennen.

Vorsicht bei MRT-Untersuchungen

Herzschrittmacher haben eine Lebensdauer von fünf bis zehn Jahren - abhängig davon, wie oft sie Impulse ans Herz geben. Ist die Batterie leer, muss der Schrittmacher ausgewechselt werden. Intakte Elektroden können im Herzen verbleiben. Technische Fehler treten bei modernen Schrittmachern nur selten auf. Mögliche Störquellen sind Geräte, die Signale senden, die denen des Herzens stark ähneln, zum Beispiel MRT-Geräte. Sie beeinflussen außerdem durch ihr Magnetfeld die Elektroden des Herzschrittmachers. Inzwischen gibt es in einigen Kliniken spezielle Schrittmacher-MRTs, mit denen eine Untersuchung möglich ist.

Mini-Implantate direkt im Herz

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Batterie durch die Haut aufladen

An der Weiterentwicklung der Mini-Schrittmacher wird bereits gearbeitet: Künftig soll ihre Batterie durch die Haut per Induktion aufgeladen werden, sodass das Auswechseln überflüssig wird. In der Testphase ist auch ein System, dessen Elektrode so klein ist wie ein Reiskorn. Mit mehreren dieser Mini-Geräte, deren Stromimpulse durch einen Ultraschallsensor unter der Haut koordiniert werden, ließen sich auch komplexere Rhythmusstörungen behandeln.

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Interviewpartner

Im Studio:
Prof. Dr. Wolfram Terres, Kardiologe
Chefarzt der Klinik für Kardiologie
Allgemeines Krankenhaus Celle
Siemensplatz 4
29223 Celle
Internet: www.akh-celle.de

Im Beitrag:
Dr. Thomas Uher, Kardiologe
Oberarzt Klinik für Kardiologie
Allgemeines Krankenhaus Celle
Siemensplatz 4
29223 Celle
Internet: www.akh-celle.de

Weitere Informationen:
Deutsche Herzstiftung e. V.
Vogtstraße 50, 60322 Frankfurt/Main
Tel. (069) 955 12 80, Fax (069) 955 12 83 13
Internet: www.herzstiftung.de
Sonderband "Herzrhythmusstörungen" gegen 3 Euro in Briefmarken

Dieses Thema im Programm:

Visite | 25.07.2017 | 20:15 Uhr

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