Stand: 14.10.2014 20:15 Uhr  | Archiv

Was hilft gegen Sodbrennen?

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Bei Sodbrennen steigt saurer Mageninhalt brennend hinter dem Brustbein auf.

Es ist unangenehm und oft auch schmerzhaft: Sodbrennen. Fast jeder kennt das und fast jeder hat ein Hausmittel parat: Natron aufgelöst in Wasser mit ein bisschen Essig, Heilerde, warme oder kalte Milch, süße Mandeln oder einfach nur viel Wasser trinken sollen das brennende Gefühl hinter dem Brustbein verschwinden lassen. Doch nicht immer ist Sodbrennen nur lästig: Tritt es immer wieder auf, kann es vor allem bei älteren Patienten zu Blutungen, Verengung oder Vernarbung der Speiseröhre führen. In seltenen Fällen kann Sodbrennen sogar Krebs verursachen.

Unzureichender Verschluss des Mageneingangs

Ursache ist ein unzureichender Verschluss des Mageneingangs. Ist der Schließmuskel erschlafft, fließt der Magensaft immer wieder in die Speiseröhre und verätzt sie. Kommt nur selten Magensäure hoch, lässt sie sich einfach wieder runterspülen. Die Reinigungsfunktion der Speiseröhre wird durch das Trinken unterstützt, der Magensaft wird mit dem Getränk aus der Speiseröhre wieder hinunter in den Magen gespült. Das ist der einzige Effekt, der von Flüssigkeit zu erwarten ist. Darum ist es völlig egal, ob Betroffene mit Milch, Tee oder Wasser spülen. Nur Kohlensäure sollte das Getränk nicht enthalten.

Heilerde, ein anderes beliebtes Hausmittel, kann allenfalls die Magensäure etwas binden und so zu einer vorübergehenden Beschwerdelinderung führen. Das geht aber auch mit Geduld und Spucke: Speichel pur oder vermischt mit fein zerkauten Haferflocken und Mandeln befördert den Magensaft langsam wieder herunter. Natron hat dagegen als Hausmittel ausgedient: Es kann nicht, wie früher vermutet, Magensäure neutralisieren.

Abends auf schwere Mahlzeiten verzichten

Wer nur gelegentlich unter Sodbrennen leidet, sollte abends auf große, schwere Mahlzeiten verzichten, denn sie beeinträchtigen die Schlafqualität, was wiederum Sodbrennen begünstigt. Wer doch mal spät gegessen hat, sollte auf der linken Seite schlafen, denn rechts fließen Magenreste leichter in die Speiseröhre zurück und lösen Sodbrennen aus.

Wenn das Sodbrennen regelmäßig auftritt, können freiverkäufliche Antazida helfen. Diese Aluminium-Magnesium-Salze neutralisieren die Magensäure und wirken schnell, aber nur für 20 bis 30 Minuten. Schwappt die Magensäure immer häufiger über, helfen nur noch rezeptpflichtige Protonenpumpenhemmer wie Omeprazol oder Pantoprazol. Sie drosseln die Produktion der Magensäure 36 Stunden lang. Betroffene müssen sie täglich einnehmen und regelmäßig zur Magenspiegelung gehen. Dabei untersucht der Arzt mit einem Endoskop die Speiseröhren- und Magenschleimhaut auf Verätzungen und Veränderungen.

Welche OP-Methoden gibt es?

Lassen sich die Beschwerden nicht mehr durch Säureblocker, Gewichtsreduktion oder Ernährungsumstellungen lindern, kann eine Operation notwendig sein. Das herkömmliche Verfahren ist die sogenannte Manschetten-OP. Sie wird in aller Regel minimalinvasiv mittels der Schlüssellochtechnik durchgeführt. Das Verfahren ist seit Jahren etabliert. Dennoch ist der Eingriff technisch anspruchsvoll. Der obere Teil des Magens wird dabei wie eine Manschette um den unteren Schließmuskel der Speiseröhre gelegt und vernäht. Die Manschette verstärkt den Schließmuskel und verengt den Eingang in den Magen, sodass der Rückfluss von Magensäure verhindert wird. Die Erfolgsquote der Operation liegt bei etwa 90 Prozent. Etwa zehn Prozent der Betroffenen leiden nach dem Eingriff unter Schluckbeschwerden.

In einem neueren Verfahren wird ein Magnetband um den Mageneingang gelegt. Die magnetischen Perlen ziehen sich gegenseitig an und sorgen so für den Verschluss des Mageneinganges. Auch dieser Eingriff wird minimalinvasiv durchgeführt. Obwohl sich das Band beim Schlucken öffnet, kommt es auch hier zunächst oft zu Schluckstörungen. Zudem können die Bänder einwachsen und vernarben. Die Kosten für die Operation werden nur auf Antrag von den Krankenkassen übernommen. In Deutschland tragen bislang etwa 400 Patienten ein solches Magnetband. Ob die Methode eine vergleichbar hohe Erfolgsrate hat wie die klassische Operationstechnik, muss sich erst zeigen.

Seit Kurzem steht mit einem Schrittmacher ein weiteres Verfahren zur Behandlung von chronischem Sodbrennen zur Verfügung. Dabei werden zwei Elektroden an den Schließmuskel des Mageneingangs angeschlossen. Sie werden mit einem Stimulator verbunden, der unter die Haut der Bauchdecke implantiert wird. Er lässt sich von außen durch die Haut programmieren und sendet dann in regelmäßigen Abständen Impulse an den Schließmuskel. Die schwachen elektrischen Impulse stärken den Schließmuskel und sollen langfristig seine Funktion  wiederherstellen. Allerdings kann es bis zu sechs Monate dauern, bis der Muskel richtig auf den Schrittmacher reagiert. Das Schrittmacher-System wurde in den letzten Jahren weltweit bislang etwa 1.500 Mal implantiert. Zwar sind die ersten Ergebnisse vielversprechend, aber auch hier fehlen Langzeitergebnisse. Auch die Kosten für diesen Eingriff werden von den Krankenkassen nur auf Antrag  übernommen.

Das LINX-System wurde in den letzten Jahren weltweit bislang etwa 1.500 Mal implantiert. Und obwohl die ersten Ergebnisse vielversprechend sind, fehlen Langzeitergebnisse. Die Kosten von etwa 11.000 Euro werden von den Krankenkassen in der Regel nicht übernommen.

Weitere Informationen

"Sodbrennen ist das Symptom der Reflux-Krankheit"

27.11.2012 20:15 Uhr
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Können Patienten Magensäurehemmer über einen langen Zeitraum bedenkenlos einnehmen? Gibt es Alternativen? Diese und weitere Fragen hat Prof. Rösch im Chat beantwortet. mehr

Interviewpartner

Im Studio:
Prof. Dr. Thomas Rösch
Direktor der Klinik und Poliklinik für Interdisziplinäre Endoskopie
Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf
Martinistraße 52
20246 Hamburg
Sekretariat Kathrin Zacharias
Tel. (040) 741 05 00 98
Fax (040) 741 04 00 04
E-Mail: t.roesch@uke.de

In den Beiträgen:
Priv.-Doz. Dr. Oliver Mann
Stellvertretender Klinikdirektor
Leitung Universitäres Adipositaszentrum
Minimalinvasive Chirurgie
Klinik und Poliklinik für Allgemein-, Visceral- und Thoraxchirurgie
Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf
Martinistraße 52
20246 Hamburg
E-Mail: omann@uke.de
Internet: www.mic-uke.de

Dr. G. Henning Schulz
Chefarzt der Klinik für Allgemein- und Viszeralchirurgie
Evangelisches Krankenhaus Castrop-Rauxel
Grutholzallee 21
44577 Castrop-Rauxel
Tel. (02305) 102 22 31
Internet: www.sodbrennen.net

Prof. Dr. Stephan Miehlke
Gastroenterologe
Magen-Darm-Zentrum Eppendorf
Eppendorfer Landstraße 42
20249 Hamburg
Internet: www.mdz-hamburg.de

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