Stand: 13.10.2014 11:37 Uhr  | Archiv

Was hilft bei Arthrose in den Fingergelenken?

In Deutschland leiden etwa fünf Millionen Menschen an einer Arthrose, etwa zwei Drittel der über 65-Jährigen sind davon betroffen. Durch eine voranschreitende Zerstörung des Knorpelgewebes kommt es zu schmerzhaften Bewegungseinschränkungen und Verformungen der Gelenke.

Knorpel nutzt sich ab

Normalerweise überzieht elastischer Knorpel die Gelenkflächen. Er dient als Polster und "Stoßdämpfer" und schützt die schmerzempfindliche Knochenhaut. Der Gelenkknorpel besteht zu 70 Prozent aus Wasser und hat keine Blutgefäße. Die Versorgung mit Nährstoffen findet ausschließlich über die Gelenkflüssigkeit statt. Der regelmäßige Wechsel von Be- und Entlastung sorgt dafür, dass die Nährstoffe im Gelenk verteilt werden und gut in den Knorpel eindringen können. Daher ist regelmäßige Bewegung Voraussetzung für einen gesunden Knorpel.

Bei der Arthrose nutzt sich der Gelenkknorpel mit der Zeit ab. Die Zellen sterben ab, sodass die Knorpelschicht immer dünner wird. Schließlich beeinträchtigt die beschädigte Knorpeloberfläche die Gleitfunktion des Gelenkes. Risse in der Knorpeloberfläche und abgeriebene Knorpelteilchen reizen die Gelenkinnenhaut und führen so zu schmerzhaften Entzündungsreaktionen.  

Welche Symptome sind typisch?

Die typischen Symptome einer Arthrose sind Schmerzen zu Beginn einer Bewegung (morgendlicher Anlaufschmerz), belastungsabhängige Schmerzen, steife und "knirschende" Gelenke und zunehmende Gelenkverformungen. Nicht immer führt der Verschleiß sofort zu Schmerzen. Eine Arthrose kann auch ohne Beschwerden verlaufen.

Man unterscheidet primäre und sekundäre Arthrose

Obwohl zunehmendes Alter als Risikofaktor für die Arthrose gilt, sind nicht nur alte Menschen von dem schmerzhaften Gelenkverschleiß betroffen. Bei der Entstehung der Erkrankung spielen zahlreiche Faktoren eine Rolle. Grundsätzlich werden zwei verschiedene Formen der Arthrose unterschieden. Die primäre Arthrose wird auf ein minderwertiges Knorpelgewebe zurückgeführt. Die Ursachen dafür können eine erbliche Veranlagung oder Durchblutungsstörungen aufgrund hormoneller Fehlfunktionen sein. Die sekundäre Arthrose entsteht durch mechanische Überbelastung oder bei angeborenen Fehlstellungen sowie als Komplikationen nach Knochenbrüchen. Auch Stoffwechselerkrankungen wie Gicht und Diabetes können Auslöser einer Arthrose sein.

An der Hand meist Zeige- und Mittelfinger betroffen

Bild vergrößern
Fingerübungen regen die Produktion der Gelenkflüssigkeit an.

Am häufigsten ist Arthrose bei Knie- und Hüftgelenken. Prinzipiell können sich die Veränderungen aber an jedem Gelenk entwickeln. An den Händen sind insbesondere die kleinen Endgelenke der Finger betroffen. Denn sie unterliegen einer großen Belastung: Der Druck, der hier pro Quadratmillimeter auf den Gelenkknorpel einwirkt, ist etwa genauso hoch wie im Hüft- oder Kniegelenk. Dabei ist die Knorpelschicht in den Fingergelenken allerdings dünner.

Die Verschleißerscheinungen beginnen meistens am Zeige- und Mittelfinger, können aber auch im Daumengrundgelenk oder im Bereich der Handwurzelgelenke auftreten. Typischerweise bilden sich dort kleine Knötchen und Gelenkverformungen. Alltägliche Bewegungen und Tätigkeiten, wie Schreiben, das Zuknöpfen von Blusen oder Jacken, das Drehen des Türschlüssels oder das Aufheben von Geldmünzen sind dann mit plötzlichen, stechenden Schmerzen und Bewegungseinschränkungen verbunden.

Heilung nicht möglich

Eine Heilung der Arthrose ist nicht möglich. Daher stehen bei der Therapie die Schmerzlinderung, die Erhaltung und Erhöhung der Beweglichkeit sowie die Verzögerung des Fortschreitens der Erkrankung im Vordergrund. Schmerzmittel und entzündungshemmende Medikamente können die Beschwerden lindern.

Im Rahmen physikalischer Therapien kommen Wärmeanwendungen zum Einsatz. Warme Moor- oder Paraffinbäder fördern den Stoffwechsel, lösen verkrampfte Muskulatur, lindern Schmerzen und erhöhen die Beweglichkeit der Gelenke. Bei akuten Entzündungszuständen wirken dagegen Eispackungen entzündungshemmend und schmerzlindernd.

Muskeldehnungen und Fingerübungen regen die Produktion der Gelenkflüssigkeit an und erhöhen die Beweglichkeit der Finger. Bei der sogenannten Traktions- und Kompressions-Behandlung wird die Produktion der Gelenkflüssigkeit angeregt, indem die Gelenke durch Zug entlastet werden.

Blutegel-Therapie kann helfen

Eine weitere Behandlungsmöglichkeit der Arthrose ist die Blutegel-Therapie. Während der Behandlung saugen die Blutegel nicht nur Blut, sondern geben ihren Speichel (Salvia) in die Wunde ab. Er enthält bis zu 100 entzündungshemmende, gerinnungshemmende und schmerzstillende Substanzen. Schlägt die Therapie an, tritt der Effekt sofort ein und hält über Monate an. Warum die Blutegel-Therapie so gut anschlägt, ist noch unklar. Wissenschaftliche Studien belegen aber die Wirksamkeit dieser Methode. Die Kosten für die Behandlung liegen bei etwa 100 bis 200 Euro. Sie werden in der Regel nicht von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen.

Welche Ernährung ist ratsam?

Die Wirkung von Knorpelaufbauprodukten oder speziellen Nahrungsergänzungsmitteln ist dagegen umstritten und wissenschaftlich nicht belegt. Eine ausgewogene, vitamin- und ballaststoffreiche Ernährung ist in jedem Fall ratsam. Omega-3-Fettsäuren in Fisch und pflanzlichen Ölen haben eine entzündungshemmende Wirkung und eignen sich daher gut für den Ernährungsplan bei Arthrose. Ungünstig sind dagegen Fleisch und Wurstwaren sowie tierische Fette. Sie führen dazu, dass sich im Körper die entzündungsfördernde Arachidonsäure bildet.

Interviewpartner

Im Studio:
Dr. Ingo Arnold
Chefarzt der Klinik für Orthopädie und operative Rheumatologie
Rotes Kreuz Krankenhaus Bremen
St.-Pauli-Deich 24
28199 Bremen
Tel. (0421) 559 95 01
Internet: http://www.roteskreuzkrankenhaus.de/kliniken/ortho/

Im Beitrag:
Iris Mellentin und Julia Schmidt
Ergotherapie Wieters
Bramfelder Dorfplatz 15
22179 Hamburg
Tel. (040) 63 94 05 80
E-Mail: info@ergotherapie-wieters.de
Internet: www.ergotherapie-wieters.de

Dörte Schönfeld
Heilpraktikerin
Naturheilpraxis  
Bismarckstraße 2
20259 Hamburg
Tel. (040) 41 11 91 60, 0176- 48 88 24 02
E-Mail: info@akupunkturinhamburg.de
Internet: www.akupunkturinhamburg.de

Dieses Thema im Programm:

Visite | 14.10.2014 | 20:15 Uhr