Stand: 14.06.2016 14:30 Uhr

Was hilft bei Arthrose in den Fingergelenken?

In Deutschland leiden etwa fünf Millionen  Menschen an einer Arthrose. Etwa zwei Drittel der über 65-jährigen sind davon betroffen. Durch eine voranschreitende Zerstörung des Knorpelgewebes kommt es zu schmerzhaften Bewegungseinschränkungen und Verformungen der Gelenke.

Röntgenbild von zwei Händen

Therapie bei Fingerarthrose

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Münzen aufheben oder eine Jacke zuknöpfen: Für Menschen mit Arthrose in den Fingerlenken sind diese alltäglichen Handgriffe eine Qual. Wie kann man die Schmerzen lindern?

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Knorpel nutzt sich ab

Normalerweise überzieht elastischer Knorpel die Gelenkflächen. Er dient als Polster und "Stoßdämpfer" und schützt die schmerzempfindliche Knochenhaut. Der Gelenkknorpel besteht zu 70 Prozent aus Wasser. Er hat keine Blutgefäße. Die Versorgung mit Nährstoffen findet ausschließlich über die Gelenkflüssigkeit statt. Der regelmäßige Wechsel von Be- und Entlastung sorgt dafür, dass die Nährstoffe im Gelenk verteilt werden und gut in den Knorpel eindringen können. Daher ist regelmäßige Bewegung Voraussetzung für einen gesunden Knorpel.

Bei der Arthrose nutzt sich der Gelenkknorpel mit der Zeit ab. Die Zellen sterben ab, so dass die Knorpelschicht mit der Zeit immer dünner wird. Schließlich beeinträchtigt die beschädigte Knorpeloberfläche die Gleitfunktion des Gelenkes. Risse in der Knorpeloberfläche und abgeriebene Knorpelteilchen reizen die Gelenkinnenhaut und führen so zu schmerzhaften Entzündungsreaktionen.

Welche Symptome sind typisch?

Die typischen Symptome sind Anlauf- und belastungsabhängige Schmerze,  steife und "knirschende" Gelenke sowie zunehmenden Gelenkverformungen. Obwohl zunehmendes Alter als Risikofaktor für die Arthrose gilt, sind nicht nur alte Menschen von dem schmerzhaften Gelenkverschleiß betroffen.

Man unterscheidet primäre und sekundäre Arthrose

Obwohl zunehmendes Alter als Risikofaktor für die Arthrose gilt, sind nicht nur alte Menschen von dem schmerzhaften Gelenkverschleiß betroffen. Bei der Entstehung der Erkrankungen spielen zahlreiche andere Faktoren eine Rolle. Grundsätzlich werden zwei verschiedene Formen der Arthrose unterschieden. Die primäre Arthrose wird auf ein minderwertiges Knorpelgewebe zurückgeführt. Die Ursachen dafür sind eine erbliche Veranlagung oder Durchblutungsstörungen bei hormonellen Fehlfunktionen.  Die sekundäre Arthrose  entsteht durch mechanische Überbelastung beispielsweise bei angeborenen Fehlstellungen oder als Komplikationen nach Knochenbrüchen mit Gelenkbeteiligung und entzündlichen Veränderungen. Sie kann aber auch Folge sein von Stoffwechselerkrankungen wie Gicht und Diabetes.

An der Hand meist Zeige- und Mittelfinger betroffen

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Fingerübungen regen die Produktion der Gelenkflüssigkeit an.

Am häufigsten sind die Knie- und Hüftgelenke von arthrotischen Veränderungen betroffen. Prinzipiell können sich die Veränderungen aber an jedem Gelenk entwickeln. Etwa zwanzig bis 30 Prozent aller Frauen und drei bis vier Prozent aller Männer leiden an einer Arthrose der Hand- und Fingergelenke. Dabei sind insbesondere die kleinen Endgelenke der Finger betroffen. Sie unterliegen einer viel größeren Belastung als oft angenommen. Die Druckbelastung die hier pro Quadratmillimeter auf den Gelenkknorpel einwirkt, ist etwa genauso hoch wie im Hüft- oder Kniegelenk. Dabei ist die Knorpelschicht in den Fingergelenken jedoch dünner.

Die Verschleißerscheinungen beginnen meistens am Zeige- und Mittelfinger. Typischerweise bilden sich dort kleine Knötchen und Gelenkverformungen. Alltägliche Bewegungen und Tätigkeiten, wie Schreiben, das Zuknöpfen von Blusen und Jacken, das Drehen des Türschlüssels oder das Aufheben von Geldmünzen sind dann mit plötzlichen, stechenden Schmerzen und Bewegungseinschränkungen verbunden. Die Verschleißerscheinungen  können auch im Daumengrundgelenk oder im Bereich der Handwurzelgelenke auftreten.

Heilung nicht möglich

Eine Heilung der Arthrose ist nicht möglich. Daher stehen bei der Therapie die Schmerzlinderung, die Erhaltung und Erhöhung der Beweglichkeit sowie die Verzögerung des Fortschreitens der Erkrankung im Vordergrund. Schmerzmittel und entzündungshemmende Medikamente sollten wegen ihrer Nebenwirkung nur kurzfristig eingesetzt werden. Auch sie können die Erkrankung nicht aufhalten, lindern aber die Beschwerden.

Im Rahmen physikalischer Therapien kommen  Wärmeanwendungen zum Einsatz. Warme Moor- oder Paraffinbäder fördern den Stoffwechsel, lösen verkrampfte Muskulatur, lindern Schmerzen und erhöhen die Beweglichkeit der Gelenke. Bei akuten Entzündungszuständen wirken dagegen Eispackungen entzündungshemmend und schmerzlindernd.

Muskeldehnungen und Fingerübungen erhöhen die Beweglichkeit der Finger und sorgen für einen Austausch der Gelenkflüssigkeit, so dass Entzündungsstoffe abtransportiert werden. Linderung bringen auch sogenannte Traktions- und Kompressions-Behandlungen, bei denen die Gelenke durch Zug entlastet werden.

Blutegel-Therapie kann helfen

Eine weitere Behandlungsmöglichkeit  der Arthrose ist die Blutegel-Therapie. Während der Behandlung saugen die Blutegel nicht nur Blut, sondern geben ihren Speichel (Salvia) in die Wunde ab. Er enthält zwischen 30 und 100 entzündungs- und  gerinnungshemmende sowie schmerzstillende Substanzen. Etwa 30 Minuten saugt der Egel, bevor er von allein abfällt. Schlägt die Therapie an, tritt der Effekt sofort ein und hält über Monate an. Warum die Blutegeltherapie so gut wirkt, ist noch unklar. Wissenschaftliche Studien belegen aber die Wirksamkeit dieser Methode. Die Kosten für die Behandlung liegen bei etwa 100 bis 200 Euro. Sie werden in der Regel nicht von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen.

Welche Ernährung ist ratsam?

Die Wirkung von Knorpelaufbauprodukten oder speziellen Nahrungsergänzungsmitteln ist dagegen umstritten und wissenschaftlich nicht belegt. Empfohlen wird eine ausgewogene, vitamin- und ballaststoffreiche Ernährung: Omega-3-Fettsäuren in Fisch und pflanzlichen Ölen haben eine entzündungshemmende Wirkung und eignen sich daher gut für den Ernährungsplan bei Arthrose. Ungünstig sind dagegen Fleisch und Wurstwaren sowie tierische Fette. Sie führen dazu, dass sich im Körper die entzündungsfördernde Arachnidonsäure bildet. Eine fleischarme Mischkost mit viel Obst, Gemüse und pflanzlichen Ölen versorgt den Knorpel mit allen notwendigen Nährstoffen und führt nebenbei auch zu einer Normalisierung des Körpergewichts, sodass die Gelenke weniger belastet werden.

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Interviewpartner

Im Studio:
Dr. Ingo Arnold
Chefarzt der Klinik für Orthopädie und operative Rheumatologie
Rotes Kreuz Krankenhaus Bremen
St.-Pauli-Deich 24
28199 Bremen
Tel. (0421) 559 95 01
Internet: www.roteskreuzkrankenhaus.de/kliniken/ortho/

Im Beitrag:
Iris Mellentin und Julia Schmidt
Ergotherapie Wieters
Bramfelder Dorfplatz 15
22179 Hamburg
Tel. (040) 63 94 05 80
E-Mail: info@ergotherapie-wieters.de
Internet: www.ergotherapie-wieters.de

Dörte Schönfeld
Heilpraktikerin
Naturheilpraxis  
Bismarckstraße 2
20259 Hamburg
Tel. (040) 41 11 91 60, 0176- 48 88 24 02
E-Mail: info@akupunkturinhamburg.de
Internet: www.akupunkturinhamburg.de

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