Sendedatum: 04.03.2014 20:15 Uhr

Was hilft bei Arthrose?

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Knie- und Hüftgelenke sind häufig von Arthrose betroffen.

Arthrose ist eine Volkskrankheit - weltweit ist sie die häufigste Gelenkerkrankung. Etwa zwei Drittel der über 65-jährigen sind davon betroffen. Prinzipiell ist jedes Gelenk des Körpers gefährdet. Besonders häufig betroffen sind jedoch die Knie- und Hüftgelenke.

Die Arthrose entwickelt sich langsam über Jahre oder Jahrzehnte. Typische Symptome sind Anlaufschmerzen am Morgen sowie steife und "knirschende" Gelenke. Obwohl zunehmendes Alter als Risikofaktor für die Arthrose gilt, sind nicht nur alte Menschen von dem schmerzhaften Gelenkverschleiß betroffen. Bei der Entstehung der Erkrankungen spielen zahlreiche andere Faktoren eine Rolle. Dazu zählen zum Beispiel Übergewicht, das weibliche Geschlecht, Fehlstellungen der Beine ebenso wie Verletzungen oder Überbelastung eine Rolle. Ursache der Beschwerden ist ein fortschreitender Knorpelverschleiß, der sich durch Medikamente bislang nicht aufhalten lässt.

Normalerweise überzieht der elastische Knorpel die Gelenkflächen, dient als Polster und "Stoßdämpfer" und schützt die schmerzempfindliche Knochenhaut. Wird die Knorpeloberfläche beschädigt, ist die Gleitfunktion des Gelenkes beeinträchtig. Risse, Löcher und abgeriebene Knorpelteilchen können zu schmerzhaften Entzündungen des Gelenkes führen. Kleinere Defekte können mithilfe einer Knorpeltransplantation gedeckt werden. Ist der Knorpel schließlich vollständig abgerieben, sodass die Knochenhäute aufeinander reiben, muss ein künstliches Gelenk eingebaut werden.

Durch Bewegung wird der Knorpel mit Nährstoffen versorgt

Dennoch kann dem fortschreitenden Knorpelabbau vorgebeugt werden. Der Gelenkknorpel besteht zu 70 Prozent aus Wasser. Er hat keine Blutgefäße. Die Versorgung mit Nährstoffen findet also ausschließlich über die Gelenkschmiere statt. Der regelmäßige Wechsel von Be- und Entlastung sorgt dafür, dass die Nährstoffe gut in den Knorpel eindringen können. Daher ist regelmäßige Bewegung Voraussetzung für einen gesunden Knorpel. Zudem wird die Muskulatur gestärkt und die Gelenke dadurch stabilisiert. Am besten eignen sich dazu Sportarten wie Aquajogging, Radfahren oder Nordic Walking. Insbesondere die Bewegung im Wasser schont schmerzhafte Gelenke, da auf ihnen kaum Gewicht lastet und trotzdem ein gezieltes Muskeltraining möglich ist.

Auch eine konsequente Gewichtsreduktion hat einen entscheidenden Einfluss auf den Krankheitsverlauf. Schmerzmittel und entzündungshemmende Medikamente können die Erkrankung nicht aufhalten, lindern aber die Beschwerden. Warme Moorbäder wirken entzündungshemmend, fördern den Stoffwechsel und lösen verkrampfte Muskulatur.

Nahrungsergänzungsmittel teuer und ohne nachgewiesene Wirkung

Die Wirkung von Knorpelaufbauprodukten oder speziellen Nahrungsergänzungsmitteln ist dagegen umstritten und wissenschaftlich nicht belegt. Die Kosten für diese Produkte werden deshalb von den Krankenkassen nicht übernommen. Präparate wie Gelatine oder Glucosamine haben allenfalls einen Placeboeffekt. Als Tabletten eingenommen, werden sie im Magen bereits zerlegt, sodass es fraglich ist, ob ihr Wirkstoff überhaupt im Gelenk ankommt. Ein Schaden ist nach Expertenmeinung durch ihre Einnahme jedoch nicht zu erwarten.

Eine ausgewogene, vitamin- und ballaststoffreiche Ernährung dagegen ist wirksamer als die einzelnen Wirkstoffe einer Tablette. Omega-3-Fettsäuren in Fisch und pflanzlichen Ölen haben eine entzündungshemmende Wirkung und eignen sich daher gut für den Ernährungsplan bei Arthrose. Ungünstig sind dagegen Fleisch und Wurstwaren sowie tierische Fette. Sie führen dazu, dass sich im Körper die entzündungsfördernde Arachnidonsäure bildet. Eine fleischarme Mischkost mit viel Obst, Gemüse und pflanzlichen Ölen schmeckt nicht nur gut und versorgt den Knorpel mit allen notwendigen Nährstoffen, sondern führt nebenbei auch zu einer Normalisierung des Körpergewichts, sodass die Gelenke weniger belastet werden.

Injektion von Hyaluronsäure

Im Rahmen sogenannter IGeL-Leistung wird die Injektion von Hyaluronsäure in betroffene Gelenke angeboten. Hyaluronsäure ist ein natürlicher Bestandteil der Gelenkflüssigkeit. Zwar kann sie zerstörten Knorpel nicht wieder herstellen, dafür aber seine Oberfläche vorübergehend wieder aufbauen und so die Gleitfähigkeit des Knorpels verbessern.

Diese Wirkung ist unter Experten umstritten. Viele Betroffene berichten jedoch von einer guten Schmerzlinderung durch die Injektion. Ein Behandlungszyklus umfasst drei bis fünf Injektionen. Die Gesamtkosten in Höhe von etwa 300 Euro trägt der Patient selbst.  

Zur Behandlung der entzündlichen Arthrose steht mit der sogenannten Radiosynoviorthese ein weiteres Therapieverfahren zu Verfügung. Dabei werden schwach radioaktive Betastrahlen in das betroffene Gelenk injiziert. Die Strahlung zerstört das entzündete Gewebe und lindert die Beschwerden mit zum Teil hohen Erfolgsraten.

Weitere Informationen

"Schmerzloses Gelenk-Knacken nicht schlimm"

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Welche Symptome lassen auf eine Arthrose schließen und wie kann man vorbeugen? Diese und weitere Fragen hat Prof. Karl-Heinz Frosch im Chat beantwortet. mehr

Interviewpartner

Im Beitrag und Studio:
Prof. Dr. Karl-Heinz Frosch
Chefarzt des Chirurgisch-Traumatologischen Zentrums
Asklepios Klinik St. Georg
Lohmühlenstraße 5
20099 Hamburg
Tel. (040) 18 18 85 22 87
Fax: (040) 18 18 85 37 70
E-Mail: k.frosch(at)asklepios.com

Im Beitrag:
Antje Naujoks
Leiterin des Zentrums für Physiotherapie
Roland-Klinik Bremen
Niedersachsendamm 72/74
28201 Bremen
Tel. (0421) 877 81 77
Fax: (0421) 877 82 67
E-Mail: info(at)roland-klinik.de

Dr. Bertram Regenbrecht
Chefarzt des Zentrums für Endoprothetik, Fußchirurgie, Kinder- und Allgemeine Orthopädie
Roland-Klinik Bremen
Niedersachsendamm 72/74
28201 Bremen
E-Mail: orthopaedie(at)roland-klinik.de

Boris Medak
Koch und staatlich geprüfter Diätassistent, Ernährungsberater

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