Stand: 14.04.2015 12:27 Uhr

Muskeln durch Strom: Genial oder gefährlich?

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Beim EMS-Training wird spezielle Wäsche getragen, die Elektroden enthält.

Schlank, stark, fit - in nur 20 Minuten pro Woche: Das soll das Elektro-Myo-Stimulationstraining bewirken. Doch das beliebte EMS-Training ist in Verruf geraten. Zwar fühlen sich die allermeisten Menschen nach dem Training gut und sind begeistert von den Effekten, in Einzelfällen kann es bei übermäßiger Nutzung aber auch schädlich sein. Grundsätzlich könne ein übermäßiges Training sogar zu einem Nierenversagen führen, warnen Experten.

Trainer steuert Stärke des Stroms

Der Einsatz von Strom zum Aufbau von Muskeln ist seit Langem etabliert: Physiotherapeuten setzen Strom seit 50 Jahren ein, um gezielt einzelne Muskeln aufzubauen. So lässt sich damit zum Beispiel nach einer Knie-OP die schwache Muskulatur wieder stärken und der Patient kommt schneller wieder auf die Beine. In EMS-Studios kommen dagegen Geräte zum Einsatz, die alle Muskeln im Körper stimulieren. Dafür zieht der Trainierende eine spezielle Wäsche an, die Elektroden enthält. Der Trainer steuert die Stärke des Stroms passend zum Fitnessgrad. Für Brust, Bauch, Beine und Arme gibt es dabei jeweils eigene Regler. Der Trainierende muss nacheinander isometrische Halteübungen für einzelne Muskelgruppen durchführen, zugleich werden diese Muskeln über die Elektroden durch die Haut mit einem niederfrequenten Strom stimuliert.

Durch diese Kombination wird eine hundertprozentige Auslastung des Muskels erreicht und er wird so zum Wachsen angeregt. Für Gesunde ist es prinzipiell unbedenklich, wenn das Training nicht übertrieben wird.

Gefahr einer Überlastung

Zu einem Übertraining kommt es beim EMS viel schneller als bei anderen Sportarten, da der Impuls von außen kommt, vom Trainer beeinflusst wird und sich der Trainierende weniger anstrengt. Ganz wichtig sind ausreichende Erholungsphasen zwischen den Trainingseinheiten.

Ein sehr intensives Muskeltraining führt zu einer erhöhten Ausschüttung der sogenannte Creatin-Kinase (CK). Dieses Enzym versorgt die Muskelzellen mit Energie und ist zum Beispiel bei einem starken Muskelkater vermehrt im Blut nachweisbar. Bei untrainierten Menschen und einer Belastung untrainierter Muskelgruppen erhöhen sich die CK-Werte im Blut besonders deutlich. Bei einem Muskelaufbautraining werden die Muskeln absichtlich beschädigt, um ihr Wachstum anzuregen. Sportwissenschaftler nutzen deshalb die CK-Messung im Blut für die Trainingssteuerung.

Eine Studie der Sporthochschule Köln zeigt, dass die CK-Werte beim EMS-Training bis zu 18 Mal höher ansteigen als bei einem konventionellen Training. Das spricht zwar für die Effektivität des Trainings beim Muskelaufbau - aber da der Körper den Stoff über die Nieren abbaut, kann es bei so stark erhöhten CK-Werten auf Dauer zu Nierenschäden kommen, wenn man nicht ausreichend trinkt. Wer sich nach dem Training dauerhaft schlapp fühlt oder Herzrasen bekommt, sollte unbedingt kürzertreten und einen Arzt aufsuchen. Ein bis maximal zwei Mal pro Woche mit guter Anleitung ist ein EMS-Training für Gesunde unbedenklich, hilft beim Abnehmen und Muskelaufbau. Das Training kostet einmal in der Woche mindestens 20 Euro.

 

Interviewpartner im Beitrag:

Prof. Dr. Uwe Tegtbur
Direktor
Institut für Sportmedizin
Medizinische Hochschule Hannover
Carl-Neuberg-Straße 1
30625 Hannover
Tel. (0511) 532 54 99
Fax (0511) 532 81 99
Internet: www.mh-hannover.de/sportmedizin.html

Prof. Dr. Hermann Haller
Direktor
Klinik für Nieren- und Hochdruckerkrankungen
Medizinische Hochschule Hannover
Carl-Neuberg-Straße 1
30625 Hannover
Tel. (0511) 532 63 19
Fax (0511) 55 23 66
Internet: www.mh-hannover.de/nephrologie.html

Stefan Patra
Sportwissenschaftler
Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf
Martinistraße 62
20246 Hamburg
Tel. (040) 741 02 85 40
Internet: https://www.uke.de/zentren/athleticum/

Tatjana Jaenecke
Physiotherapeutin
UKE Athleticum
Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf
Martinistraße 62
20246 Hamburg
Tel. (040) 741 02 85 40
Internet: https://www.uke.de/zentren/athleticum/

Reiner Schäfer
EMS-Studioinhaber
Bodystreet® Hannover am Pferdeturm
Scheidestraße 7
30625 Hannover
Tel. (0511) 54 30 71 12
Internet: www.bodystreet.com/standorte/ems-training-hannover-am-pferdeturm.html

Dieses Thema im Programm:

Visite | 14.04.2015 | 20:15 Uhr

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