Stand: 16.08.2016 14:58 Uhr

Vorsicht bei entzündeten Mückenstichen

Mücken gehören zum Sommer wie Sonne, Urlaub und Erdbeereis. Mittlerweile kommen in Deutschland über 50 verschiedene Arten vor. Immer mehr Arten aus südlichen Ländern werden auch hierzulande heimisch. Zuletzt haben Forscher beobachtet, dass die Japanische Buschmücke sich hier angesiedelt hat. Ihre Stiche verursachen öfter schwere Reaktionen.

Eine Stechmücke sitzt auf einem Arm.

Gefahr durch entzündete Mückenstiche

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Immer mehr Menschen reagieren heftig auf Mückenstiche: mit starken Schwellungen, Schmerzen, eitrigen Entzündungen - bis hin zur Blutvergiftung. Wie man sich schützt.

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Quaddeln und Juckreiz sind normale Reaktion

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Wo es viel Wasser gibt, gedeihen auch Stechmücken. Die Weibchen brauchen Blutmahlzeiten, damit ihre Eier reifen.

Zwar werden Mückenstiche in Deutschland generell als ungefährlich eingestuft, dennoch sind sie äußerst lästig, da sie einen starken Juckreiz mit sich bringen. Mit dem Stich der Mücke gelangt ein örtlich betäubendes und blutgerinnungshemmendes Sekret in die Stichwunde. Dadurch wird der Botenstoff Histamin freigesetzt, der für die Quaddelbildung und den lästigen Juckreiz verantwortlich ist.

Allerdings können Mückenstiche auch allergische Reaktionen hervorrufen oder zu Entzündungen führen. In der Regel handelt es sich dabei um lokale Entzündungsreaktionen, die mit einer Schwellung und Rötung der Einstichstellen einhergehen.

Keime können Lymphödem oder Blutvergiftung verursachen

Entzündungen an der Einstichstelle werden in den meisten Fällen durch Kratzen verursacht. Dadurch gelangen Bakterien, in der Regel Streptokokken, die die menschliche Haut besiedeln, in die Einstichstelle. Mittlerweile wird allerdings davon ausgegangen, dass die Bakterien auch von den Mücken selbst übertragen werden können. Insbesondere in ländlichen Gebieten, in denen Mücken Kontakt mit tierischen Ausscheidungen haben, kann das Risiko für eine Übertragung der Keime auf den Menschen erhöht sein. Zudem gibt es Hinweise darauf, dass sich die Speichelzusammensetzung der Mücken ändert, sodass die Gestochenen phasenweise stärker darauf reagieren.

Immer häufiger werden allerdings auch schwere Reaktionen beobachtet, die dazu führen, dass die Betroffenen im Krankenhaus behandelt werden müssen. Denn wenn Streptokokken in den menschlichen Körper gelangen, vermehren sie sich in den Lymphbahnen und können dann ein sogenanntes Lymphödem verursachen. Gelangen die Keime in den Blutkreislauf, droht eine Blutvergiftung (Sepsis). Wird sie nicht rechtzeitig erkannt und behandelt, kann sie mit schwerwiegenden Komplikationen einhergehen und sogar zum Tod führen. Bei einer drohenden Blutvergiftung reicht eine Therapie mit Antibiotika-Tabletten nicht mehr aus, sodass die Antibiotika intravenös verabreicht werden müssen.

Bester Schutz vor Infektion: Kühlen statt kratzen

Um solche Komplikationen zu vermeiden, gilt es grundsätzlich, die Mückenstiche nicht aufzukratzen. Kühlung mit kalten, feuchten Lappen, Coolpacks oder kühlenden Gels aus der Apotheke lindern den lästigen Juckreiz. Präparate mit lokal wirksamen Antihistaminika oder äußerlich anzuwendende cortisonhaltige Salben sind ebenfalls gut wirksam. Kommt es allerdings zu starken, sich großflächig ausbreitenden Schwellungen, Eiterbildung oder gar Allgemeinsymptomen wie Fieber, sollte umgehend ein Arzt aufgesucht werden.

Synthetische Mückenmittel am effektivsten

Den effektivsten Schutz vor lästigen Insektenstichen bieten langärmelige Kleidung, Insektengitter und imprägnierte Moskitonetze sowie Mückenschutzmittel zum Auftragen auf die Haut. Diese Mittel sorgen dafür, dass Mücken den Geruch des Menschen nicht mehr wahrnehmen. Die natürliche Variante besteht aus ätherischen Ölen von Gewürznelken, Lippenblütlern, Süßgräsern, Myrtengewächsen oder Zedern. Der Nachteil diese Mittel ist ihre sehr kurze Wirkdauer (weniger als eine Stunde) und ein hohes allergisches Potenzial. Daher sollte man bevorzugt auf synthetische Produkte zurückgreifen, die eine deutlich längere Wirkdauer und einen besseren Schutz bieten.

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Interviewpartner im Beitrag

Joachim Kurzbach, Facharzt für Innere Medizin
Gemeinschaftspraxis für Innere Medizin & hausärztliche Versorgung Dr. Vogt & Kurzbach
Rahlstedter Bahnhofstraße 25, 22143 Hamburg
Tel. (040) 677 32 29, Fax (040) 677 27 26
Internet: www.praxis-rahlstedt.de

Dr. Andreas Kleinheinz
Chefarzt der Klinik für Dermatologie
Ärztlicher Direktor, Elbeklinikum Buxtehude GmbH
Am Krankenhaus 1, 21614 Buxtehude
Tel. (04161) 703 6202
E-Mail: andreas.kleinheinz@elbekliniken.de

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