Stand: 04.08.2015 10:09 Uhr

Vorsicht bei entzündeten Mückenstichen

Starke Schwellungen, Rötungen und sogar eitrige Einstichstellen: Entzündete Mückenstiche können zu heftigen Reaktionen führen. Zum Teil müssen die  Betroffenen stationär aufgenommen werden und brauchen bei  einer drohenden Blutvergiftung sogar eine  Antibiotika-Therapie.

Eine Mücke sitzt auf einer Pflanze.

Vorsicht, wenn Mückenstiche sich entzünden

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In diesem Jahr kommen verstärkt Menschen mit gefährlichen Wundinfektionen in die Notaufnahmen der Krankenhäuser. Auslöser ist ein vermeintlich harmloser Mückenstich.

Bakterielle Infektionen durch Kratzen an den Stichen

Bei dem Stich der Mücke gelangen ein örtlich betäubendes und ein blutgerinnungshemmendes Sekret in die Stichwunde. Dadurch wird der Botenstoff Histamin freigesetzt. Er ist für die Quaddelbildung und den lästigen Juckreiz verantwortlich. Darüber hinaus gehende Entzündungen an der Einstichstelle werden in den meisten Fällen durch Kratzen verursacht. Dann gelangen Bakterien, oft Streptokokken, die die menschliche Haut besiedeln, in die Einstichstelle.

Keime können Lymphödem oder Blutvergiftung verursachen

Allerdings gehen Ärzte mittlerweile davon aus, dass die Bakterien auch von den Mücken übertragen werden könnten. Insbesondere in ländlichen Gebieten, in denen Mücken Kontakt mit tierischen Ausscheidungen haben, kann das Risiko für eine Übertragung der Keime auf den Menschen erhöht sein.

Gelangen die Streptokokken von der Haut in den menschlichen Körper, können sie sich zunächst in den Lymphbahnen ansiedeln und vermehren. So können sie dann ein sogenanntes Lymphödem verursachen. Gelangen die Keime in den Blutkreislauf, droht eine Blutvergiftung (Sepsis). Wird sie nicht rechtzeitig erkannt und behandelt, kann sie mit schwerwiegenden Komplikationen einhergehen und sogar zum Tod führen.

Bester Schutz vor Infektion: nicht kratzen

Gefährdet sind dabei vor allem ältere Menschen mit einem geschwächten Immunsystem und Vorerkrankungen wie zum Beispiel Diabetes. Jüngere Menschen erkranken auch, aber in der Regel nicht so schwer. Insektenstiche, die sich rasch in der Größe ausbreiten, stark gerötet oder heiß sind, sollten daher einem Arzt gezeigt werden. Schüttelfrost und Fieber sind ein weiteres Anzeichen dafür, dass sich die Infektion über die Blutbahn ausgebreitet hat.

Die Behandlung der Infektion mit Streptokokken erfolgt mit Penicillin. Der beste Schutz vor solchen Infektionen ist: Nicht an der Einstichstelle kratzen. Dabei können kühlende Salben, die den Juckreiz unterbinden, hilfreich sein. Außerdem sollten die Einstichstellen nicht mit Spucke gekühlt werden. Denn auch der Speichel enthält Streptokokken.

Synthetische Mückenmittel am effektivsten

Den effektivsten Schutz vor lästigen Insektenstichen bieten langärmelige Kleidung, Insektengitter und imprägnierte Moskitonetze sowie Mückenschutzmittel zum Auftragen auf die Haut. Diese Mittel sorgen dafür, dass Mücken den Geruch des Menschen nicht mehr wahrnehmen. Die natürliche Variante besteht aus ätherischen Ölen von Gewürznelken, Lippenblütlern, Süßgräsern, Myrtengewächsen oder Zedern. Der Nachteil diese Mittel ist ihre sehr kurze Wirkdauer (weniger als eine Stunde) und ein hohes allergisches Potenzial. Daher sollte man bevorzugt auf synthetische Produkte zurückgreifen, die eine deutlich längere Wirkdauer und einen besseren Schutz bieten.

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Interviewpartner im Beitrag:

Priv.-Doz. Dr. Markus Zutt
Chefarzt der Klinik für Dermatologie und Allergologie
Klinikum Bremen-Mitte gGmbH
St.-Jürgen-Straße 1
28205 Bremen

Dr. Matthias Denk
Ärztlicher Leiter der Notaufnahme
und
Dr. Carsten Meyer
Chirurg
Rotes Kreuz Krankenhaus
St.-Pauli-Deich 24
28199 Bremen
Internet: http://www.roteskreuzkrankenhaus.de

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