Stand: 16.02.2015 18:22 Uhr  | Archiv

Verschluckte Erdnuss: Gefahr für Kleinkinder

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Kleine Fremdkörper bleiben meist erst in den tieferen Abschnitten der Lunge, den Bronchien stecken.

Kleinkinder im Alter zwischen einem und vier Jahren sind besonders gefährdet, kleine Fremdkörper so zu verschlucken, dass diese bis in die Lunge geraten können. Denn insbesondere in dieser Lebensphase stecken sie alles, was sie greifen können, in den Mund. Gefährlich sind dabei vor allem kleine, bis zu 0,5 Zentimeter messende Teile.

In etwa 70 Prozent der Fälle werden Nüsse oder Kerne verschluckt - Spielzeugteile dagegen deutlich seltener. Die Ursachen dafür liegen zum einen in der Form und Oberflächenbeschaffenheit der Teile, aber auch in der bestehenden Kennzeichnungspflicht für Spielzeug und der damit verbundenen Aufmerksamkeit der Eltern und Betreuungspersonen. Nüsse können dagegen aufgrund ihrer Form und Größe sowie der öligen Oberfläche leicht in die Luftröhre und in die Lunge gelangen.

Lungenabschnitt kann verkleben

Das Einatmen von Fremdkörpern in die Lunge (Aspiration) kann unmittelbar zum Erstickungstod führen oder schwere Gesundheitsschäden verursachen. Kleine Fremdkörper bleiben meist erst in den tieferen Abschnitten der Lunge, den Bronchien, stecken. Aufgrund der Anatomie des Bronchialbaumes gelangen die Fremdkörper bevorzugt in die rechte Lunge. Je nach Größe des Fremdkörpers kann er einen kompletten Abschnitt des Bronchialsystems verschließen. Die Folge ist eine sogenannte Atelektase: Der Lungenabschnitt wird nicht mehr von Atemluft durchströmt und verklebt. Infektionen können entstehen. Bleibt der Fremdkörper schon auf der Höhe des Kehlkopfes oder der Luftröhre stecken, besteht akute Erstickungsgefahr.

Da die Symptome (Husten, Luftnot, Heiserkeit, abnorme Atemgeräusche) oft unspezifisch sind, wird die Diagnose in vielen Fällen erst verzögert gestellt. Schwere Komplikationen wie Lungenentzündungen können dann die Folge sein. Zwar werden Aspirationsunfälle in Deutschland nicht erfasst, Experten gehen jedoch davon aus, dass in Deutschland eines von 1.000 Kindern Fremdkörper aspiriert. Das Risiko tödlicher Fremdkörperaspirationen liegt bei etwa einem Prozent.

Fremdkörper muss schnell entfernt werden

Bei wiederholten und langanhaltenden unklaren Infekten der Atemwege oder Husten, sollten Kinder einem Arzt vorgestellt werden. Ist eine Aspiration beobachtet worden, sollte sofort der Notarzt verständigt werden und das Kind in eine Kinderklinik transportiert werden. Denn je länger ein Fremdkörper in der Lunge bleibt, desto schwieriger ist es ihn zu entfernen und desto schwerwiegender sind die Komplikationen. Nur in etwa zwei bis vier Prozent der Fälle gelingt es den Kindern, den Fremdkörper selbstständig abzuhusten. In allen anderen Fällen muss er im Rahmen einer Lungenspiegelung (Bronchoskopie) in Narkose entfernt werden.

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Risiko Vergiftungsfälle bei Kindern

Das Bundesinstitut für Risikobewertung informiert - PDF zum Herunterladen. extern

Interviewpartner:

Dr. Frank Ahrens
Oberarzt der Abteilung für Pädiatrische Pneumologie und Allergologie
Altonaer Kinderkrankenhaus gGmbH
Bleickenallee 38
22763 Hamburg
Tel. (040) 88 908 701
Internet: www.kinderkrankenhaus.net

Dr. Axel von der Wense
Leiter der Kinderintensivstation
Altonaer  Kinderkrankenhaus gGmbH
Bleickenallee 38
22763 Hamburg
Tel. (040) 88 908 701
Internet: www.kinderkrankenhaus.net

Prof. Dr. Matthias V. Kopp
Deutsches Zentrum für Lungenforschung (DZL)
Leiter des Schwerpunktes Kinderpneumologie&Allergologie
Klinik für Kinder- und Jugendmedizin
Universitätsklinikum Schleswig-Holstein, Campus Lübeck
Ratzeburger Allee 160
23538 Lübeck
Tel. (0451) 500 25 50
Fax: (0451) 500 25 90

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Visite | 17.02.2015 | 20:15 Uhr