Stand: 03.07.2017 21:00 Uhr

Übergewicht: Wann behandeln - und wie?

von Britta Probol

Um sich fit und leistungsfähig zu fühlen, ist eine schlanke Silhouette weder Voraussetzung noch Garantie. Genauso ist aber unbestritten, dass zu viele Pfunde gesundheitliche Risiken bergen: von Bluthochdruck bis zu lebensbedrohlichen Atemaussetzern im Schlaf. Doch wann werden aus ein paar gemütlichen, vielleicht etwas lästigen Pölsterchen schwerwiegende Probleme?

Um das Krankheitsrisiko abzuschätzen, arbeiten Mediziner wie auch Behörden und Lebensversicherer häufig mit dem BMI (Body Mass Index). Dieser schematische Wert hat sich etwa seit den 1980er-Jahren als Maß für Über- oder Untergewicht etabliert. Studien besagen beispielsweise: Ein BMI über 25 bedeutet doppeltes Risiko, an Diabetes Typ 2 zu erkranken, und ein BMI über 40 verringert die Lebenserwartung um acht bis zehn Jahre.

BMI allein wenig aussagekräftig

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Das Bauchfett muss weg - nicht nur aus optischen Gründen.

Zur BMI-Berechnung teilt man das Körpergewicht durch das Quadrat der Körpergröße in Metern. Beispiel: Zwei Männer um die Vierzig, beide sind 1,80 Meter groß und 85 Kilo schwer. Der eine ist sehr breitschultrig und muskulös, als Handwerker und Sportler gut durchtrainiert - der andere dagegen schmal gebaut, statt der Schultern ist bei ihm die Taille breit. Als BMI errechnet sich bei beiden 85 : (1,8 x 1,8) = 26,2 - also laut Definition gerade noch Normalgewicht für ihr Alter. Aber ist das Gewicht bei ihnen wirklich gleichermaßen "in Ordnung"?

"Der BMI steht in jüngster Zeit in der Kritik - zu recht", sagt Ernährungs-Doc Matthias Riedl, "denn er lässt Gesundheitsfaktoren wie Muskelmasse, Fettanteil und insbesondere die Fettverteilung völlig unberücksichtigt." Wie viele Pölsterchen ein Mensch angelegt hat und wo, verrät der BMI nicht. Dabei wirkt es sich stark auf die Gesundheitsprognose aus.

Fett ist nicht gleich Fett

Unser Körper hat die ehemals überlebenswichtige Fähigkeit, überschüssige Nahrungsenergie zum Beispiel aus Zucker in Fett umzuwandeln, um die Kalorien für schlechte Zeiten zu bunkern. Er lagert seine Kalorienvorräte im Unterhautfettgewebe (sogenanntes subkutanes Fett) ein, das zugleich als Isolator gegen Kälte und Wärme dient. Weitere Depots legt er im Bauchraum an: Das sogenannte viszerale Fett umhüllt die inneren Organe. Bei großem Überfluss kann der Körper Fett sogar in den Muskelzellen, in Organen wie Herz und Leber (Fettleber) und selbst in den Knochen speichern.

Warum das Bauchfett so gefährlich ist

Der Bauchspeck muss weg

Sorgen macht Medizinern vor allem das sogenannte Hüftgold: Denn im Gegensatz zum "harmlosen" Unterhautfettgewebe produziert das Fettgewebe im Bauchbereich krankmachende Hormone. Diese Botenstoffe fördern hohen Blutdruck und unterschwellige Entzündungen. Studien legen nahe, dass sie sogar das Krebsrisiko steigern. Zudem lösen sich aus dem Bauchfett leichter Fettsäuren, die in den Blutkreislauf übergehen: schlecht für das Herz.

Bauchumfang messen ist wichtiger als wiegen

So messen Sie richtig

Wann: vor dem Frühstück, nüchtern
Wie: stehend, mit freiem Oberkörper, beim Ausatmen
Wo: in der Mitte zwischen unterster Rippe und Oberkante Hüftknochen beziehungsweise an der dicksten Stelle des Bauches (ungefähr Bauchnabelhöhe)

"Wer sein Krankheitsrisiko durch viszerales Fett einschätzen will, der greift am besten zum Maßband", rät Ernährungs-Doc Jörn Klasen. Frauen mahnt die Weltgesundheitsorganisation WHO ab einem Bauchumfang von 88 Zentimeter dringend zum Abnehmen, Männer ab 102 Zentimeter. "Vorsicht ist aber schon unterhalb dieser Werte geboten", erklärt Matthias Riedl. "Die Gefahrenzone beginnt ab 80 Zentimeter Bauchumfang bei Frauen und ab 94 Zentimeter bei Männern." Treten hier Beschwerden wie Bluthochdruck oder Arthrose hinzu, sollte das Bauchfett unbedingt reduziert werden.

Gezielt abnehmen

Um dauerhaft Kilos zu verlieren, muss genügend sättigendes Eiweiß auf den Tisch, dazu mehr Gemüse und Vollkorn - weniger Kohlenhydrate. Ballaststoffe sind wichtig, weil sie satt machen und die Darmfunktion verbessern, sagt Ernährungs-Doc Anne Fleck: "Ein gesundes Darmmilieu wirkt sich positiv auf das Gewicht aus." Intervallfasten kann das Abnehmen beschleunigen. Ernährungsmediziner oder zertifizierte Ernährungsberater unterstützen Patienten bei diesem Prozess, nötigenfalls durch die vorübergehende Verordnung einer hochwertigen Formula-Diät. "Wer schon einige erfolglose Abnehmversuche unternommen oder mehrere unterschiedliche Erkrankungen hat, der sollte sich für die individuelle Ernährungsumstellung auf jeden Fall professionelle Hilfe holen", rät Doc Fleck.

Therapieerfolg regelmäßig messen

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Die Bioimpedanzmessung ist das "EKG der Körperzusammensetzung". Eine spezielle Waage ermittelt in Sekunden, wo wie viel Fett sitzt.

Die Mediziner können zudem überprüfen, ob die Pfunde an den richtigen Stellen purzeln. Mit der Bioimpedanzmessung (auch "Bioelektrische Impedanzanalyse" genannt - kurz BIA) bestimmen sie über elektrische Impulse die Körperzusammensetzung, darunter Wasser-, Fett- und Muskelanteil. Körperfett-Waagen fürs Badezimmer nutzen dasselbe Prinzip, sind aber weit weniger genau und können nicht feststellen, ob das Fett auch gerade dort schmilzt, wo es soll: im Bauchbereich. Da ist das gute alte Maßband am unbestechlichsten.

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Dieses Thema im Programm:

Die Ernährungs-Docs | 03.07.2017 | 21:00 Uhr

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