Stand: 31.03.2015 11:00 Uhr  | Archiv

Darmkrebs: Rechtzeitige Vorsorge rettet Leben

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Darmkrebs in mehr als 90 Prozent der Fälle heilbar, wenn er früh erkannt wird.

Darmkrebs ist bei Männern und Frauen die zweithäufigste Krebserkrankung. Allein in Deutschland erkranken pro Jahr 75.000 Menschen an einem bösartigen Darmtumor, rund 27.000 Betroffene sterben daran. Dabei ist Darmkrebs in mehr als 90 Prozent der Fälle heilbar, wenn er früh erkannt wird. Doch weil er keine Schmerzen und kaum andere Symptome verursacht, wird er meist erst spät erkannt und die Sterberate ist dann sehr hoch. Verstopfungen, Darmkrämpfe sowie Blut oder Schleim im Stuhl treten erst spät im Verlauf der Erkrankung auf.

Ab einem Alter von 50 Jahren bezahlen die Krankenkassen den sogenannten Stuhlbluttest zur jährlichen Darmkrebsfrüherkennungsuntersuchung. Experten empfehlen Männern sogar, die Darmkrebsvorsorge notfalls auf eigene Kosten bereits mit 45 Jahren zu beginnen, da diese Tumoren bei ihnen früher auftreten als bei Frauen.

Eine Krebsgeschwulst im Darm sondert geringe, für das Auge nicht sichtbare Mengen Blut in den Verdauungsbrei ab, das der Test nachweisen kann. Der herkömmliche Test kann allerdings nicht zwischen tierischem und menschlichem Blutfarbstoff (Hämoglobin) unterscheiden, sodass er vor allem nach Fleischmahlzeiten häufig falsch positive Befunde anzeigt.

Immunologischer Test keine Kassenleistung

Experten empfehlen deshalb dringend die Verwendung immunologischer Tests, die mit speziellen Antikörpern nach Blutbestandteilen suchen und so eine bessere Abgrenzung erlauben, wer per Darmspiegelung genauer untersucht werden muss und wer nicht. Diese Tests müssen im Unterschied zum klassischen Verfahren nur alle zwei Jahre wiederholt werden, erfordern nur eine einmalige Stuhlprobe und sind damit einfacher anzuwenden. Allerdings gehören die neueren Verfahren noch nicht zu den Kassenleistungen, sodass gesetzlich Versicherte sie als sogenannte IGeL-Leistung (15 bis 30 Euro) selbst bezahlen müssen. Sie sind in der Apotheke oder beim Arzt erhältlich.

Da die immunologischen Tests nicht nach dem roten Blutfarbstoff Hämoglobin suchen, sondern nach dem wesentlich stabileren Eiweißmolekül Haptoglobin, können sie auch dann winzige Spuren von Blut ausfindig machen, wenn die roten Blutkörperchen während der Darmpassage bereits zersetzt wurden. Findet der Test eine größere Menge Haptoglobin im Stuhl, ist das Risiko erhöht, dass ein blutender Polyp im oberen Darmabschnitt die Ursache ist.

Spezielle immunologische Tests auf den Tumormarker Calprotectin erkennen auch nicht blutende Krebsvorstufen, die vom Körper mit einer Entzündung bekämpft werden. Calprotectin wird allerdings auch bei anderen Ursachen wie einer chronisch-entzündlichen Darmerkrankung (Morbus Crohn, Colitis ulcerosa) oder einem Reizdarmsyndrom ausgeschüttet.

DNA-Stuhltests: Suche nach bestimmten Genen

Neuartige genetische DNA-Stuhltests fahnden nicht nach indirekten Zeichen wie verstecktem Blut im Stuhl, sondern untersuchen die Erbinformation der in der Stuhlprobe enthaltenen Darmzellen auf mehrere Gene, die an der Entstehung von Darmkrebs beteiligt sind. So können diese Tests Krebserkrankungen des Dickdarms und des Mastdarms bereits sehr früh erkennen.

Die Stuhltests sind einfach durchzuführen und belasten den Patienten nicht. Eine nahezu hundertprozentige Sicherheit wie eine Darmspiegelung (Koloskopie) liefert aber keine der labormedizinischen Methoden. Sie bleibt die beste und sicherste Methode der Darmkrebsvorsorge und wird ab 55 Jahren auch von den gesetzlichen Krankenkassen bezahlt. Darmkrebs entsteht meist aus gutartigen Vorstufen, den Darm-Polypen. Ein Polyp braucht in der Regel mehrere Jahre, um zu einem bösartigen Tumor zu entarten. Bei einer Koloskopie lassen sich Polypen leicht erkennen und entfernen.

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Interviewpartner

Im Studio:
Prof. Dr. Torsten Kucharzik
Chefarzt und Leiter des Medizinischen Zentrums
Klinik für Allgemeine Innere Medizin und Gastroenterologie
Städtisches Klinikum Lüneburg gGmbH
Bögelstraße 1
21339 Lüneburg
Tel. (04131) 77 22 41
Fax (04131) 77 22 45
Internet: www.klinikum-lueneburg.de/allgemeine-innere-medizin-gastroenterologie

Im Beitrag:
Prof. Dr. Friedrich Hagenmüller
Chefarzt und Ärztlicher Direktor
Abteilung für Gastroenterologie
Asklepios Klinik Altona
Paul-Ehrlich-Straße 1
22763 Hamburg
Internet: www.asklepios.com/altona

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Visite | 31.03.2015 | 20:15 Uhr