Stand: 23.09.2014 20:15 Uhr  | Archiv

So verhindert man einen Beininfarkt

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Im Frühstadium sind die Verengungen der Gefäße noch so gering, dass keine Beschwerden auftreten.

In Deutschland leiden nach Angaben der Deutschen Gesellschaft für Gefäßmedizin rund 4,5 Millionen Menschen an einer peripheren arteriellen Verschlusskrankheit (pAVK). Sie ist die häufigste Gefäßerkrankung überhaupt. Schätzungen zufolge liegen bei circa zwanzig Prozent der über 65-Jährigen Verkalkungen der Beinarterien vor. Das Risiko ist bei Männern höher als bei Frauen.

Durchblutungsstörungen verursachen Schmerzen

Die auch als Schaufensterkrankheit bezeichnete pAVK ist die Folge der Verkalkung von Arterien (Arteriosklerose). Sie tritt in 90 Prozent aller Fälle in den Beinen auf. Durch die Ablagerung von Fett und Kalk bilden sich feste Plaques in den Gefäßwänden, die zu Engstellen in den Arterien führen. Dadurch entstehen Durchblutungsstörungen der Beine und Schmerzen beim Gehen, sodass die Betroffenen nach einer bestimmten Gehstrecke stehenbleiben müssen. Um die Beschwerden zu verbergen und sich zu erholen, bleiben die Betroffenen in regelmäßigen Abständen stehen - zum Beispiel vor Schaufenstern - daher die Bezeichnung "Schaufensterkrankheit". 

Bei völligem Verschluss droht ein Beininfarkt

Ist die Arterie völlig verschlossen, spricht man von einem Beininfarkt. Jedes Jahr werden in Deutschland etwa 16.000 Amputationen der Beine aufgrund derartiger Verschlüsse durchgeführt. Durch eine rechtzeitige Diagnostik und adäquate, konsequente Therapie ließe sich ein Großteil der Amputationen verhindern.

Im Frühstadium der Krankheit sind die Gefäßverengungen noch so gering, dass keine Beschwerden auftreten. Nehmen die Verengungen zu, nimmt die Durchblutung der Beine ab. Das Gewebe wird dann nicht mehr ausreichend mit Nährstoffen und Sauerstoff versorgt. Je nach Lokalisation der Verengung, treten stechende Schmerzen in der Wade, im Oberschenkel oder im Fuß auf. Im schlimmsten Fall kann die fehlende Durchblutung zum Absterben des Gewebes und nicht heilenden Wunden führen. Betroffen sind davon in der Regel die Zehen, Knöchel und die Ferse.

Erhöhtes Herzinfarkt- und Schlaganfallrisiko

Lagert sich zudem ein Blutgerinnsel an diese Engstellen an oder reißt eine Plaque ein, kann es zu einem vollständigen Verschluss des Gefäßes kommen. In der Regel sind bei einem Beininfarkt nicht nur die Arterien der Beine verengt, sondern auch das gesamte arterielle Gefäßsystem betroffen, also auch Herzkranzgefäße und hirnversorgende Schlagadern. Deshalb haben diese Patienten ein erhöhtes Risiko für Herzinfarkte und Schlaganfälle. Mehr als drei Viertel aller Beininfarkt-Patienten sterben daran.

Diagnose mithilfe des Knöchel-Arm-Indexes

Die Risikofaktoren für die Entwicklung sind gut bekannt: Dazu zählen neben einer genetischen Veranlagung insbesondere das Rauchen, Diabetes, hoher Blutdruck und hohe Blutfette.

Mithilfe des sogenannten Knöchel-Arm-Indexes kann der Gefäßstatus beurteilt werden. Dabei wird der Blutdruck am Knöchel und am Arm gemessen. Normalerweise sind die Blutdrücke dort annähernd gleich hoch. Bei arteriosklerotisch veränderten Gefäßen ist der Blutdruck an den Beinen jedoch geringer als an den Armen. Studien haben gezeigt, dass sich ein regelmäßiges Gehtraining von 30 Minuten täglich positiv auf das Voranschreiten einer arteriellen Verengung auswirkt. Zudem hat das Ausdauertraining einen positiven Einfluss auf die Risikofaktoren Blutdruck, Blutzuckerspiegel, Blutfette und Übergewicht.

Ballondilatation oder Gefäßstütze sichern Blutfluss

Im fortgeschrittenen Krankheitsstadium ist die Durchblutung in der Regel so weit reduziert, dass eine medikamentöse Therapie nicht mehr ausreicht, um die Beschwerden zu lindern. Daher muss der Blutfluss dann operativ wiederhergestellt werden. Hierzu stehen verschiedene Methoden zur Verfügung. Die Vorgehensweise ist vom Ausmaß der Erkrankung und dem Ort der Gefäßverengung abhängig.

Bei kurzen Engstellen oder Verschlüssen im Bereich des Beckens oder der Oberschenkel ist in vielen Fällen eine Aufdehnung des Gefäßes mittels Ballondilatation über einen Katheter möglich. Kommt es zu Wiederverschlüssen, wird eine Gefäßstütze (Stent) gesetzt. Lange Gefäßverschlüsse werden in der Regel mit einem Bypass überbrückt. Hierfür können Venen aus dem Bein verwendet werden, die dann die Arbeit der Arterie übernehmen.

Weitere Informationen

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Wie wird ein Gefäßverschlussrisiko diagnostiziert und wer ist in der Regel von einem Beininfarkt betroffen? Diese und weitere Fragen hat Dr. Holger Lawall im Chat beantwortet. mehr

Interviewpartner:

Im Beitrag und Studio:
Dr. Holger Lawall
Chefarzt der Abteilung für Angiologie und Diabetologie
Gefäßzentrum
Asklepios Westklinikum Hamburg
Suurheid 20
22559 Hamburg
Tel. (040) 81 91 20 19
Fax: (040) 81 91 21 26
E-Mail: h.lawall@asklepios.com

Im Beitrag:

Prof. Dr. E. Sebastian Debus
Direktor Klinik und Poliklinik für Gefäßmedizin
Universitäres Herzzentrum Hamburg
Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf
Martinistraße 52
20246 Hamburg
E-Mail: h.hidalgo@uke.de

Dagmar Gail
Vorsitzende der 1. Amputierten-Initiative e.V./Gefäßkranke seit 1991
Spanische Allee 140
14129 Berlin
Tel. (030) 803 26 75
Fax: (030) 80 49 16 35
Internet: www.amputierten-initiative.de, E-Mail: info@amputierten-initiative.de

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