Stand: 29.08.2017 14:08 Uhr

So schädlich sind antibakterielle Reiniger

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Wer seine Hände desinfiziert, strapaziert die Haut. Das macht sie auf Dauer anfällig für Bakterien.

Wenn zu Hause jemand eine ansteckende Krankheit hat, ist Hygiene besonders wichtig. Dann empfehlen auch Ärzte Desinfektionsmittel, um andere Familienmitglieder vor einer Infektion zu schützen. Doch viele Menschen mögen es auch im normalen Alltag keimfrei: Sie verwenden antibakterielle Reiniger und Desinfektionsmittel für die Hände. Doch das Bundesinstitut für Risikobewertung warnt: Viele der Mittel sind giftig und können Allergien auslösen. Oft enthalten sie Alkohole, ätzende Säuren oder Chlor. Die Substanzen können die Haut reizen oder sogar schädigen.

Antibakterielle Reinigungs- und Desinfektionsmittel.

So schädlich sind antibakterielle Reiniger

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Zum Schutz vor Infektionen verwenden viele Menschen antibakterielle Reiniger und Desinfektionsmittel. Doch die Substanzen können Haut und Atemwege schädigen.

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Warnung vor übertriebener Hygiene

Vom Gebrauch antibakterieller Reiniger in Privathaushalten raten Umweltmediziner und Hygieneexperten ab. Übertriebene Hygiene sei schädlich: Vor allem Kinder müssen sich mit Keimen auseinandersetzen, um ihr Immunsystem zu trainieren und Krankheiten zu vermeiden. Die im Haus normalerweise vorhandenen Bakterien sind keine Krankheitserreger sondern harmlos - anders als die aggressiven Substanzen in antibakteriellen Reinigern. Laut einer Studie traten in Haushalten, die mit antibakteriellen Reinigern putzten, mehr Krankheiten auf als in anderen Haushalten. Möglicherweise werden Bakterien durch den ständigen Kontakt mit den Reinigern resistent gegen antibakterielle Wirkstoffe.

Rissige Hände

Zu viel Hygiene kann Menschen mit empfindlicher Haut schaden. Ein typisches Bild in Hautarzt-Praxen sind rissige, teilweise sogar blutige Hände. Um die gereizte Haut zu regenerieren, werden zum Beispiel Kortison-Cremes eingesetzt. Es kann Monate dauern, bis die Haut wieder gesund ist. Schon Händewaschen strapaziert den Schutzmantel der Haut. Sie braucht danach Zeit, um sich wieder aufzubauen. Die in Desinfektionsmitteln enthaltenen Alkohole lösen den Schutzfilm zusätzlich. Die Haut wird anfällig für schädliche Bakterien.

Gereizte Atemwege

Auch die Atemwege leiden unter zu viel Hygiene. Vor allem bei der Anwendung von Sprühflaschen können Chemikalien über die Atemwege in den menschlichen Körper gelangen. Die empfindlichen Schleimhäute reagieren darauf mit Brennen in der Kehle, Hustenanfällen und Rötungen.

Desinfektion wirkt nur kurz

Die Wirkung von antibakteriellen Reinigern ist nach Ansicht von Experten von kurzer Dauer. In einer normalen Umgebung sind die Bakterien nach wenigen Minuten wieder da. Deshalb ist es unnötig, Gegenstände und Flächen im Haushalt zu desinfizieren.

Weitere Informationen
mit Video

Hygienewahn

30.01.2017 22:00 Uhr
45 Min

Die Angst vor Keimen beschert der Industrie ein Milliardengeschäft. Sorgen antibakterielle Reinigungsmittel wirklich für sichere Sauberkeit im Haushalt? Wenn ja, ist das gut? mehr

Interviewpartner im Beitrag:

Interviewpartner im Beitrag:
Dr. Julia Märker-Strömer, Fachärztin für Dermatologie                                       
Hautarztpraxis im Krohnstiegcenter
Krohnstieg 41-43, 22415 Hamburg
Tel. (040) 411 25 566-0
Internet: www.hautarztpraxis-langenhorn.de

Prof. Dr. Regina Fölster-Holst, Dermatologin 
Klinik für Dermatologie, Venerologie und Allergologie                                
Universitäts-Hautklinik Kiel
Rosalind-Franklin-Straße 7, 24105 Kiel
Internet: www.dermatology.uni-kiel.de/
 
Dr. Bärbel Christiansen
Leitung Zentrale Einrichtung Interne Krankenhaushygiene
Universitätsklinikum Schleswig-Holstein, Campus Kiel
Arnold-Heller-Straße 3, 24105 Kiel
Internet: www.uksh.de

Dieses Thema im Programm:

Visite | 29.08.2017 | 20:15 Uhr

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