Stand: 09.02.2015 11:32 Uhr  | Archiv

Sterben in Würde: Was kann die Medizin leisten?

Die Geschichte der US-Amerikanerin Brittany Maynard ließ im Herbst 2014 die gesellschaftliche und politische Diskussion um Sterbehilfe und Selbstbestimmung am Ende des Lebens auch in Deutschland neu aufflammen. Die 29-Jährige litt an einem unheilbaren Hirntumor und nahm sich mit ärztlicher Hilfe das Leben, um nicht fremdbestimmt dahinzusiechen.

Angst vor unerträglichen Schmerzen

Ein anderer Grund für ihren Schritt war ihre Angst vor unerträglichen Schmerzen - eine Angst, die viele Menschen haben. Zu Unrecht, sagen Palliativmediziner. Sie sind Spezialisten für die Behandlung unheilbarer Erkrankungen - im Krankenhaus, in der Praxis oder im Hospiz. Sie lindern Schmerzen, leisten Hilfe im sozialen Umfeld und nehmen sich Zeit für die Patienten und ihre Ängste.

Palliativmedizin: Hilfe beim Leben mit der Krankheit

Die Palliativmedizin hilft also nicht beim Sterben, sondern beim Leben mit der Krankheit. Deshalb sind Palliativstationen auch keine Sterbestationen, sondern besondere Einrichtungen mit dem Schwerpunkt, das Leben mit einer unheilbaren Krankheiten lebenswert zu machen. Anders als es die öffentliche Diskussion vermuten lasse, fragten sehr wenige Betroffene tatsächlich nach Sterbehilfe, berichten die Palliativmediziner. In der Regel wollten die Patienten so lange wie möglich leben - hätten aber Angst vor Schmerzen. Doch die sind in den allermeisten Fällen gut beherrschbar, wenn sie richtig behandelt werden.

Psychische und soziale Betreuung wichtig

Viele Menschen und auch Ärzte wissen nicht, welche und wie viele verschiedene Möglichkeiten die moderne Palliativmedizin bietet. Diese beschränken sich nicht auf die Wahl des optimalen Schmerzmedikaments, sondern umfassen auch psychische und soziale Betreuung - sowohl ambulant als auch stationär. Selbst bei sehr seltenen unerträglichen und schlecht behandelbaren Schmerzen, schweren Magen-Darm-Problemen oder wenn der Patient zu ersticken droht, können die Ärzte helfen - etwa mit einer palliativen Sedierung. Diese leichte Narkose sorgt nach Rücksprache mit dem Patienten und den Angehörigen dafür, dass der Betroffene seine letzten Tage ruhig und friedlich verschläft.

Das Wissen um diese letzte Behandlungsoption würde viele Menschen beruhigen, sind sich Experten sicher. Doch den meisten Menschen sind die Möglichkeiten der Palliativmedizin weitgehend unbekannt. Das liegt auch an der lückenhaften Ausbildung der Ärzte in diesem Bereich. Erst seit 2012 ist die Palliativmedizin Teil des Medizinstudiums.

Hinzu kommt ein Versorgungsproblem: Während in Großstädten wie Hamburg in der Regel ein ausreichendes Angebot an spezialisierten Palliativmedizinern, entsprechenden ambulanten Diensten und stationären Einrichtungen besteht, ist die Versorgung in ländlichen Regionen noch lückenhaft.

Interviewpartner:

Im Studio:
Dr. Ulrich Müllerleile
Internist, Hämatologe, internistischer Onkologe, Palliativmediziner
Gemeinschaftspraxis Dr. Karl Verpoort, Dr. Jan Wierecky, PD Dr. Wolfgang Zeller
Hohe Weide 17b
20259 Hamburg
Tel. (040) 357 17 77 50
Fax (040) 357 17 77 10
Internet: www.onkologie-hamburg.de

Im Beitrag:

PD Dr. Karin Oechsle
Oberärztin und Leiterin des Bereichs Palliativmedizin
II. Medizinische Klinik und Poliklinik (Onkologie, Hämatologie, Knochenmarktransplantation mit Sektion Pneumologie)
Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf
Martinistraße 52
20246 Hamburg
Internet: www.uke.de/kliniken/medizinische-klinik-2

Dr. Karin Oltmann
Fachärztin für Anästhesiologe, Palliativmedizin, Spezielle Schmerztherapie
Praxis für Schmerztherapie, Palliativmedizin
Hohe Weide 17b
20259 Hamburg
Tel. (040) 540 40 60
Fax (040) 540 72 57
E-Mail: schmerzambulanz.praxisteam@hamburg.de

Dieses Thema im Programm:

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