Stand: 05.09.2017 14:09 Uhr

Schmerzen in der Hüfte: Fehlhaltung vermeiden

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Schmerzen in der Hüfte sind eine häufige Verschleißerscheinung.

Erste Anzeichen einer Arthrose im Hüftgelenk sind Schmerzen in der Leiste, die über den Oberschenkel bis ins Kniegelenk ausstrahlen, oder an der Außenseite des Hüftgelenks. Im Alltag sind die Kugelgelenke der Hüften enormen Stoßbelastungen ausgesetzt. Diese werden lange von der Knorpelbeschichtung der Gelenkflächen an Hüftkopf und Hüftpfanne abgefedert. Doch insbesondere bei Über- und Fehlbelastungen ist die Knorpelmasse zunehmendem Verschleiß ausgesetzt.

Bei einer Arthrose kommt es zum Abrieb der Knorpelmasse, der Gelenkspalt zwischen Hüftkopf und Hüftpfanne wird immer schmaler, bis schließlich Knochen auf Knochen reibt und zu heftigen Schmerzen führt. Häufig nehmen die Beschwerden schleichend zu: Schmerzhafte Phasen wechseln sich mit weniger schmerzhaften oder sogar schmerzfreien Phasen ab. Meist macht sich der Knorpelverschleiß erst im fortgeschrittenen Alter bemerkbar, aber auch jüngere Menschen können betroffen sein.

Eine Person geht mit einem Stock.

Schmerzen in der Hüfte: Fehlhaltung vermeiden

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Bei Schmerzen in der Hüfte, etwa durch Arthrose, versuchen viele Betroffene, das Gelenk zu schonen. Doch die Fehlhaltung macht die Beschwerden noch schlimmer.

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Schonhaltung belastet Muskeln

Um Schmerzen zu vermeiden, beginnen viele Betroffene zu hinken und das Bein nachzuziehen. Einige greifen zum Stock als Gehhilfe. Eine solche Schonhaltung reduziert zwar im Moment die Beschwerden, ist auf Dauer aber problematisch. Denn beim Versuch, das Hüftgelenk zu entlasten, fügt man ihm noch mehr Schaden zu: Durch falsches Gehen bilden sich Verspannungen in den Hüftmuskeln, die sich von allein nicht mehr lösen. Betroffene gehen immer wieder in den sogenannten Beckenschiefstand, der das Hüftgelenk noch mehr reizt.

Schäden an Knie und Wirbelsäule möglich

Das menschliche Skelett ist ein ausgeklügeltes System aus Knochen und Gelenken, die perfekt aufeinander abgestimmt sind und bei Bewegungsabläufen besondere Aufgaben übernehmen. Ob Wirbelsäule, Hüfte oder Knie - jedes Gelenk hat seinen eigenen Aufbau und Mechanismus. Läuft ein einzelnes Gelenk nicht rund, zieht das auch andere Gelenke in Mitleidenschaft. Die Statik des Körpers gerät durcheinander. So hat eine Fehlfunktion des Hüftgelenks Folgen für die Wirbelsäule und die Knie: Sie werden zu stark oder falsch belastet. Geht ein Mensch zum Beispiel stark vornübergebeugt, um den Schmerz in der Hüfte zu vermeiden, überlastet er die Bandscheiben und die Wirbelsäule.

Übungen können im Anfangsstadium helfen

Bei einer beginnenden Arthrose können bestimmte Übungen für die Hüfte dazu beitragen, dass sich die Schmerzen nicht verschlimmern und sich wieder Gelenkschmiere bildet. Deshalb empfehlen Orthopäden im frühen Stadium der Erkrankung zunächst eine konservative Behandlung mit Medikamenten und Krankengymnastik. Dabei wird die Beweglichkeit trainiert, durch Schonhaltung verkürzte Muskeln werden gedehnt und geschwächte Muskelgruppen gekräftigt.

Hinzu kommt ein dosiertes Funktionstraining aus Radfahren und Schwimmen. Ein gezieltes Ziehen am Bein (Traktion) lindert die Schmerzen. Betroffene können ihr Bein auch an einer Treppe pendeln lassen, um den Effekt zu erreichen. Bei Übergewicht ist Abnehmen unbedingt zu empfehlen.

Leidensdruck entscheidet über Operation

Auch Übungen können den Verschleiß im Hüftgelenk nicht rückgängig machen. Damit sich Betroffenen wieder schmerzfrei bewegen und vielleicht sogar Sport treiben können, ist in manchen Fällen der Einsatz eines künstlichen Hüftgelenks unvermeidbar. Nur so kann man das Fortschreiten der Arthrose und Auswirkungen auf Knie und Rücken verhindern.

Zu lange warten sollten Patienten mit ihrer Entscheidung nicht. Denn wenn bereits knöcherne Strukturen geschädigt sind, wird die Operation deutlich aufwendiger und belastender. Zu einem späten Zeitpunkt ist es oft nicht möglich, die ursprüngliche Beweglichkeit wiederherzustellen.

Vor dem Eingriff raten Spezialisten zu einem leichten Bewegungs- und Krafttraining, um anschließend schneller wieder auf die Beine zu kommen. Nach der Operation trainieren Betroffene mit einer Physiotherapie ein normales Gangbild, um nicht wieder in die Schonhaltung zurückzufallen.

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Interviewpartner

Prof. Dr. Ralf Skripitz. Chefarzt
Endoprothetikzentrum, Fußzentrum, Kinder- und Allgemeine Orthopädie
Roland Klinik gGmbH
Niedersachsendamm 72/74, 28201 Bremen
Tel. (0421) 87 78-357, Fax (0421) 87 78-109
Internet: www.roland-klinik.de/endoprothetik-fusschirurgie-kinder-und-allgemeine-orthopaedie

Prof. Dr. Henning Windhagen, Direktor
Orthopädische Klinik der Medizinischen Hochschule Hannover
DIAKOVERE Annastift gGmbH
Anna-von-Borries-Straße 1-7, 30625 Hannover
Tel. (0511) 53 54-340, Fax (0511) 53 54-682
Internet: www.diakovere.de

Weitere Informationen:
Berufsverband der Fachärzte für Orthopädie und Unfallchirurgie e.V.
Straße des 17. Juni 106-108, 10623 Berlin
Internet: www.orthinform.de

Deutsches Arthrose Forum
Internet: www.deutsches-arthrose-forum.de
Internet-Selbsthilfe-Forum mit Infos, Tipps und Adressen

EndoCert GmbH
Straße des 17. Juni 106-108, 10623 Berlin
Internet: www.endocert.de
Liste zertifizierter Endoprothetik-Zentren

Deutsche Arthrose Hilfe e.V.
Postfach 11 05 51, 60040 Frankfurt
Internet: www.arthrose.de

Professor Ralf Skripitz

Interview: Was tun gegen Fehlhaltung?

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Bei Hüftschmerzen nehmen viele Betroffene eine Schonhaltung an. Doch die schadet den Muskeln und anderen Gelenken. Professor Ralf Skripitz gibt Tipps für eine gute Haltung.

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