Sendedatum: 06.12.2011 20:15 Uhr  | Archiv

Schlechter Schlaf macht krank

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Oft machen die Betroffenen zunächst äußerliche Umstände für ihre Schlaflosigkeit und ihr Essverhalten verantwortlich.

Schlafstörungen und zu wenig Schlaf können Körper und Seele extrem belasten und zu Übergewicht und der Zuckerkrankheit Diabetes mellitus führen. Aktuelle Studien zeigen: Wer im Durchschnitt weniger als sechs Stunden schläft, hat ein fast fünf Mal so hohes Risiko, eine Zuckerstoffwechselstörung zu entwickeln, als Menschen, die sechs bis acht Stunden pro Nacht ruhen.

Auf Dauer schwinden die Kräfte der Betroffenen, sodass nicht mal mehr ein Ausgleich durch sportliche Betätigung möglich ist. Zugleich haben sie nach jeder durchwachten Nacht Hunger, essen ständig und viel mehr als eigentlich nötig und bekommen regelrechte Heißhungerattacken - vor allem auf Süßes. Trotz besseren Wissens folgt ein Snack auf den nächsten, das Körpergewicht steigt, die Kräfte schwinden weiter.

Oft machen die Betroffenen zunächst äußerliche Umstände für ihre Schlaflosigkeit und ihr Essverhalten verantwortlich, das Wetter, den Vollmond, Stress oder Probleme. Hausmittel wie der Klassiker Milch mit Honig, das angeblich einschläfernde Glas Rotwein oder homöopathische Mittel helfen auf Dauer nicht weiter. Mit der Zeit schwindet die Lebensfreude, soziale Kontakte brechen ab, depressive Verstimmungen drohen. Sind keine körperlichen und seelischen Ursachen zu finden, wissen auch viele Ärzte keinen Rat.

Hormone spielen wichtige Rolle

Doch inzwischen haben Forscher geklärt, wie Schlaf und Hunger direkt zusammenhängen: Schlafmangel bedeutet Stress für das Gehirn und darauf reagiert es. Vor allem die Hormone Insulin, Glukagon, Ghrelin und Leptin spielen dabei eine wichtige Rolle. Ghrelin ist für das Hungergefühl verantwortlich, Leptin übermittelt dem Gehirn Informationen über die Energiereserven des Körpers, Insulin und Glukagon regulieren den Blutzuckerspiegel.

Schläft ein Mensch zu wenig, produziert sein Magen das Hormon Ghrelin, so als wäre er leer - auch wenn er es nicht ist. Das signalisiert dem Gehirn Hunger und der Mensch isst, obwohl er es nicht müsste. Ein verringerter Leptinspiegel bedeutet für das Gehirn, dass die Fettreserven des Körpers erschöpft sind. Das geschieht bei Schlafmangel selbst dann, wenn genauso viele Fettzellen wie vorher da sind und lässt den Betroffenen noch mehr essen.

Auch die Bauchspeicheldrüse wird durch Schlafmangel und die damit verbundene verringerte körperliche Bewegung beeinflusst, produziert weniger Glukagon und mehr Insulin als normal. Das führt zu einem verstärkten Aufbau von Fettgewebe und auf Dauer zu einer Insulinresistenz der Zellen und einem Diabetes mellitus. Dabei stecken die Patienten in einem Teufelskreis, denn der Schlafmangel erzeugt zusätzlichen Stress dadurch, dass die Betroffenen sich darauf konzentrieren, endlich einzuschlafen - und umso schwerer fällt es ihnen, sich tatsächlich fallen zu lassen.

Schlafregeln und Entspannungsverfahren

Um den Schlafmangel zu beheben, empfehlen Schlafmediziner daher Schlafregeln und Entspannungsverfahren. Die Patienten lernen so zur Ruhe zu kommen, auch wenn der Schlaf scheinbar nicht kommt. 30 Minuten Meditation pro Tag bringen Kraft außerhalb des Schlafes und erzeugen die für einen erholsamen Schlaf nötige Ruhe. Der Hunger lässt nach, selbst sportliche Betätigung wird wieder möglich, der Zuckerstoffwechsel normalisiert sich und das Körpergewicht sinkt. Wer gelegentlich ein Schlafmittel braucht, sollte eine Faustregel beachten: Schlafmittel nicht länger als zehn Tage einnehmen, danach mindestens ebenso lange pausieren. Besonders gefährlich mit großem Abhängigkeitspotential sind Benzodiazepine.

Ebenfalls schlaffördernd, jedoch ohne Abhängigkeitsgefahr, sind auch schlaffördernde Antidepressiva in kleinen Dosen. Aber man braucht Geduld, weil die Wirkung erst nach Tagen bis Wochen eintritt. Alkohol sollte man nicht als Einschlafhilfe verwenden. Das Einschlafen geht zwar schnell, die Schlafqualität ist jedoch schlecht, weil der Körper nachts auf Entzug ist.                                                                                                   

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Interviewpartner:

Im Studio:
Dr. Andrea Iwansky
Fachärztin für Innere Medizin
Colonnaden 9
20354 Hamburg
E-Mail: info(at)facharztpraxis-colonnaden.de

Im Beitrag:

Dr. Sebastian Schmid
Internist
Medizinische Klinik I
Universitätsklinikum Schleswig-Holstein, Campus Lübeck
Ratzeburger Allee 160
23538 Lübeck
Tel. (0451) 500 23 06

PD Dr. Klaus Junghanns
Psychiater und Psychotherapeut
Oberarzt Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie
Zentrum für Integrative Psychiatrie
Universität zu Lübeck
Ratzeburger Allee 160
23538 Lübeck
Tel. (0451) 500 33 11

 

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Visite | 06.12.2011 | 20:15 Uhr

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