Sendedatum: 04.03.2014 20:15 Uhr  | Archiv

Schlaganfall: Risiko Schnarchen beachten

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90 Prozent der Schlaganfall-Patienten haben Probleme im Schlaf.

Auch nach einer kurzzeitigen, vorübergehenden Durchblutungsstörung im Gehirn muss die Ursache für die Attacke gefunden werden. Denn ohne Behandlung folgt meist kurze Zeit später ein größerer Schlaganfall, der bleibende Schäden hinterlässt. Um das Risiko in den Griff zu bekommen, verschreiben Ärzte Medikamente zur Blutverdünnung, gegen den erhöhten Blutdruck und für die Verbesserung der Blutfettwerte.

Auffällig ist, dass 90 Prozent der Schlaganfall-Patienten auch Probleme im Schlaf haben: Sie leiden - oft unbemerkt - an nächtlichen Atemaussetzern. Auch wenn die genauen Zusammenhänge zwischen Schlaganfall und der sogenannten Schlafapnoe noch nicht genau verstanden sind, ist die Behandlung des gefährlichen Schnarchens ein wichtiger Baustein, um Patienten vor schlimmen Schäden im Gehirn zu bewahren.

Bei Menschen mit Schlafapnoe ist die Gaumen- und Rachenmuskulatur während des Schlafs erschlafft. Die Folge: Die Atemwege fallen zu. Der Sauerstoffverlust führt zur Minderdurchblutung des Gehirns. Der Körper kämpft dagegen an: der Puls steigt, dann steigt der Blutdruck an. Das Gehirn schüttet Stresshormone und entzündliche Botenstoffe aus, die langfristig Herz und Hirn schädigen.

Stummen Infarkten auf der Spur

In der Dresdner Universitätsklinik erforschen Neurologen und Schlafmediziner, ob es bei Schlafapnoe-Patienten auch zu sogenannten stummen Infarkten kommt, von dem der Patient selbst nichts bemerkt. Sie treten fünfmal häufiger auf, als offensichtliche Schlaganfälle. Hinweise darauf können Vernarbungen im Gehirn sein.

In einem Gehirn, das bereits durch einen Schlaganfall geschädigt ist, kommt es oft zu einem zweiten Hirninfarkt. Mit der Schlafapnoe erhöht sich die Gefahr, dass der Sauerstoffverlust jene Regionen, die bereits schlecht durchblutet sind, noch weiter schädigt. Die Halsschlagader, die Hauptversorgung ins Gehirn, ist bei Schlaganfall-Patienten durch Mangelversorgung oft verengt. Damit steigt auch das Risiko, dass ein Blutgerinnsel ein Blutgefäß im Gehirn erneut verstopft.

Hilfe durch eine Schlafmaske

Eine Schlafmaske kann hier helfen. Sie muss im Schlaflabor sorgfältig angepasst werden. Damit sich die Atemwege beim Schnarchen nicht verschließen, wird die Atemluft auf einen bestimmten Druck eingestellt. Während der ersten Nächte mit der Maske werden die Sauerstoffversorgung und Schlafqualität gemessen. Ist die Maske richtig angepasst, wird der Schlaf ruhiger und das Risiko für einen erneuten Schlaganfall sinkt.

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Interviewpartner

Im Studio:
Dr. Friedhelm Hummel
Neurologe
Klinik und Poliklinik für Neurologie
Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf
Martinistraße 52
20246 Hamburg

Im Beitrag:
Dr. Ulf Bodechtel
Funktionsoberarzt

Dr. Jessica Kepplinger
Assistenzärztin und Neurologin
Klinik und Poliklinik für Neurologie
Klinikum Carl Gustav Carus
Fetscherstraße 74
01307 Dresden

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