Stand: 02.05.2016 08:45 Uhr

Schlafapnoe - Diagnose und Therapie

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Menschen, die unter Atemaussetzern im Schlaf leiden, sind tagsüber müde und fühlen sich abgeschlagen.

Nächtliche Sägegeräusche stellen so manche Partnerschaft auf eine harte Probe. Meist ist Schnarchen zwar laut und lästig, aber ungefährlich. Doch dahinter kann auch das gefährliche Schlafapnoe-Syndrom stecken. Den Betroffenen bleibt immer wieder die Luft weg, die kleinen Erstickungsanfälle stören den Schlaf und können dramatische Folgen haben. Es kommt zu einem Sauerstoffmangel im Gehirn, Stresshormone werden freigesetzt, der Blutdruck steigt und das führt zu einem erhöhten Risiko für Schlaganfall und Herzinfarkt. Betroffene leiden unter extremer Tagesmüdigkeit. Doch viele wissen gar nicht, woher Müdigkeit, Abgeschlagenheit und Konzentrationsschwäche kommen, denn eigentlich haben sie lange genug geschlafen und von den Atemaussetzern merken sie nichts.

Untersuchung im Schlaflabor gibt Aufschluss

Hat der Arzt den Verdacht, hinter dem Schnarchen könnte sich ein gefährliches Schlafapnoe-Syndrom verbergen, kann er den Patienten für eine Nacht ins Schlaflabor schicken oder mit einem speziellen Gerät für Zuhause seine Atmung im Schlaf untersuchen. Hier werden zahlreiche Parameter aufgezeichnet, die zeigen, ob es im Schlaf zu gefährlichen Atemaussetzern oder anderen Auffälligkeiten kommt.

Bei der Schlafapnoe fällt die Vorderwand im Rachen auf die Hinterwand, der Zungenrand fällt in den Rachen und verschließt so die Atemwege. Die Schlafenden hören auf zu atmen, sodass es zu einer Unterversorgung mit Sauerstoff kommt. Das Gehirn registriert dies und über einen Adrenalinstoß kommt es zu einem Anspannen der Muskulatur im Rachenbereich, sodass die Atemwege dann wieder frei sind und der Patient wieder atmen kann. Dieser Wechsel von Verschluss und Wiedereröffnung kann bis zu 100 Mal in der Stunde stattfinden.

Sauerstoffmaske hält Atemwege offen

Helfen kann eine CPAP-Maske. Darüber wird dem Betroffenen Luft in den Mund geblasen und so ein Überdruck erzeugt, der die Atemwege offen hält. Aber viele Menschen kommen mit der Maske nicht zurecht, schlafen damit noch schlechter. Einige bekommen Panikattacken unter der Maske, andere haben noch am nächsten Tag Druckstellen im Gesicht.

Wann sind Zungenimplantat oder Zungenschrittmacher sinnvoll?

Inzwischen gibt es Alternativen zur Maske, die allerdings eine Operation erfordern. Um die Zunge nachts zu stabilisieren, können stäbchenförmige Implantate in den Zungengrund eingesetzt werden, die winzige Federn enthalten. Nach der Implantation löst sich der Mantel des Implantats auf und gibt die Federn frei, die sich entfalten und die Zunge straffen, sodass diese nicht mehr in den Rachen zurückfallen kann. Dieses Verfahren ist vor allem für jüngere Patienten mit leichter bis mittelgradiger Schlafapnoe (maximal 40 Atemaussetzer pro Stunde) geeignet.

Schon länger etabliert ist der Zungenschrittmacher. Er strafft die Zunge nachts mit kleinen Stromstößen, sodass sie nicht in die Luftröhre zurückfallen kann. Der Zungenschrittmacher hilft 60 Prozent der Betroffenen, hat aber zwei Nachteile: Bei der Operation kann der Zungennerv verletzt werden und die Batterie des in der Schulter implantierten Geräts muss alle sechs Jahre gewechselt werden, was wiederum einen chirurgischen Eingriff erfordert.

Weitere Informationen

Was hilft gegen Schnarchen?

Meist ist Schnarchen zwar ungefährlich, aber lästig. Häufig wird Betroffenen zu einer Operation geraten, doch die erhoffte Besserung bleibt oft aus. Welche Alternativen gibt es? mehr

Interviewpartner

Im Studio:
Priv.-Doz. Dr. Armin Steffen
Ärztlicher Leiter
HNO-Schlaflabor
Klinik für Hals-, Nasen- und Ohrenheilkunde
Universitätsklinikum Schleswig-Holstein, Campus Lübeck
Ratzeburger Allee 160, 23538 Lübeck
Tel. (0451) 500 34 97
Fax (0451) 500 41 92
Internet: www.hno.uni-luebeck.de

Im Beitrag
Prof. Dr. Thomas Verse
Chefarzt
Hals-, Nasen-, Ohrenheilkunde, Kopf- und Halschirurgie
Klinik für Atemwegs-, Lungen- und Thoraxmedizin
Asklepios Klinikum Harburg
Eißendorfer Pferdeweg 52
21075 Hamburg
Tel. (040) 18 18 86 20 56
Fax (040) 18 18 86 28 58
Internet: www.asklepios.de/hamburg/harburg/experten/hno

Dieses Thema im Programm:

Visite | 03.05.2016 | 20:15 Uhr

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