Stand: 19.05.2015 11:44 Uhr  | Archiv

Rettung fürs Herz: Fit mit Bypässen

Die Koronare Herzerkrankung (KHK) zählt weltweit zu den häufigsten Herzerkrankungen, in Deutschland sind rund 1,5 Millionen Menschen betroffen. Es handelt sich dabei um eine Erkrankung der Herzkranzgefäße, bei der Kalkablagerungen in den Gefäßwänden zu einer Verengung der Blutgefäße führen. Die Folge ist eine Störung der Durchblutung und damit eine Beeinträchtigung der Sauerstoffversorgung des Herzmuskels. Die typischen Beschwerden einer Sauerstoffunterversorgung des Herzmuskels sind stechende Schmerzen in der Brust und Brustenge, die sogenannte Angina pectoris. Bei einem vollständigen Verschluss eines Herzkranzgefäßes kommt es zu einem Herzinfarkt mit dem Untergang von Herzmuskelzellen.

Welche Risikofaktoren gibt es?

Die KHK lässt sich nicht heilen. Allerdings kann man das Fortschreiten durch Umstellung von Ernährungs- und Lebensgewohnheiten und den Einsatz von Medikamenten verzögern. Als wichtigste Risikofaktoren für die Entwicklung einer KHK gelten erhöhte Cholesterinspiegel, Übergewicht, Rauchen, Bluthochdruck sowie Diabetes und Bewegungsmangel.

Wie wird eine KHK diagnostiziert?

Im Rahmen einer Herzkatheteruntersuchung können die Herzkrankgefäße dargestellt und Engstellen oder Verschlüsse sichtbar gemacht werden. In vielen Fällen lassen sich diese unmittelbar durch  eine Ballondilatation (Perkutane transluminale coronare Angioplastie, PTCA) und die Implantation einer Gefäßstütze (Stent) eröffnen.

So wird behandelt

Bei komplexeren Verengungen, die die linke Koronararterie betreffen -  einer Hauptstammstenose - sowie bei Veränderung aller drei Koronararterien, besteht die Therapie der Wahl in einer Bypass-Operation. Studien haben den Überlebensvorteil in diesen Fällen eindeutig belegt. Die Bypass-Operation ist eine der häufigsten Herzoperationen. Bei einer Bypass-Operation werden die verengten oder verschlossenen Herzkranzgefäße durch eine Umleitung überbrückt. Als Überbrückung dienen Gefäße aus anderen Teilen des Körpers. Vorzugsweise wird dafür die Brustwandarterie (Arteria mammaria interna) genutzt. Alternativ kommen aber Venen aus dem Unter- oder Oberschenkel zum Einsatz. Im Vergleich zu Venenbypässen haben Arterienbypässe allerdings den Vorteil der längeren Haltbarkeit: Zehn Jahre nach der Versorgung sind noch bis zu 95 Prozent der arteriellen Bypässe offen. Bei den venösen sind es nur 65 Prozent.

In den meisten Fällen findet die Operation am offenen Herzen unter Einsatz der Herz-Lungen-Maschine statt. Dazu wird nach der Eröffnung des Brustkorbes das Herz aus dem Körperkreislauf ausgeschaltet. Das Blut wird dazu vor dem Herzen in die Herz-Lungen-Maschine umgeleitet. Sie übernimmt sowohl die Funktion des Herzens als auch der Lunge. Anschließend wird das Blut hinter dem Herzen wieder in den Köperkreislauf zurückgeführt. 

OP auch ohne Herz-Lungen-Maschine möglich

In besonderen Fällen kann eine Bypass-Operation auch am schlagenden Herzen ohne den Einsatz der Herz-Lungen-Maschine erfolgen. Damit die Bypässe sicher eingenäht werden können, wird das Herz hierbei mithilfe einer speziellen Technik lokal ruhig gestellt. Das Verfahren ist technisch anspruchsvoller als das herkömmliche. Die Vorteile dieses Verfahrens liegen insbesondere in einem geringeren Schlaganfallrisiko. Denn durch den Einbau der Herz-Lungen-Maschine in die Hauptschlagader besteht die Gefahr, dass sich Verkalkungen aus der Gefäßwand löst und ins Gehirn gespült werden.  Außerdem verursacht der Kontakt des Blutes mit der Oberfläche des Materials der Herz-Lungen-Maschinen eine allgemeine Entzündungsreaktion im Körper, die zu Komplikationen mit Verschlechterungen von Funktionen lebenswichtiger Organe wie Lunge und Nieren führen kann.

Betroffene wieder voll belastbar

Nach einer Bypass-Operation werden die Patienten in der Regel ein bis drei Tage auf der Intensivstation betreut. Nach einem stationären Aufenthalt, schließt sich eine Anschlussheilbehandlung an. Nach Abschluss der Wundheilung im Bereich des Brustkorbes, die in der Regel etwa zwei Monate in Anspruch nimmt, sind die die Betroffenen körperlich wieder voll belastbar.

Interviewpartner:

Im Studio und Beitrag:
Prof. Dr. Friedrich-Christian Rieß
Direktor des Albertinen Herzzentrum Hamburg
Chefarzt Herzchirurgie
Süntelstraße 11a
22457 Hamburg
Tel. (040) 55 88 24 42, (040) 55 88 24 45
E-Mail: friedrich-christian.riess@albertinen.de
Internet: www.albertinen-herzzentrum.de

Im Beitrag:
Priv.-Doz. Dr. Korff Krause        
Leitender Oberarzt Klinik für Kardiologie, Leitung Herzkatheterlabore
Kardiologie Albertinen-Krankenhaus
Albertinen Herz- und Gefäßzentrum
Süntelstraße 11a
22457 Hamburg
Tel. (040) 55 88 2238
E-Mail: korff.krause@albertinen.de
Internet: www.albertinen-herzzentrum.de/kardiologie_albertinen.php

Dieses Thema im Programm:

Visite | 19.05.2015 | 20:15 Uhr

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