Stand: 28.11.2017 12:07 Uhr

Ohren säubern: Vorsicht vor Wattestäbchen

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Mit Wattestäbchen sollten allenfalls die Ohrmuschel und der Eingang gereinigt werden.

Die Ohren zu reinigen und von Ohrenschmalz (Cerumen) zu befreien, gehört für viele Menschen zur täglichen Routine. Drogerien und Supermärkte halten dafür ein ganzes Arsenal verschiedener Werkzeuge und Hilfsmittel bereit: vom winzigen "Korkenzieher" für den Ohrenschmalz über kleine Ohrstaubsauger, spezielle Kerzen zum Abbrennen im Gehörgang bis hin zu Löffeln und Schlingen zum Auskratzen - und natürlich die Klassiker: Wattestäbchen, Reinigungssprays und -lösungen. Doch bei der Ohrreinigung mit diesen Utensilien kann einiges schiefgehen, warnen Experten. Und nur die wenigsten Menschen benötigen tatsächlich Hilfsmittel, um die Ohren zu reinigen, weil sie etwa zu viel Cerumen produzieren oder ihr Gehörgang seine Funktion verloren hat, den Ohrenschmalz nach draußen zu transportieren.

Grafik: Wattestäbchen wird in den Gehörgang eingeführt.

Ohren säubern: Vorsicht vor Wattestäbchen

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Ohrenschmalz ist kein Schmutz, sondern ein natürlicher Schutz des Gehörgangs und des Trommelfells. Viele Hilfsmittel zur Reinigung der Ohren schaden mehr, als dass sie nutzen.

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Wofür brauchen wir Ohrenschmalz?

Bei den meisten Menschen funktioniert der Abtransport des Ohrenschmalzes von allein und es wird genauso viel davon gebildet, wie der Körper braucht. Das klebrige Sekret hat die Aufgabe, die dünne Haut der Gehörgänge mit einer schützenden Fettschicht zu überziehen. Außerdem sammeln sich im Ohrenschmalz Staub und abgestorbene Hautschüppchen. Kleine Härchen transportieren diese mitsamt dem Cerumen nach draußen. Zudem verhindert der bittere Geschmack des Ohrenschmalzes, dass Bakterien das Trommelfell angreifen und Insekten unbemerkt in die Ohren krabbeln.

Ohren am besten gar nicht reinigen

Wegen der wichtigen Funktionen des Ohrenschmalzes raten Hals-Nasen-Ohren-Spezialisten, lieber ganz auf eine regelmäßige Reinigung zu verzichten, solange nicht geklärt ist, dass sie tatsächlich erforderlich ist. Ungefährlicher als mechanische Hilfsmittel sind dann schmalzlösende Sprays oder Öle. Sie machen nichts kaputt, sind aber auch nicht ganz billig. Günstiger als Tropfen oder Sprays ist hin und wieder eine Spülung der Ohren mit warmem Wasser unter der Dusche.

Gefahr einer Trommelfell-Verletzung

Von Ohrstaubsaugern, Löffelchen, Schlingen oder Korkenziehern raten die Ärzte dringend ab. Zu groß ist die Gefahr einer Trommelfell-Verletzung, da der Gehörgang gerade einmal zwei Zentimeter lang ist und die Instrumente ohne Sicht eingeführt werden. Außerdem können leicht Blutergüsse am Gehörgang oder entzündete Blutblasen entstehen. Bei Kerzen, die im Gehörgang abgebrannt werden, bleiben trotz Tropfschutz oft Wachs- und Rußreste zurück, die dann vom HNO-Arzt entfernt werden müssen.

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Wattestäbchen klingen harmloser, als sie sind

Das beliebteste Ohrreinigungswerkzeug der Deutschen ist das Wattestäbchen. Viele führen es bis zum Anschlag ein, um durch kreisende Bewegungen den Ohrenschmalz herauszuholen. Doch mit Wattestäbchen sollten allenfalls die Ohrmuschel und der Eingang gereinigt werden, warnen Mediziner. Denn im Gehörgang schiebt das Wattestäbchen den größten Teil des Ohrenschmalzes mit allen Verschmutzungen vor das Trommelfell. Das kann zu einer Hörminderung führen, aber auch zu Entzündungen, da der harte Ohrenschmalz ein guter Nährboden für Keime ist. Zudem sind Wattestäbchen nicht so weich, wie ihr Name vermuten lässt: Im Gehörgang zerkratzen sie die dünne Haut und kappen die feinen Härchen. Darum steht sogar auf der Verpackung, dass man sie sich nicht ins Ohr stecken soll.

Ohrenschmalz ist Schutz

Ohrenschmalz ist kein Schmutz, sondern ein Schutz. Wer das Gefühl hat, im Gehörgang stecke zu viel davon, sollte zum Arzt gehen, statt überflüssige und möglicherweise sogar gesundheitsschädliche Hilfsmittel zu verwenden.

Interviewpartner

Dr. Sylvia Brockhaus, Fachärztin HNO-Heilkunde und Allergologie
Straßenbahnring 3, 20251 Hamburg
Internet: www.hno-falkenried.de

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