Stand: 28.06.2016 10:38 Uhr

Neue Therapien gegen Lungenkrebs

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Adenokarzinome, die häufigste Unterart von Lungenkrebs, lassen sich bereits in vielen Fällen gut behandeln.

Lungenkrebs ist eine der gefürchtetsten Krebserkrankungen und inzwischen bei Männern wie Frauen die häufigste krebsbedingte Todesursache. Meist wird die Krankheit erst so spät erkannt, dass sie nicht mehr operiert werden kann und die belastende Chemotherapie nur begrenzt wirksam ist. Doch neue Medikamente bringen jetzt Hoffnung, vor allem wenn ein Lungenkrebs nicht auf Zigarettenrauchen zurückzuführen ist.

Bilder von der Lunge.

Lungenkrebs behandeln

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Lungenkrebs ist bei Männern und Frauen die häufigste krebsbedingte Todesursache. Auch bei aggressiven Bronchialtumoren werden die Überlebenschancen aber immer besser.

Hälfte der Adenokarzinome genetisch entschlüsselt

Entscheidend ist, um welche Art von Lungenkrebs es sich handelt. Um das herauszufinden, entnimmt der Arzt bei einer Spiegelung der Lungenwege (Bronchoskopie) Gewebeproben und lässt sie im Labor untersuchen. Handelt es sich um ein sogenanntes Adenokarzinom, die häufigste Unterart von Lungenkrebs, sollte unbedingt ein Gentest durchgeführt werden, um die genaue Form zu identifizieren. Bei der Hälfte der Adenokarzinome ist das genetische Muster entschlüsselt, sie lassen sich mit Medikamenten bekämpfen, die ganz gezielt auf die spezifische Biologie des Tumors abgestimmt sind.

Dazu gehört zum Beispiel das ALK-positive nicht-kleinzellige Bronchialkarzinom. ALK steht für Anaplastische-Lymphom-Kinase, ein Enzym, das dieser Tumor aufgrund einer Genmutation übermäßig bildet. Der Wirkstoff Crizotinib greift gezielt die Genmutation der ALK-Zellen an und blockiert sie. Die Tumorzelle kann sich daraufhin nicht mehr teilen und geht zugrunde. Eine einzige Tablette pro Tag genügt, um diesen sonst sehr aggressiven Tumor langfristig zu stoppen.

Moderne Medikamente gut verträglich

Anders als die Chemotherapie sind viele dieser modernen Medikamente gut verträglich, da sie ganz gezielt nur auf den individuellen Tumor wirken und gesunde Zellen verschonen. Früher oder später entwickelt der Krebs allerdings eine Resistenz gegen den Wirkstoff und beginnt erneut zu wachsen. Oft gibt es dann noch weitere Wirkstoffe, um ihn zu bekämpfen.

In jedem Fall gewinnen die so behandelten Patienten kostbare Lebenszeit und -qualität. Experten kritisieren, dass in Deutschland nur bei jedem dritten Lungenkrebspatienten eine Tumor-Genanalyse durchgeführt werde - in Frankreich dagegen bei 80 Prozent. Um sicherzustellen, nach den aktuellen medizinischen Möglichkeiten diagnostiziert und behandelt zu werden, sollten Lungenkrebspatienten spezialisierte Zentren oder Lungenkliniken aufsuchen.

Lungenkrebspatientin Anett R.: "So habe ich überlebt"

  • Ich bin innerhalb meines Umfeldes von Anfang an offen mit der Erkrankung umgegangen, verschweigen wäre viel zu anstrengend gewesen.

  • Hilfe in allen Lebensbereichen (zum Beispiel Gespräche, Organisatorisches, Kinderbetreuung) annehmen.

  • Ein Problem nach dem anderen angehen und nur Behandlungsentscheidungen fällen, mit denen man langfristig leben kann. Weil man dann weiß, warum man sich so entschieden hat. Aktiv informieren.

  • Nie an die Statistik glauben (danach bin ich längst tot!). Jeder Fall ist anders!

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Interviewpartner

Im Studio:
Prof. Dr. Eckart Laack
Facharzt für Innere Medizin, Hämatologie und Internistische Onkologe, Pneumologie, Palliativmedizin
Hämato-Onkologie Hamburg, Prof. Laack und Partner
Stader Straße 203c
21075 Hamburg
Tel. (040) 79 00 68 12
Fax (040) 79 00 68 11
E-Mail: suederelbe@haemato-onkologie-hh.de
und
Lehmweg 7
20251 Hamburg
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Fax (040) 280 06 56 11
E-Mail: hoheluft@haemato-onkologie-hh.de
Internet: www.haemato-onkologie-hh.de

Im Beitrag:
Priv.-Doz. Dr. Martin Reck
Chefarzt
Onkologie
LungenClinic Grosshansdorf GmbH
Wöhrendamm 80
22927 Großhansdorf
Tel. (04102) 601 21 01
Fax (04102) 601 71 01
Internet: www.lungenclinic.de

Dr. Markus Tiemann
Pathologe                          
Institut für Hämatopathologie Hamburg
Fangdieckstraße 75a
22547 Hamburg
Tel. (040) 707 08 53 00
Fax (040) 707 08 52 10
E-Mail: heukamp@hp-hamburg.de
Internet: www.haematopathologie-hamburg.de

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