Stand: 22.12.2015 12:42 Uhr

Mit dem Plasma-Pen Wunden heilen

Es heilt chronische Wunden, soll Krebszellen zum Absterben bringen und Zahnwurzelkanäle desinfizieren: künstlich hergestelltes Plasma. Obwohl das sogenannte Kalt-Plasma nur 30 Grad warm ist, tötet es Viren, Bakterien und Pilze innerhalb weniger Minuten ab.

Plasma-Pen

Wundheilung mit dem Plasma-Pen

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Plasma ist ionisiertes Gas, das zum Beispiel in Blitzen entsteht. Die Plasma-Energie wird in der Medizin genutzt - im Kampf gegen Hautwunden und in der Krebsforschung.

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Was ist Plasma eigentlich?

Plasma (griechisch: das Formbare) wird auch als vierter Aggregatzustand bezeichnet. Einfach erklären lässt sich das am Beispiel von Wasser: Als Eis ist Wasser ein fester Körper. Führt man ihm Energie in Form von Wärme zu, wird es flüssig und schließlich gasförmig. Wird einem Gas Energie zugeführt, entsteht ein Plasma. In diesem Zustand, lösen sich äußere Elektronen von den Gasatomen oder -molekülen. In einem Plasma bewegen sich Atome oder Moleküle, Ionen (Atome, denen ein Elektron fehlt oder auch mehrere) und Elektronen frei umher und wirken aufeinander ein.

Ein Plasma ist also ein ionisiertes Gas, das als elektrisch leitendes Medium besondere Eigenschaften besitzt. Materie im Plasmazustand findet sich in der Sonne und in den Sternen. Aber auch der von der Sonne ausgehende Sonnenwind und die geladenen Teilchen, die im Magnetfeld der Erde gefangen sind, bilden Plasmen.

Die in der Medizin verwendeten Niedertemperatur-Plasmen sind nur teilweise ionisierte Gase, deren freie Elektronen äußerst reaktionsfreudig sind.

Kampf gegen aggressive Keime

Bei Patienten mit offenen Beinen oder infizierten chronischen Wunden, bei denen keine andere Therapie mehr anschlägt, vernichtet das Kalt-Plasma die aggressiven Keime und regt die Heilung an. Nebenwirkungen sind in den bisherigen Studien nicht aufgetreten.

Zwar ist der Plasma-Pen, der nicht größer als ein Füller ist, als Medizinprodukt zugelassen, doch die Kassen übernehmen die Kosten der Behandlung noch nicht. Die Kosten ab zehn Euro, je nach Größe der Wunde und Dauer der Einzelbehandlung, pro Sitzung müssen die Patienten selbst bezahlen.

Weitere Anwendungsgebiete könnten hinzukommen

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Für Plasma-Behandlung bei Krebs fehlen noch Studien.

Forscher arbeiten derzeit daran, Plasma-Pens auch gegen multiresistente Keime einzusetzen, die sich durch Medikamente kaum bekämpfen lassen. Weitere Anwendungsgebiete sind in der Zukunft die Zahnheilkunde sowie die Behandlung von Tumoren in Zunge, Wangenschleimhaut und Gaumen. In Gewebeproben außerhalb des Körpers hat man festgestellt, dass das Plasma Krebszellen nicht sofort zerstört, aber es legt in ihnen quasi einen Schalter um, der sie letztendlich absterben lässt.

Während der Plasma-Pen in der Wundheilung im klinischen Alltag angekommen ist, erfordert der Einsatz gegen Krebs aber noch weitere Studien.

Interviewpartner im Beitrag:

PD Dr. Carsten Gutgesell
Hautarzt                                     
Berliner Allee 40c
22850 Norderstedt

Prof. Dr. Klaus-Dieter Weltmann
Direktor
Leiter Forschungsschwerpunkt Umwelt und Gesundheit

Prof. Dr. Thomas von Woedtke
Leiter Forschungsschwerpunkt Plasmamedizin/Dekontamination
Leibniz-Institut für Plasmaforschung und Technologie (INP) e.V.
Felix-Hausdorff-Straße 2
17489 Greifswald

Univ.-Prof. Dr. med. Dr. med. dent. Hans-Robert Metelmann Direktor
Klinik und Poliklinik für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie/Plastische Operationen
Universitätsmedizin Greifswald
Ferdinand-Sauerbruch-Straße DZ7
17475 Greifswald
Tel. (03834) 86 71 6
Fax (03834) 86 73 16

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