Sendedatum: 10.12.2013 20:15 Uhr

Mit Viren gegen multiresistente Bakterien

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Über 200 verschiedene Phagen lagern im Leibniz-Institut in Braunschweig.

Immer mehr Bakterien werden resistent gegen Medikamente, die Jahre lang gut gewirkt haben. Allein in Deutschland sterben jedes Jahr rund 30.000 Menschen an Infektionen mit Erregern wie MRSA, gegen die kein Antibiotikum hilft.

Im Kampf gegen solche multiresistenten Keime setzen Ärzte in den früheren Ostblockstaaten schon lange erfolgreich auf Viren, sogenannte Bakteriophagen. Phagen zerstören Bakterien: Es sind Viren, die auf ein bestimmtes Bakterium spezialisiert sind. Trifft ein Phage auf "sein" Bakterium, heftet er sich an dessen Zellwand und injiziert seine DNS.

Auf Befehl der Phagen-DNS produzieren die Bakterienzellen neue Phagen. Schließlich sind so viele dieser speziellen Viren im Bakterium, dass es platzt und die neuen Phagen freisetzt. Die wiederum greifen andere Bakterien an - bis schließlich alle Bakterien zerstört sind. Dann verschwinden auch die Viren, denn sie haben keinen Wirt mehr.

Wo kommen Phagen vor?

Phagen tummeln sich vor allem in Abwässern - dort wo auch Bakterien sind. Um die Phagen zu isolieren, wird das Wasser gefiltert. Anschließend werden sie vermehrt und ihre Wirksamkeit gegen Bakterien erprobt. Um diese Viren auch als Medikament zu nutzen, müssen sie in Studien getestet werden. Da es viele multiresistente Bakterien gibt und jeder Phage nur gegen ein bestimmtes Bakterium wirkt, sind viele teure und aufwendige Studien erforderlich.

Behandlung in Deutschland noch selten

Das Leibniz-Institut in Braunschweig hat die größte Phagensammlung in Deutschland zusammengetragen. Über 200 verschiedene Phagen lagern dort zu Forschungszwecken. In Deutschland wird die Phagentherapie bisher nur in Ausnahmefällen eingesetzt. Die Patienten tragen dabei die Kosten und der Arzt das Risiko, nicht zugelassene Medikamente einzusetzen.

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Interviewpartner im Beitrag:

Prof. Dr. Burkhard Wippermann
Chefarzt der Klinik für Unfall- und orthopädische Chirurgie, Endoprothetikzentrum
Klinikum Hildesheim
Senator-Braun-Allee 33
31135 Hildesheim
Tel. (05121) 894 22 02
Fax (05121) 894 22 05
E-Mail: u-chir@klinikum-hildesheim.de

Dr. Christine Rohde
Mikrobiologin
Dr. Johannes Wittmann
Mikrobiologe
Leibniz Institut DSMZ, Deutsche Sammlung von
Mikroorganismen und Zellkulturen GmbH
Inhoffenstraße 7b
38124 Braunschweig
Tel. (0531) 26 13 00
E-Mail: presse@dsmz.de

Dr. med. Jens Krannich
Facharzt für Orthopädie, Sportmedizin, Chirotherapie, 
Osteologe DVO
Ambulantes osteologisches Schwerpunktzentrum DVO
Reinhardsbrunner Straße 17
99894 Friedrichroda

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Visite | 10.12.2013 | 20:15 Uhr