Stand: 14.06.2016 14:34 Uhr

Mit Viren gegen multiresistente Bakterien

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Über 200 verschiedene Phagen lagern im Leibniz-Institut in Braunschweig.

Immer mehr Bakterien werden resistent gegen Antibiotika, die Jahre lang gut gewirkt haben. Im Kampf gegen solche multiresistenten Keime setzen Ärzte in den früheren Ostblockstaaten schon lange erfolgreich auf Viren, sogenannte Bakteriophagen.

Phagen Animation

Mit Phagen gegen multiresistente Keime

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In Deutschland sterben jedes Jahr Tausende Menschen an Infektionen mit Bakterien, gegen die kein Antibiotikum hilft. Im Kampf gegen die Erreger können Viren helfen.

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Phagen zerstören Bakterien: Es sind Viren, die auf ein bestimmtes Bakterium spezialisiert sind. Trifft ein Phage auf „sein“ Bakterium, heftet er sich an dessen Zellwand und injiziert seine DNS. Auf Befehl der Phagen-DNS produzieren die Bakterienzellen neue Phagen. Schließlich sind so viele dieser speziellen Viren im Bakterium, dass es platzt und die neuen Phagen freisetzt. Die wiederum greifen andere Bakterien an – bis schließlich alle Bakterien zerstört sind. Dann verschwinden auch die Viren, denn sie haben keinen Wirt mehr.

Wo kommen Phagen vor?

Phagen tummeln sich überall, wo Bakterien sind: in der Umwelt, auf unserem Körper und vor allem in Abwässern. Um die Phagen zu isolieren, wird das Wasser gefiltert. Anschließend werden sie vermehrt und ihre Wirksamkeit gegen Bakterien erprobt. Um diese Viren auch als Medikament zu nutzen, müssen sie in Studien getestet werden. Da es viele multiresistente Bakterien gibt und jeder Phage nur gegen ein bestimmtes Bakterium wirkt, sind viele teure und aufwendige Studien erforderlich.

Behandlung in Deutschland noch selten

Das Leibniz-Institut in Braunschweig hat die größte Phagensammlung in Deutschland zusammengetragen. Über 450 verschiedene Phagen lagern dort zu Forschungszwecken. In Deutschland wird die Phagentherapie bisher nur in Ausnahmefällen eingesetzt – als individueller Heilversuch, wenn alle anderen Maßnahmen versagt haben. Die Patienten tragen dabei die Kosten und der Arzt das Risiko, nicht zugelassene Medikamente einzusetzen.

Weitere Informationen

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12.10.2015 22:00 Uhr
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Mindestens 15.000 Menschen sterben jährlich an Keimen, die resistent gegen Antibiotika sind. Bisher harmlose Keime können gefährlich werden. Wie können wir uns schützen? mehr

Interviewpartner im Beitrag:

Prof. Dr. Burkhard Wippermann
Chefarzt der Klinik für Unfall- und orthopädische Chirurgie, Endoprothetikzentrum
Klinikum Hildesheim
Senator-Braun-Allee 33
31135 Hildesheim
Tel. (05121) 894 22 02
Fax (05121) 894 22 05
E-Mail: u-chir@klinikum-hildesheim.de
Internet: Internet: www.helios-kliniken.de/klinik/hildesheim/fachabteilungen/klinik-fuer-unfall-und-orthopaedische-chirurgie.html

Dr. Christine Rohde
Mikrobiologin
Dr. Johannes Wittmann
Mikrobiologe
Leibniz Institut DSMZ, Deutsche Sammlung von
Mikroorganismen und Zellkulturen GmbH
Inhoffenstraße 7b
38124 Braunschweig
Tel. (0531) 26 13 00
E-Mail: presse@dsmz.de
Internet: www.dsmz.de

Dr. Jens Krannich
Facharzt für Orthopädie
Arnoldiplatz 12
99867 Gotha

Dieses Thema im Programm:

Visite | 14.06.2016 | 20:15 Uhr