Stand: 04.07.2017 12:52 Uhr

Leberschäden: Wie Regeneration gelingen kann

Bild vergrößern
Die Leber ist das wichtigste Stoffwechselorgan im menschlichen Körper.

Die Leber ist das wichtigste Stoffwechselorgan des menschlichen Körpers. Sie entgiftet den Körper und produziert wichtige Blut-Eiweiße. Außerdem bildet das Organ die Gallenflüssigkeit und gibt sie zur Unterstützung der Fettverdauung an den Darm ab. Fällt die Leber aus, kann ihre Funktion noch nicht langfristig von Maschinen übernommen werden, wie es bei der Niere durch die Dialyse möglich ist. Kurzfristig können Leberersatzverfahren zum Beispiel bei akuten Vergiftungen durch Pilze eingesetzt werden - aber nur, wenn die Leber nicht vorgeschädigt ist.

Krankenbett.

Erstaunliche Regeneration bei Leberversagen

Visite -

Die Leber entgiftet, bildet Blut-Eiweiße und hilft bei der Fettverdauung. Alkoholmissbrauch und Entzündungen, aber auch falsche Ernährung und Bewegungsmangel können das Organ schädigen.

4,5 bei 4 Bewertungen

Mit von 5 Sternen

bewerten

Vielen Dank.

schließen

Sie haben bereits abgestimmt.

schließen

Doppelte Blutversorgung

Eine Besonderheit der Leber ist ihre doppelte Blutversorgung: Die Leberarterie versorgt das Organ mit sauerstoffreichem Blut. Zusätzlich liefert die Pfortader Blut aus dem Darm zur Leber. Im Pfortader-Blut finden sich Bestandteile der Nahrung, die in der Leber verarbeitet werden.

Alkoholmissbrauch kann zur Leberzirrhose führen

Alkoholmissbrauch oder eine chronische Entzündung (Hepatitis) können die Leber zerstören. Zunächst kommt es zu einer Leberfibrose, einer Bindegewebsvermehrung, von der sich das Organ wieder erholen kann. Im schlimmsten Fall entwickelt sich eine Leberzirrhose: Die Zellen des Organs sterben ab und an die Stelle des Lebergewebes tritt Bindegewebe. Die Form der Leber verändert sich, sie bildet Höcker und Knoten. Und sie wird kleiner, darum spricht man auch von einer "Schrumpfleber". Symptome wie Gelbfärbung der Haut, Gewichtsverlust oder starker Juckreiz der Haut deuten auf eine Leberzirrhose hin. Mit Blut- und Ultraschall-Untersuchungen kann die Erkrankung entdeckt werden. Um die Zerstörung der Leber aufzuhalten, muss die zugrunde liegende Ursache behoben beziehungsweise behandelt werden.

Manchmal hilft nur eine Transplantation

Eine Leberzirrhose kann den Stoffwechsel, den Hormonhaushalt und die Blutgerinnung beeinträchtigen. Giftstoffe werden nicht mehr ausreichend abgebaut. Arbeitet die Leber nicht mehr richtig, zieht das auch andere Organe in Mitleidenschaft. So kann ein stark erhöhter Kreatininwert der Nieren auf ein Leberversagen hinweisen. Außerdem wird der Blutstrom behindert, wenn sich die Leber durch die Bindegewebsbildung verändert: Es bilden sich neue Blutgefäße, die die Leber umgehen. In der Speiseröhre und im Bauchraum können Krampfadern entstehen, die unbehandelt leicht einreißen und dann zu lebensgefährlichen Blutungen führen können. Lässt sich die Leberzirrhose nicht stoppen, bleibt meist nur noch eine Organtransplantation.

Kortisontherapie bei alkoholbedingter Entzündung

Mithilfe von Kortison wird versucht, eine alkoholbedingte Hepatitis zu stoppen. Neue Studien haben gezeigt, dass die Kortisontherapie die Überlebenschancen um fünf Prozent verbessert. Im Gegensatz zu den meisten anderen Organen kann sich die Leber durchaus erholen - allerdings kann das recht lange dauern. Entscheidende Voraussetzungen dafür sind absoluter Alkoholverzicht, eine gesunde Ernährung und viel Bewegung.

Auf gute Nährstoffversorgung achten

Müdigkeit und Muskelschwäche bei Leber-Patienten sind ein Hinweis auf eine Mangelernährung, bei der Mineralstoffe, Vitamine und Eiweiße fehlen. Erkrankte sollten daher auf eine gute Energie- und Nährstoffversorgung achten. Anders als früher wird heute eine eiweißreiche Ernährung empfohlen. Wichtig sind auch ballaststoffreiche Vollkornprodukte und Gemüse, mageres Fleisch, Fisch und gute Pflanzenfette, denn der Kohlenhydrat- und Fettstoffwechsel ist bei Leber-Patienten gestört. Schon nach kurzen Hungerphasen schaltet der Stoffwechsel auf Fettverbrennung um. Betroffene müssen darum mehrere kleine, kohlenhydratreiche Mahlzeiten über den Tag verteilt essen sowie einen Imbiss vor dem Schlafen einnehmen (zum Beispiel Trinknahrung). Bei einer Leberschädigung sollten alle alkoholischen Getränke streng gemieden werden. Auch alkoholhaltige Arzneimittel, Stärkungsmittel oder Pralinen sind verboten.

Fettleber verursacht kaum Beschwerden

Eine Fettleber verursacht im Gegensatz zur Leberzirrhose in der Regel kaum Beschwerden und wird meist nur zufällig bei einer Ultraschalluntersuchung des Oberbauches oder bei einer Blutuntersuchung (Erhöhung der Transaminasen) entdeckt. Kommt es durch eine Fettleberentzündung zu einem Gallenstau in der Leber, können Symptome wie starker Juckreiz und eine Gelbfärbung der Augen und der Haut auftreten. Bei der Entstehung der Fettleber spielen vor allem Bewegungsmangel und falsche Ernährung eine wichtige Rolle, insbesondere ein zu hoher Anteil von Kohlenhydraten in der Nahrung: Aus Kohlenhydraten baut die Leber eine einzige Fettsäure, die Palmitinsäure. Sie lässt den Cholesterinspiegel viel stärker ansteigen als Fett im Essen.

Weitere Informationen
mit Video

Fettleber mit gesunder Ernährung heilen

An einer Fettleber können auch schlanke Menschen erkranken. Mögliche Folgen: Nierenschwäche, Krebs und Diabetes. Mit dieser Ernährung schützen Sie die Leber. mehr

Leberfreundliche Ernährung kann Fettleber heilen

Um die Leberverfettung zu stoppen und das Organ zu entlasten, müssen die Patienten vor allem ihr Gewicht reduzieren. Dann kann sich die Fettleber auch wieder zurückbilden. Dabei hilft eine leberfreundliche Ernährung mit Omega-3-Fettsäuren und nur wenigen, komplexen Kohlenhydraten, also eine kalorienreduzierte, kohlenhydratarme, eiweißreiche und fettmodifizierte Diät. Vorsicht ist bei Obst und Fruchtsäften geboten, denn der darin enthaltene Fruchtzucker (Fruktose) steigert die Fetteinlagerung in der Leber und fördert Entzündungen. Reicht die Änderung des Lebensstils mit viel Bewegung und lebergesunder Ernährung nicht aus, um ein starkes Übergewicht mit Leberverfettung in den Griff zu bekommen, kann eine sogenannte bariatrische Operation (zum Beispiel ein Magenbypass) sinnvoll sein, um die Leber nachhaltig zu entlasten und die Entwicklung eines Diabetes mellitus aufzuhalten.

Interviewpartner

Interviewpartner im Beitrag:
Dr. Th. Till Wissniowski, Internist, Gastroenterologe, Infektiologe
Oberarzt Klinik für Gastroenterologie, Endokrinologie, Stoffwechsel und klinische Infektiologie
Leiter der Abteilung Hepatologie
Universitätsklinikum Gießen Marburg, Standort Marburg
Baldingerstraße, 35043 Marburg
Tel. (06421) 58-664 60
Internet: www.ukgm.de

Dr. Dorothee Sundermeyer, Fachärztin für Allgemeinmedizin, Naturheilverfahren-Akupunktur, Lehrärztin der Philipps-Universität Marburg
Michelbacher Straße 47, 35041 Marburg-Michelbach
Internet: http://praxis-michelbach.de

Weitere Informationen:
Gastro-Liga e.V.
Friedrich-List-Straße 13, 35398 Gießen
Internet: www.gastro-liga.de

Deutsche Leberstiftung
Barkhovenallee 1, 45239 Essen
Geschäftsstelle: Carl-Neuberg-Straße 1, 30625 Hannover
Telefonsprechstunde Tel. 01805-45 00 60 (Mo-Do 14-16 Uhr)
Internet: www.deutsche-leberstiftung.de

Ratgeber:
Michael Ackermann: So schnell stirbt’s sich nicht!
200 Seiten, Eigenverlag, 12,95 Euro
erhältlich über Michael Ackermann:
E-Mail: acki1962@googlemail.com
oder Internet: www.micha-ackermann.de/

Deutsche Leberstiftung:
Das Leber-Buch: Wie halte ich meine Leber gesund?. Neue Therapien und Stand der Forschung. Die Leber von A bis Z.
160 S., Schlütersche (3. Auflage; 2016), 16,99 Euro

Dieses Thema im Programm:

Visite | 04.07.2017 | 20:15 Uhr

Mehr Ratgeber

01:52

Sortenvielfalt: Ein Verein im Dienst der Tomate

22.10.2017 19:30 Uhr
Hamburg Journal
29:38

So isst der Norden: Küchenklassiker auf Sylt

22.10.2017 16:30 Uhr
Sass: So isst der Norden
03:23

Wanderung durchs Mönchguter Land

21.10.2017 18:00 Uhr
Nordtour