Stand: 23.09.2014 20:15 Uhr  | Archiv

Sport hilft gegen Krebs

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Wichtig ist, dass der Sport den Betroffenen auch Spaß macht.

Wer regelmäßig Sport treibt, kann nach bisherigen Erkenntnissen sein Risiko, an Krebs zu erkranken, senken. Bei Krebspatienten sinkt mit regelmäßiger Bewegung das Rückfallrisiko. Das gilt besonders für Betroffene, die vor der Diagnose sportlich nicht aktiv waren. Bei ihnen reduziert körperliche Aktivität das Risiko für einen erneuten Ausbruch der Erkrankung. Zu diesem Ergebnis kommen aktuelle Studien.

Sport hilft gegen chronische Erschöpfung

Besonders gut erforscht ist diese Wirkung für Brust-, Darm- und Prostatakrebs. Aber auch bei Leukämie konnten positive Effekte nachgewiesen werden. Im Rahmen der Studien hat sich auch gezeigt, dass körperliche Aktivität typische Nebenwirkungen wie Müdigkeit und Antriebslosigkeit durch Chemo-, Strahlen- oder antihormonelle Therapien reduzieren kann. Wissenschaftler des Krebsforschungszentrum Heidelberg konnten nachweisen, dass körperlich aktive Brustkrebspatientinnen wesentlich weniger an Fatigue, also der chronischen Erschöpfung bei Krebs, leiden.

Positiver Einfluss auf die Psyche

Sport verbessert nicht nur die körperliche Leistungsfähigkeit, sondern hat auch einen positiven Einfluss auf die Psyche. Das Selbstbewusstsein wird gestärkt und die Lebensqualität insgesamt gesteigert. Feste Trainingszeiten sorgen für eine Struktur im Alltag und lenken die Gedanken von der Krebserkrankung ab. Auch der Austausch mit Menschen, die das gleiche Schicksal teilen, kann sich positiv auf das Wohlbefinden auswirken. Dabei ist es wichtig, den Trainingsplan individuell an die körperlichen Möglichkeiten der Betroffenen anzupassen. Denn gerade Brustkrebspatientinnen haben Angst, ihren Körper zu belasten und trotz der empfindlichen Operationsnarben zu trainieren.

Genaue Vorgänge im Körper noch unbekannt

Die biologischen Vorgänge, warum Sport diesen unmittelbaren Einfluss auf Krebserkrankungen hat, sind weitestgehend unbekannt. Das liegt vor allem daran, dass die Krebsentstehung ein komplexer Vorgang ist. Sicher ist, dass Sport den Stoffwechsel anregt und dabei hilft, ein gesundes Körpergewicht zu halten. Außerdem vermuten Wissenschaftler, dass Sport Reparaturmechanismen der Erbsubstanz verbessert, den Insulinspiegel senkt und die Menge entzündlicher Botenstoffe reduziert. Bei Frauen mit hormonabhängigen Tumoren wird messbar der Östrogenspiegel im Blut gesenkt.

Besonders vorteilhaft ist dabei die Kombination aus Kraft-, Ausdauer und Koordinationstraining. Egal welche Sportart ausgeübt wird, wichtig ist vor allem auch, dass diese Freude bereitet. Denn auch die Psyche hat einen großen Einfluss auf das allgemeine Wohlbefinden und das Immunsystem. 

Interviewpartner:

Dr. phil. Thorsten Schmidt
Sportwissenschaftler M.A.
Leiter der Supportivangebote Sport- und Bewegungstherapie
Krebszentrum Nord CCC
Universitätsklinikum Schleswig-Holstein, Campus Kiel
c/o Klinik für Gynäkologie und Geburtshilfe, Onkologie
Arnold-Heller-Straße 3
24105 Kiel
Tel. (0431) 597 2180
E-Mail: thorsten.schmidt@uksh.de
Internet: www.uksh.de/krebszentrum

Interviewpartner im Beitrag:

Prof. Dr. Cornelia Ulrich
Direktorin Nationales Centrum für Tumorerkrankungen (NCT) Heidelberg
Deutsches Krebsforschungszentrum (DKFZ)
Im Neuenheimer Feld 460
69120 Heidelberg
Tel. (06221) 56 52 30
Fax: (06221) 56 52 31
Internet: www.nct-heidelberg.de

Prof. Dr. Karen Steindorf
Leiterin der Arbeitsgruppe Bewegung und Krebs
Nationales Centrum für Tumorerkrankungen (NCT) Heidelberg
Im Neuenheimer Feld 460
69120 Heidelberg
E-Mail: k.steindorf@dkfz.de
Internet: www.nct-heidelberg

Dr. Jochen Wiskemann
Co-Leiter  der Arbeitsgruppe Bewegung und Krebs
Nationales Centrum für Tumorerkrankungen (NCT) Heidelberg
Im Neuenheimer Feld 460
69120 Heidelberg
E-Mail: joachim.wiskemann@nct-heidelberg.de
Internet: www.nct-heidelberg

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