Stand: 29.07.2014 20:15 Uhr  | Archiv

Hilfe - Kreuz verrenkt!

Etwa zwölf Prozent der Deutschen leiden täglich an Rückenschmerzen. Die Ursachen der Beschwerden sind vielfältig. In den meisten Fällen sind Bandscheibenvorfälle, Verrenkungen der Wirbelgelenke und eine Über- oder Fehlbelastung der Muskulatur durch Fehlhaltungen Schuld an den Beschwerden. Schon eine unachtsame, ruckartige Bewegung kann ausreichen, untrainierte Muskeln zu überfordern und das System aus dem Gleichgewicht zu bringen. 80 Prozent der Rückenschmerzen sind muskuläre Schmerzen.

Wärme und Massagen beheben nicht die Ursache

Mithilfe spezieller Techniken und  Handgriffe aus der Chiropraktik können kleine Wirbelgelenke wieder eingerenkt und Funktionsstörungen zwischen Knochen, Muskulatur und Nerven behoben, Blockaden gelöst sowie verhärtete und verkürzte Muskulatur gedehnt und entlastet werden. Wärmeanwendungen und Massagen wirken entspannend, beheben aber nicht die Ursache der Beschwerden. Sie eignen sich allerdings gut als auflockernde Vorbereitung für ein muskelkräftigendes Training.

Wann sind Schmerzmedikamente sinnvoll?

In der Akutphase der Beschwerden ist der Einsatz von Schmerzmedikamenten meist unerlässlich, damit eine möglichst schmerzfreie Mobilität des Betroffenen erhalten bleibt. Denn auf Dauer lindert nur ein muskelkräftigendes und bewegungsförderndes Training insbesondere der Bauch- und Rückenmuskulatur die Beschwerden.

Was ist das funktionale Rückentraining?

Als eine der effektivsten Maßnahmen zur Vorbeugung und Behandlung von Rückenschmerzen gilt mittlerweile das funktionelle Rückentraining. Statt einzelne Muskeln isoliert zu trainieren, werden dabei ganze Muskelgruppen und komplexe Bewegungsabläufe mithilfe des eigenen Körpergewichtes trainiert. Unter Ausnutzung der Schwerkraft werden vor allem die tiefliegenden, die Wirbelsäule stabilisierenden Muskelgruppen trainiert und ihr Zusammenspiel optimiert.

Ziel ist die Wiederherstellung eines ausgewogenen Gleichgewichts zwischen Beweglichkeit und Stabilität. Dabei wird zum Beispiel auf sogenannten Wackelbrettern das Zusammenspiel von Bewegungssensoren, Muskeln, Gelenken und dem Gehirn trainiert. Durch die instabile Grundlage müssen viele verschiedene Muskeln im Bereich des Rumpfes permanente Korrekturbewegungen durchführen um das Gleichgewicht zu halten. Ziel des Trainings ist es, diese Muskulatur zu kräftigen und ihre Reaktionsgeschwindigkeit zu verbessern. Die dadurch gewonnen Stabilität sorgt für eine Schmerzlinderung und im besten Fall sogar zu einer Schmerzfreiheit.

Betroffene müssen Angst vor Bewegung verlieren

Wichtig ist daher, dass die Betroffenen die Angst vor der Bewegung verlieren. Denn die beste Therapie bei Rückenschmerzen ist Bewegung: Verspannte Muskulatur wird gelockert und geschwächte Muskulatur wird gekräftigt. Schonung hingegen führt zu einem Kraftverlust, der Fehlhaltungen nach sich zieht und dadurch zu noch größeren Schmerzen führt.

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Interviewpartner im Studio:

Dr. Horst Danner
Leitender Arzt der Stationären Orthopädie und der Ambulanten Orthopädischen Rehabilitation
RehaCentrum Hamburg
Heidenkampsweg 41
20097 Hamburg
Tel. (040) 253 06 30
Fax (040) 253 06 33 99
Internet: www.rehahamburg.de

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