Stand: 08.02.2016 14:31 Uhr  | Archiv

Frauenherzen schlagen anders

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Ein Infarkt wird bei Männern meist schneller erkannt als bei Frauen.

Frauen sterben doppelt so häufig am Herzinfarkt wie Männer. Der Grund dafür ist, dass der Infarkt bei Männern meist schneller erkannt und behandelt wird, da sie über typische Beschwerden wie Brustenge und ausstrahlende Schmerzen in den rechten Arm klagen. Bei Frauen dagegen kann sich ein Herzinfarkt ganz anders bemerkbar machen: durch plötzlich auftretende Symptome wie Schmerzen zwischen den Schulterblättern sowie in Hals und Nacken, starke Beschwerden im Kiefer, Kopf- und Oberbauchschmerzen, Schweißausbrüche und Übelkeit.

Gefährlicher Zeitverlust bei der Behandlung

Doch leider wissen das immer noch zu wenige Frauen. Und auch von den Ärzten werden diese Symptome häufig falsch gedeutet. Im Durchschnitt kommen Frauen mit Herzbeschwerden eine halbe Stunde später in die Klinik als Männer. Obwohl in dieser Situation jede Minute zählt, verzögert sich so der Behandlungsbeginn.

Statt einer sofortigen Wiedereröffnung des verschlossenen Herzkranzgefäßes mit dem Herzkatheter bekommen Frauen oft zunächst Spritzen gegen Übelkeit, Schmerztabletten oder Asthmaspray gegen die Luftnot. So geht viel Zeit verloren, denn sind Gefäße im Herzen verstopft, wird der Muskel nicht mehr richtig und ausreichend mit Sauerstoff und Blut versorgt und das Herzmuskelgewebe stirbt ab.

Herzinfarktzeichen weniger stark ausgeprägt

Hinzu kommt, dass die typischen Infarktzeichen im EKG und die Laborwerte bei Frauen oft viel weniger ausgeprägt sind als bei Männern. Die Folge: Frauen werden oft nicht so intensiv und gut behandelt, eher wieder weggeschickt.

Dabei sind Herz-Kreislauf-Erkrankungen auch bei Frauen die häufigste Todesursache. Während die Sterberate bei Männern seit Jahren zurückgeht, ist sie bei Frauen unverändert hoch. Das liegt auch am geänderten Risikoverhalten: Männer verzichten inzwischen immer mehr auf Zigaretten, Frauen dagegen rauchen heute mehr als früher, hinzu kommen weitere Risikofaktoren wie die Antibabypille, Bluthochdruck und Übergewicht.

Und: Ein Frauenherz pumpt nicht nur anders, auch die Gefäße sind unterschiedlich. Durchmesser und Fläche der Arterien sind bei Frauen kleiner und dünner, sie verlaufen häufiger geschlängelt, neigen auch vermehrt zu Rissen. Warum die Beschwerden so unterschiedlich und diffus sind, ist noch nicht geklärt.

Frauen reagieren anders auf Medikamente

Auch bei der vorbeugenden Behandlung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen gibt es große Unterschiede, denn Frauen reagieren anders auf Medikamente. Eine große Studie hat gezeigt: Aspirin wirkt bei Männern präventiv, bei Frauen dagegen überhaupt nicht. Bei Digitalis-Präparaten leiden Frauen unter deutlich stärkeren Nebenwirkungen als Männer - bis hin zu Todesfällen, wenn die Dosierung nicht an das Geschlecht angepasst wird.

Weitere Informationen

"Es ist wichtig, Herzrhythmusstörungen zu dokumentieren"

Ist ein Ziehen im Brustkorb bedenklich? Und wie kann man einen Herzinfarkt feststellen? Diese und weitere Fragen hat Kardiologin Dr. Renate Schnabel am 12. Juni 2013 im Visite-Chat beantwortet. mehr

Interviewpartner im Beitrag:

Im Studio:
Prof. Dr. Steffen Desch
Kardiologe
Stellvertretender Klinikdirektor, Leitender Oberarzt
Medizinische Klinik II/Kardiologie, Angiologie, Intensivmedizin
Universitätsklinikum Schleswig-Holstein, Campus Lübeck
Ratzeburger Allee 160
23538 Lübeck
Tel. (0451) 500 25 01
Internet: www.innere2-luebeck.uk-sh.de

Im Beitrag:
PD Dr. Renate Schnabel
Fachärztin für Innere Medizin
Oberärztin Klinik und Poliklinik für Allgemeine und Interventionelle Kardiologie
UKE Herzzentrum
Martinistraße 52
20246 Hamburg
Internet: www.uke.de/kliniken/kardiologie

Dr. Melanie Hümmelgen
Fachärztin für Innere Medizin und Kardiologie
Leitende Ärztin der Kardiologischen Abteilung
RehaCentrum Hamburg
Martinistraße 66
20246 Hamburg
Tel. (040) 253 06 30
Internet: www.rehahamburg.de

Dieses Thema im Programm:

Visite | 09.02.2016 | 20:15 Uhr

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