Stand: 13.10.2015 15:42 Uhr  | Archiv

Glaukom: Ist eine Vorsorge sinnvoll?

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Viele Experten raten dazu, sich ab dem 40. Lebensjahr untersuchen zu lassen.

Vielen Patienten wird beim Augenarzt eine Grüner-Star-Früherkennung (Glaukomfrüherkennung) angeboten, die sie selbst bezahlen müssen. Denn diese Vorsorgeuntersuchung gehört zu den sogenannten Individuellen Gesundheitsleistungen (IGeL), deren Kosten die gesetzlichen Krankenkassen nicht übernehmen. Die Untersuchung besteht aus einem kurzen Luftstoß auf die Hornhaut und einem prüfenden Blick des Augenarztes ins Auge. So soll ein erhöhter Augeninnendruck erkannt werden.

Gefahr der Erblindung

Meist wird der Grüne Star durch einen erhöhten Druck im Augapfel ausgelöst, der vor allem durch einen Abflussstau in der vorderen Augenkammer entstehen kann. Steigt der Druck im Auge, kann das den Sehnerv schädigen, zu zunehmenden Gesichtsfeldausfällen und schließlich zur Erblindung führen. Allerdings zeigt der Augeninnendruck allein nicht sicher, ob sich ein Glaukom entwickelt. Nur in Kombination mit einer - ebenfalls kostenpflichtigen - Gesichtsfeld- und Sehnervkontrolle sei die Untersuchung tatsächlich aussagekräftig, sagen Experten.

Expertenmeinungen gehen auseinander

Viele Experten raten dazu, sich ab dem 40. Lebensjahr untersuchen zu lassen. Denn wird der Grüne Star rechtzeitig erkannt, lässt er sich mit Augentropfen aufhalten. Für die Ärzte ist diese Früherkennung in jedem Fall lukrativ: Nach Schätzungen der Krankenkassen werden pro Jahr drei Millionen dieser Untersuchungen durchgeführt, mit unterschiedlichem Aufwand und zu unterschiedlichen Preisen.

Wie sinnvoll das ist, ist unter Fachleuten umstritten. Während Verbraucherschützer hier von einem "Geschäft mit der Angst" sprechen, weisen Augenärzte darauf hin, dass allein in Deutschland 800.000 Menschen unter dem Grünen Star leiden und rund 1.000 Patienten pro Jahr erblinden. Doch für den Erfolg der Früherkennung gebe es keinen wissenschaftlichen Beleg, sagen Experten der Internetplattform "IGel-Monitor", die die Untersuchung unter die Lupe genommen und dabei keine Studie gefunden hätten, die belegt, dass die Druckmessung wirklich sinnvoll ist. Die Untersuchung sei also nicht unbedingt nötig.

Wann werden die Kosten übernommen?

Laut Igel-Monitor gibt es keine wissenschaftlichen Belege, dass die Früherkennung mit Augeninnendruckmessung, Augenspiegelung und die Untersuchung des Sehnervs, tatsächlich dazu führt, dass weniger Menschen erblinden oder ein schweres Glaukom entwickeln. Dem widerspricht Augenärztin Prof. Dr. Maren Klemm vom Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf: "Gerade in den USA sind groß angelegte Studien durchgeführt worden. Die beweisen, dass, je eher ein Glaukom behandelt wird, desto besser ist die Prognose für das Glaukom - über Jahrzehnte berechnet.“ Deshalb empfiehlt die Medizinerin die Früherkennung auf jeden Fall allen Risikogruppen. Das sind zum Beispiel Menschen mit extremer Kurzsichtigkeit, Diabetes, Bluthochdruck oder Personen, die eine längere Kortisonbehandlung hinter sich haben. Außerdem gehören Menschen mit einer familiären Vorbelastung dazu.

Für viele dieser Risikogruppen bezahlen die Kassen die Früherkennung. Bevor man also die Zusatzleistung aus eigener Tasche bezahlt, sollte man bei der Krankenkasse nachfragen, ob die Kosten übernommen werden. Bei einem entsprechenden Risiko kann auch der Hausarzt zur Glaukom-Untersuchung überweisen.

Weitere Informationen

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Interviewpartner im Beitrag:

Prof. Dr. Maren Klemm
Komm. Ärztliche Direktorin
Klinik und Poliklinik für Augenheilkunde
Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf
Martinistraße 52
20246 Hamburg
Internet: www.uke.de

Christoph Kranich
Diplom-Pädagoge
Fachabteilung Gesundheitsdienstleistungen
Verbraucherzentrale Hamburg
Kirchenallee 22
20099 Hamburg
Tel. (040) 24 83 20
Fax (040) 24 83 22 90
Internet: www.vzhh.de

Thomas Bott
Reginaldirektor Hamburg
AOK Rheinland/Hamburg
Internet: www.aok.de

Dr. Christian Weymayr
Projektleiter IGeL-Monitor
Internet: www.igel-monitor.de

 

Dieses Thema im Programm:

Visite | 13.10.2015 | 20:15 Uhr

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