Stand: 02.10.2017 08:58 Uhr

Fragen und Antworten zum biologischen Alter

Das Alter, das in unserem Personalausweis steht, sagt wenig darüber aus, wie fit und gesund unser Körper ist: Unser biologisches Alter kann deutlich jünger oder aber auch älter sein. Doch wie beeinflussen wir unser biologisches Alter? Und warum altern wir überhaupt? Fragen und Antworten zum Thema Alter.

Warum altern wir?

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Neben einer gesunden Ernährung ist Bewegung besonders wichtig, um das biologische Alter zu senken.

Die sogenannte Alternsforschung ist vergleichsweise jung: Erst seit rund 25 Jahren werden die molekularbiologischen Ursachen des Alterns untersucht. Eine Theorie dazu ist, dass unsere körpereigenen Reparatursysteme im Alter nicht mehr so gut funktionieren wie in jungen Lebensjahren. Schäden an unserer DNA, die zum Beispiel durch Rauchen oder UV-Licht entstehen, können dann vom Körper nicht mehr so leicht behoben werden. Die Folge ist, dass sich Schäden im Körper anhäufen und die Zellfunktion beeinträchtigt wird. Das führt dazu, dass sich typische Alters-Krankheiten wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Krebs, Diabetes oder Demenz entwickeln können. Mehr als die Hälfte der 65-Jährigen hat heute mindestens eine dieser Krankheiten. "Es ist das Problem des Alterns, dass sich verschiedene Krankheiten gleichzeitig einstellen", sagt Alternsforscher Professor Björn Schumacher vom Forschungszentrum CECAD der Universität Köln. Daher gehe es auch nicht darum, eine Krankheit nach der anderen zu therapieren, sondern ihre Entstehung zu verhindern und beim Alterungsprozess selbst anzusetzen.

Was ist das biologische Alter?

Im Gegensatz zum biografischen Alter, das in unserem Pass steht, ist mit dem biologischen Alter der Zustand unseres Körpers gemeint. Menschen, die im selben Jahr geboren sind, haben sich im Laufe der Zeit unterschiedlich entwickelt und sehen auch unterschiedlich alt aus - ihr biologisches Alter kann sich um Jahre unterscheiden. Bestimmt wird das biologische Alter von verschiedenen Faktoren. Zum einen spielen die Gene eine Rolle und damit auch die Veranlagung, bestimmte Krankheiten zu entwickeln. Allerdings ist ihr Einfluss nicht so groß, wie man gemeinhin annimmt. "Zu zwei Dritteln haben wir es selbst in der Hand, unser Krankheitsrisiko zu senken und unsere gesunde Lebenszeit zu verlängern", sagt Alternsforscher Björn Schumacher.

Wie schnell ein Mensch altert, hängt stark von der Lebensweise und der Einstellung zu Ernährung, Sport und Bewegung ab. Daneben hat auch das soziale Umfeld eines Menschen großen Einfluss auf das eigene Wohlbefinden und das Ticken der biologischen Uhr. Menschen, die in einem stabilen Umfeld leben und viele Freunde und Freizeitaktivitäten haben, sind oft glücklicher und ausgeglichener und damit auch gesünder.

Wie misst man das biologische Alter?

Eine einfache Formel, mit der sich das biologische Alter messen lässt, gibt es nicht, denn viele Faktoren spielen dabei eine Rolle. Aus medizinischer Sicht spielen vor allem das Gewicht, Blutdruck und Ruhepuls sowie Faktoren wie Körperfettanteil und Wasserhaushalt eine Rolle, um zu beurteilen, wie fit ein Mensch ist. Auch mithilfe von Krafttests kann der körperliche Zustand eines Menschen beurteilt werden. Wer sein biologisches Alter herausfinden will, sollte sich zunächst einem Gesundheitscheck beim Arzt unterziehen.

Was kann ich tun, um mein biologisches Alter zu senken?

Wer körperlich fit ist, hält auch seine inneren Organe jung. Regelmäßige Bewegung wirkt sich positiv auf Herz und Lunge aus, eine ausgewogene Ernährung mit viel Obst und Gemüse, gesunden Fetten und wenig Zucker beugt zum Beispiel Übergewicht und einer Arterienverkalkung vor. Mit Sport und guter Ernährung kann der Alterungsprozess zwar nicht gestoppt, aber doch verlangsamt werden. Letztlich ist es immer eine Kombination aus angeborenen Voraussetzungen und äußeren Faktoren, die das Ausmaß und die Geschwindigkeit des Alterns bestimmen.

Welche Faktoren verkürzen unser Leben?

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Wer täglich zehn Zigaretten oder mehr raucht, verkürzt sein Leben um zehn Jahre.

Wir können unsere Lebenszeit durch unseren Lebenswandel allerdings massiv verkürzen: Wer täglich zehn oder mehr Zigaretten raucht, stirbt fast zehn Jahre früher. Wer sich jeden Tag vier Gläser Bier gönnt, büßt drei Jahre seines Lebens ein. Und wer sich schlecht ernährt, übergewichtig ist und viel auf der Couch lümmelt, statt sich zu bewegen, verkürzt sein Leben noch einmal um fünf Jahre. Zucker schadet unserem Körper wissenschaftlichen Erkenntnissen zufolge mehr als bisher angenommen. Denn er macht nicht nur dick, sondern geht mit Proteinen im Körper eine verhängnisvolle Bindung ein und verklebt diese miteinander, wie der Anti-Aging-Experte Professor Bernd Kleine-Gunk erklärt. Diese Glykolisierungsprozesse können zum Beispiel in Gefäßen zu Bluthochdruck und Verengungen führen. Auch Fettpolster sind gefährlich, denn Fett ist ein Produktionsort von sogenannten Zytokinen. Das sind Stoffe, die in unserem Körper chronisch niederschwellige Entzündungen auslösen können - und die wiederum lassen uns altern. Negativ auf den Alterungsprozess wirkt sich auch Stress aus.

Was ist oxidativer Stress?

In unserem Körper entstehen als Abfallprodukte unseres Stoffwechsels aggressive Moleküle, sogenannte freie Sauerstoff-Radikale. Sie können unsere Körperzellen schädigen. Sind zu viele davon im Blut, leiden wir an oxidativem Stress. Der Körper schüttet dann zwar Stoffe aus, die die freien Radikale neutralisieren - die sogenannten körpereigenen Antioxidantien. Die werden im Alter aber weniger. Die Folge: Der oxidative Stress nimmt zu. Dem können wir mit Ernährung entgegenwirken. Antioxidantien stecken zum Beispiel in Obst und Gemüse. Sie fangen die freien Radikale ein. Und sogar Rotwein kann helfen, sie unschädlich zu machen: "Rotwein aktiviert sogenannte Sirtuine, das sind Langlebigkeitsenzyme. Die machen zum Beispiel eine DNA-Reparatur, eine Art zellulären Hausputz, indem sie den molekularen Abfall in unseren Zellen beseitigen", sagt Kleine-Gunk. Ein Glas Rotwein täglich kann also helfen. Mehr schadet allerdings eher, als dass es hilft, denn Alkohol an sich ist ungesund.

Welchen Einfluss hat Sport auf das biologische Alter?

Unsere Muskelmasse baut sich ab dem Alter von etwa 30 Jahren automatisch ab - es sei denn, wir steuern dem durch Sport entgegen. Vor allem Krafttraining lässt die Muskelmasse wieder wachsen. Aber auch Ausdauertraining ist wichtig: Schon 30 Minuten Bewegung am Tag stärken das Herz-Kreislauf-System und verlangsamen unseren Zellverfall, genauer gesagt, das Schrumpfen der Telomere.

Was sind Telomere?

Die Telomere sind die Endkappen unserer Chromosomen und schützen diese vor Schäden aller Art, etwa durch oxidativen Stress oder freie Radikale. Bei jeder Zellteilung werden die Telomere kürzer und wir altern. Sind die Telomere aufgebraucht, kann sich die Zelle nicht mehr teilen und stirbt ab. "Telomere sind so etwas wie die biologische Uhr jeder Körperzelle", erklärt Anti-Aging-Mediziner Kleine-Gunk. "Aber diese biologische Uhr lässt sich beeinflussen. Sie lässt sich teilweise auch zurückdrehen. Durch Sport verlängern sich die Telomere wieder und das ist tatsächlich gut fürs biologische Altern." Ebenso beeinflussen können wir die Telomere durch eine gesunde Ernährung.

Welche Rolle spielt die Lebenseinstellung?

Auch Verhaltensweisen und soziale Interaktion spielen für unser biologisches Alter eine Rolle. "Alleine, wenn ich eine positive Einstellung habe, gewinne ich 7,5 Jahre", sagt Professor Sven Voelpel, Autor und Altersforscher an der Jacobs University Bremen. Auch eine glückliche Partnerschaft kann helfen, das Leben zu verlängern. Denn zärtliche Zweisamkeit sorgt dafür, dass der Körper Glückshormone ausschüttet, die uns um einiges länger leben lassen.

Wie alt können wir überhaupt werden?

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Die geistige Leistungsfähigkeit von Menschen ist lange unterschätzt worden. Bei Gedächtnisleistungen, die an die Erfahrung anknüpfen, können die Älteren punkten.

Forscher gehen davon aus, dass wir unter optimalen Bedingungen 125 Jahre alt werden können. Schon heute sind die 75-Jährigen um einiges fitter als die 75-Jährigen von vor 20 Jahren. "Sie sind geistig fitter, sie berichten höheres Wohlbefinden, sie sind glücklicher und zufriedener, weniger einsam und nehmen ihr Leben als weniger fremdbestimmt wahr", sagt der Psychologe Professor Denis Gerstorf von der Humboldt-Universität Berlin.

Was ist kristalline Intelligenz?

Vor allem die geistige Leistungsfähigkeit von alten Menschen wurde lange unterschätzt. Zwar nehmen die schnelle Auffassungsgabe und das Erinnerungsvermögen - die sogenannte fluide Intelligenz - schon ab einem Alter von 25 Jahren ab. Die kristalline Intelligenz - die Allgemeinbildung und der Erfahrungsschatz - wächst aber. Ältere sind besser darin, komplexe Sachverhalte zu analysieren. Auch Fachwissen, soziale Kompetenz und Ausdrucksvermögen verbessern sich im Alter, denn die Lebenserfahrung zahlt sich aus. Die kristalline Intelligenz nimmt erst mit 60 oder später ab, bei manchen Menschen nie. Zufrieden sind vor allem die Alten, die aktiv sind, Sport treiben, sich sozial engagieren oder sogar noch arbeiten.

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Dieses Thema im Programm:

plietsch. | 09.10.2017 | 21:00 Uhr

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