Stand: 04.07.2017 11:14 Uhr

Erste Hilfe: So retten Sie Leben

Es passiert in Deutschland 80.000 Mal im Jahr: Bei einem Menschen bleibt plötzlich das Herz stehen. Nur zehn Prozent überleben hierzulande solch einen Vorfall. Es könnten jedoch viel mehr sein, wenn Angehörige oder Passanten beherzt eingreifen würden. Denn mit einfachen Erste-Hilfe-Maßnahmen kann jeder Leben retten. Falsch ist nur, nichts zu tun. Doch viele Menschen trauen sich nicht.

Erste Hilfe in wenigen Schritten

Keine Angst vor der Herzdruckmassage

Das Wichtigste ist, bei einem Herzstillstand eine Herzdruckmassage anzuwenden und nicht damit nicht aufzuhören, bis der Notarzt kommt. Denn bleibt das Herz stehen, schadet das sehr schnell dem Gehirn. Es zählt jede Sekunde. Nach drei Minuten sind schon so viele Hirnzellen abgestorben, dass es zu bleibenden Schäden kommt. Ein Notarztwagen braucht im Schnitt acht Minuten, um vor Ort sein - das kann für einen Notfallpatienten ohne Erste Hilfe schon zu spät sein oder zu schweren Folgeschäden führen. Die Herzdruckmassage gelingt auch Laien: Wer zu ungestüm drückt, kann dem Patienten zwar die Rippen brechen, doch die heilen wieder. Das ist immer noch besser als tatenlos daneben zu stehen und den Betroffenen sterben zu lassen.

Prüfen, rufen, drücken

Die einfache Regel bei der Herzdruckmassage lautet: prüfen, rufen, drücken:

  • 1. Prüfen: Reagiert die bewusstlos gewordene Person noch? Atmet sie?

  • 2. Rufen Sie unter 112 den Rettungsdienst an oder bitten Sie jemanden, das zu tun.

  • 3. Drücken: Legen Sie eine Hand mittig auf den Brustkorb, zwischen die Brustwarzen. Legen sie die andere Hand darüber und verschränken Sie beide Hände. Dann fangen Sie an zu drücken, mindestens fünf Zentimeter tief und kräftig, mindestens 100 mal pro Minute, in einem gleichmäßigen Rhythmus. 100 mal pro Minute - das ist schnell, entspricht dem Takt eines Disco-Beats wie in "Stayin' Alive" von den Bee Gees.

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Wichtig dabei ist es, nicht aufzuhören, bis der Rettungsdienst eintrifft. Wer unsicher ist, dem wird direkt beim Notruf geholfen: Der Ersthelfer bekommt Kommandos, was genau er zu tun hat.

Erste-Hilfe-Kurse senken die Hemmschwelle

Eine Beatmung ist bei der Wiederbelebung zweitrangig. Wichtig ist, dass der im Blut vorhandene Restsauerstoff durch eine Herzdruckmassage ins Gehirn gelangt und dieses so bis zum Eintreffen des Rettungsdienstes mit Sauerstoff versorgt wird. Einmal an einer Übungspuppe ausprobiert, sinkt die Schwelle zu helfen sofort. Spätestens alle fünf Jahre sollte man einen Auffrischungskurs in Erster Hilfe machen, damit man sich immer kompetent fühlt zu helfen. Erste-Hilfe-Kurse dauern dank der neuen Regeln jetzt nur noch einen Tag statt zwei und beinhalten mehr praktische Übungen.

Ersthelfer-Apps in vielen deutschen Städten

In vielen deutschen Städten arbeiten die Rettungsdienste jetzt zusätzlich mit Apps, die Ersthelfer möglichst schnell zu Menschen in Not leiten können. Menschen mit medizinischer Ausbildung können sich dafür registrieren. Wenn in der Leitstelle ein Notruf eingeht und es sich vermutlich um einen Herzstillstand handelt, werden registrierte Ersthelfer in der Nähe alarmiert. Diese können im Idealfall vor dem Rettungswagen zur Stelle sein und sofort mit der Herzdruckmassage beginnen. Noch ist das System im Aufbau - doch zum Beispiel in Lübeck waren schon in zehn Prozent aller Fälle mobile Ersthelfer noch vor den Rettungssanitätern vor Ort.

Herzdruckmassage.

Erste Hilfe: So retten Sie Leben

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Die einzige Chance, einem Menschen nach plötzlichem Herzstillstand zu retten, ist die Reanimation. Nur wenige Regeln sind wichtig - Leben retten ist nicht schwer.

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Interviewpartner

Interviewpartner im Beitrag:
Dr. Malte Issleib
Oberarzt Klinik und Poliklinik für Anästhesiologie
Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf
Martinistraße 52, 20246 Hamburg
E-Mail: anaesthesiologie@uke.de
Internet: www.uke.de

Dr. Sebastian Wolfrum
Ärztlicher Leiter Interdisziplinäre Notaufnahme
Universitätsklinikum Schleswig-Holstein (UKSH), Campus Lübeck
Ratzeburger Allee 160, 23538 Lübeck
Internet: www.uksh.de

Jojo Kleinpau, Rettungsassistent / Erste Hilfe-Ausbilder
Deutsches Rotes Kreuz
Kreisverband Lübeck e.V.
Herrendamm 42-50, 23556 Lübeck
Internet: www.DRK-Luebeck.de

Weitere Informationen:
"100 Pro Reanimation"
Initiative des Berufsverbandes Deutscher Anästhesisten e.V. und der Deutschen Gesellschaft für Anästhesiologie und Intensivmedizin e.V.
Internet: www.einlebenretten.de

Ausführliche Anleitung zu Reanimationsmaßnahmen
Johanniter-Unfall-Hilfe e.V.
Bundesgeschäftsstelle
Lützowstraße 94, 10785 Berlin
Internet: www.johanniter.de

In Hamburg können Kurse unter www.johanniter.de online gebucht werden oder telefonisch unter (040) 650 54-0

Arbeiter-Samariter-Bund Deutschland e.V.
Bundesgeschäftsstelle
Sülzburgstraße 140, 50937 Köln
Tel. (0221) 47 60 50, Fax (0221) 47 60 52 88
Internet: www.asb.de

Deutsches Rotes Kreuz (DRK) Generalsekretariat
Carstennstraße 58, 12205 Berlin
Tel. (030) 85 40 40, Fax (030) 85 40 44 50
Internet: www.drk.de/erstehilfe

Malteser Hilfsdienst
Kalker Hauptstraße 22-24, 51103 Köln
Internet: www.malteser-kurse.de

Ratgeber:
Malteser: Erste-Hilfe-Handbuch. Wissen, Ratschläge, Selbsthilfe.
288 S.; Dorling Kindersley (2016), 16,95 Euro
Franz Keggenhoff: Erste Hilfe. Das offizielle Handbuch.
236 S.; Südwest (2007), 12,95 Euro

Weitere Informationen

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