Stand: 12.09.2017 14:32 Uhr

Gesunde Ernährung: Fette besser als ihr Ruf

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Milchprodukte sind reich an tierischem Fett und Eiweiß.

In den 1950er-Jahren entdeckten amerikanische Forscher, dass fettreiche Nahrung zu erhöhten Cholesterinwerten führt. Eine Ernährung mit wenig Fett galt deshalb bisher als A und O eines gesunden Lebens. Doch die Studie war von der Zuckerindustrie bezahlt und falsch. Das zeigt jetzt auch eine große internationale Studie.

Eine Schaale voller Fett (Butter)

Gesunde Ernährung: Fette besser als ihr Ruf

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Kohlenhydrate können dick und krank machen. Nach neuen Studien empfehlen Experten, mehr Gemüse, Fett und pflanzliches Eiweiß zu essen. Tipps für eine gesunde Ernährung.

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Studie: Menschen, die Fett essen, leben länger

Weltweit befragten Forscher für die PURE-Studie (Prospective Urban Rural Epidemiology Study) 135.000 Menschen nach ihren Ernährungsgewohnheiten und beobachteten über einen Zeitraum von sieben Jahren, wie viele der Befragten starben. Das Ergebnis: Menschen, die viel Fett essen, haben ein geringeres Sterberisiko als Menschen, die wenig Fett essen.

Damit bestätigte die Studie in großem Maßstab die Ergebnisse einer Untersuchung, die spanische Wissenschaftler vor zwei Jahren veröffentlicht hatten: Damals hatte eine Gruppe viele Kohlenhydrate und wenig Fett gegessen, zwei andere Gruppen viel Olivenöl oder Nüsse und wenig Kohlehydrate. In beiden Gruppen mit der fettreichen Ernährung traten 30 Prozent weniger Herzinfarkte auf als in der kohlenhydratreichen, fettarmen Gruppe.

Gesättigte Fette schaden nicht

Überraschend an der PURE-Studie ist, dass auch Menschen profitierten, die vor allem gesättigte Fette aßen, also zum Beispiel Fett aus Fleisch und Milchprodukten. Bisher hatten Mediziner immer mit Sorge betrachtet, dass gesättigte Fette den LDL-Wert ansteigen lassen, also das "schlechte" Cholesterin.

Kohlenhydrate können krank machen

Die zweite wichtige Erkenntnis der PURE-Studie ist: Wer viele Kohlenhydrate isst, hat ein höheres Sterberisiko als jemand, der wenig Brot, Nudeln und Reis zu sich nimmt. Kohlenhydrate lassen den Insulinspiegel ansteigen. Das wiederum hemmt die Fettverbrennung, macht auf Dauer dick, führt zu einer Erhöhung der Blutfettwerte. Auf längere Sicht wird die Bauchspeicheldrüse überfordert, ein Diabetes mellitus Typ II entstehen kann. Darüber hinaus lässt die PURE-Studie vermuten, dass eine kohlenhydratreiche Ernährung auch das Krebsrisiko und die Infektanfälligkeit erhöhen könnte. Dies waren die häufigsten Todesursachen in der Studie.

Vollkorn und Gemüse statt Zucker und Weizen

Allerdings haben die Wissenschaftler nicht nach der Art der verzehrten Kohlehydrate unterschieden. Ernährungsexperten sind sich einig, dass es einen großen Unterschied macht, ob man Kohlenhydrate aus raffiniertem Zucker oder zum Beispiel aus Vollkornprodukten oder Gemüse zu sich nimmt. Die Vermutung liegt nahe, dass für die negativen Effekte vor allem Kohlenhydrate aus verarbeitetem Zucker, Weizenmehl und ähnlichen Produkten verantwortlich sind. Sie sollten deshalb so weit wie möglich vom Speiseplan verschwinden.

Viel Gemüse und gesundes Fett essen

Als Grundlage der Mahlzeiten empfehlen Experten viel Gemüse. Auch gute Öle gehören dazu, denn Fett sättigt und dient als wichtiger Geschmacksträger. Mit viel Öl zubereitetes Gemüse schmeckt gut und sättigt, sodass man keinen Appetit mehr auf ungünstige Kohlenhydrate aus Nudeln oder Brot hat.

Auch die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) hat ihre Empfehlungen erneuert: Sie rät zu weniger Zucker und moderatem Fettkonsum. Damit folgt die DGE der gängigen Praxis vieler Ernährungsberater, die schon lange zu einer kohlenhydratarmen Kost in Verbindung mit Eiweiß und guten Fetten raten.

Keine Aussage macht die PURE-Studie zur Rolle der Eiweiße in der Nahrung. Dabei sind die Proteine nach Ansicht von Experten zusammen mit Gemüse die Basis einer gesunden Ernährung. Sie sorgen für eine lang anhaltende Sättigung und liefern dem Körper wichtige Bausteine für die Muskulatur.

Tipps für eine gute Ernährung

  • Eiweiß: Der Tagesbedarf liegt bei 1 bis 1,2 Gramm Eiweiß pro Kilogramm Körpergewicht. Man sollte die Proteine auf drei Mahlzeiten am Tag aufteilen. Als ideal für eine gesunde Ernährung gilt pflanzliches Eiweiß.
  • Gemüse: Mit gutem Pflanzenöl zubereitet dient Gemüse als leckere Beilage zu eiweißreichen Nahrungsmitteln. Bei der Menge gibt es kein Limit.
  • Wer Appetit auf Nudeln, Reis oder Kartoffeln hat, sollte sie nach dem Erhitzen abkühlen lassen. Dabei wandeln sich die Kohlenhydrate zu einem großen Teil in resistente Stärke um, die von den menschlichen Verdauungsenzymen nicht aufgespalten werden kann. Sie wird ausgeschieden statt auf den Hüften zu landen.

Interviewpartner im Beitrag

Prof. Dr. Christian Sina, Institutsdirektor
Institut für Ernährungsmedizin
Universitätsklinikum Schleswig-Holstein – Campus Lübeck
Ratzeburger Allee 160, 23538 Lübeck
Internet: www.uksh.de/Ernaehrungsmedizin_Luebeck

Dr. Matthias Riedl, Internist, Diabetologe, Ernährungsmediziner             
Diabetes Zentrum Berliner Tor
Medicum Hamburg GbR
Beim Strohhause 2, 20097 Hamburg
Tel. (040) 80 79 79-0, Fax (040) 80 79 79-300
Internet: www.medicum-hamburg.de

Dr. Melanie Hümmelgen, Fachärztin für Innere Medizin und Kardiologie
Leitende Ärztin der Kardiologischen Abteilung und stellv. Ärztliche Direktorin
RehaCentrum Hamburg
Martinistraße 66, 20246 Hamburg
Tel. (040) 25 30 63-505, Fax 25 30 63-399
Internet: www.rehahamburg.de

Weitere Informationen:
Deutsche Gesellschaft für Ernährung e. V.
Godesberger Allee 18, 53175 Bonn
Internet: www.dge.de/presse/pm/10-regeln-der-dge-aktualisiert
PURE-Studie im Volltext zum Nachlesen (englisch):
Internet: www.thelancet.com/journals/lancet/article/PIIS0140-6736(17)32252-3/fulltext

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